Nach Rücktritt der Feuerwehr-Chefs: Hitzige Diskussion entbrennt bei Facebook

Jens Rademacher

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Feuerwehr (© Symbolfoto: LZ)
Archivbild: Mike Bartels (Zweiter von rechts) und Manfred Berens (Zweiter von links) haben Ihren Dienst quittiert. Mit auf dem Bild sind Wilhelm Sandmann (links) und Hans Hoppenberg (rechts). - © Jens Rademacher
Archivbild: Mike Bartels (Zweiter von rechts) und Manfred Berens (Zweiter von links) haben Ihren Dienst quittiert. Mit auf dem Bild sind Wilhelm Sandmann (links) und Hans Hoppenberg (rechts). (© Jens Rademacher)

Extertal. Das Verhältnis zwischen den Spitzen von Feuerwehr und Gemeindeverwaltung in Extertal gilt schon länger als angespannt. Nun ist es zum offenen Bruch gekommen. Feuerwehrchef Manfred Behrens und sein Stellvertreter Mike Bartels sind „mit sofortiger Wirkung" zurückgetreten.

Update: Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken auf den Rücktritt ließen nicht lange auf sich warten. Der kritische Beitrag des Löschzuges Bösingfeld wurde bisher (Stand: Freitagmittag, 16. Juni) mehr als 770 Mal geteilt und hundertfach kommentiert. Mehr als 1000 Reaktionen waren die Folge.



So schreibt ein Nutzer: "Leider fehlt es sowohl bei der Verwaltungsführung als auch in weiten Teilen des Rates offensichtlich am Verständnis der Gesamtzusammenhänge und im Laufe der letzten 10 bis 12 Jahre wurde es immer schlimmer. Natürlich kostet Sicherheit Geld. Aber es ist meiner Meinung nach gut investiertes Geld für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde. Deshalb sollte sie immer bezahlbar sein."

Ein anderer Nutzer schreibt: "Die Entscheidung war bestimmt nicht einfach. Meinen Respekt. Das Verhalten der Gemeinde kann ich nicht nachvollziehen. Aber irgendwann muss einfach ein Dämpfer erfolgen, der zum Umdenken unserer Sicherheitsaufgaben und Ehrenämter gerecht zu werden." Die meisten Nutzer sehen die Dinge ähnlich.

Was war eigentlich am Dienstagabend passiert?

Als das Führungs-Duo seine Entscheidung am Dienstagabend zum Ende einer Dienstversammlung bekanntgab, seien die Kameraden „schockiert" gewesen, berichtet Behrens. Bürgermeisterin Monika Rehmert erlebte das als Teilnehmerin live. Es gebe kein Vertrauensverhältnis mehr zur Rathausspitze, sagt Behrens, seit 2003 Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, zu den Gründen seines Schritts.

Ins Visier nimmt er Rehmert und Kämmerer Hubertus Fricke. Die Verwaltung habe alle Gespräche aufgekündigt. „Man hat das Gefühl, da wird das Ehrenamt nicht ernstgenommen." Deshalb hätten sie entschieden, die Reißleine zu ziehen.

Viele kleinere Punkte haben laut Behrens in Summe dazu geführt, dass das Fass übergelaufen sei. Insbesondere die Ausstattung der Wehr bietet nach seinen Worten seit längerem Reibungspunkte: So habe es Probleme beim Einbau neuer Tore in die Gerätehäuser Silixen und Bösingfeld gegeben, doch die Verwaltung arbeite die ihr vorliegende Mängelaufstellung nicht ab.

Es gebe überdies eine „ellenlange Liste" für die Beschaffung von kleineren Geräten, die seit 2014 bei Einsätzen kaputtgegangen seien – wie es nun mal vorkomme. Auch diese sei nicht abgearbeitet. Darüber hinaus könne er elf Wehrleute nicht einsetzen, weil unter anderem neue Helme beschafft werden müssten. Diese seien beim Einsatz Mitte April kaputtgegangen. „Das dauert doch keine zwei Monate", sagt Behrens.

Und auch der Brandschutzbedarfsplan sei immer noch nicht beschlossen, kritisiert Behrens, der trotz seines Rücktritts automatisch kommissarischer Wehrleiter wird. Die Bürgermeisterin müsse nun seine Nachfolge regeln.
Rehmert räumt ein, dass das Verhältnis zwischen Verwaltung und Feuerwehr in Extertal „schon immer problematisch" gewesen sei.

„Wir sind bemüht, den Anforderungen der Feuerwehr im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten gerecht zu werden", sagt Monika Rehmert. So werde es Ende des Monats ein neues Fahrzeug für den Standort Bremke geben, weitere seien in Planung.

Neue Helme seien bestellt, die Lieferzeit aber lang, sagt sie zur Kritik an der schleppenden Ersatzbeschaffung. „Nur müssen wir irgendwann Stopp sagen, wenn die Beträge im Haushalt verbraucht sind." Nun werde die Rathausspitze „natürlich auch mit der Feuerwehr" sprechen, um zu sehen, wie es weitergeht.

Kreisbrandmeister Karl-Heinz Brakemeier sagte, es sei jetzt wichtig, dass „vernünftige Gespräche" geführt würden, wie es bei der Extertaler Wehr weitergeht.

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