Ein rotes Sofa passt auf die Externsteine

Der weltbekannte Fotograf Horst Wackerbarth sammelt Heimatgeschichten für die NRW-Stiftung

Astrid Sewing

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Fotograf Horst Wackerbarth zeigt das rote Sofa. - © Astrid Sewing
Fotograf Horst Wackerbarth zeigt das rote Sofa. (© Astrid Sewing)

Horn-Bad Meinberg/Holzhausen-Externsteine. Gorbatschow, ein Eisbär und Dr. Ute Röder haben etwas gemeinsam: Sie alle waren auf dem roten Sofa von Horst Wackerbarth. Der berühmte Fotograf wird zwei Motive in Lippe für eine besondere Ausstellung aufnehmen.

Information
Das Projekt

Die NRW-Stiftung finanziert das Heimatprojekt gemeinsam mit Sponsoren. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist die Schirmherrin. Vom 20. August an kann der Entstehungsprozess unter www.nrw-heimat.de verfolgt werden. Im September 2016 sollen die Ausstellung und die Filme fertig sein.

Am Freitagmorgen um 6.30 Uhr steht das rote Sofa vor den Felsen, allerdings fehlen noch zwei Dinge: die Sonne und die Asiatin, die möglichst auf dem hochkant aufgestellten Sofa Platz nehmen soll. Die Sonne ist Horst Wackerbarth eigentlich nicht so wichtig. „Ich liebe das diesige Licht, es zeichnet weich, und Wolkenstrukturen in einem dunklen Himmel sind sehr malerisch“, sagt er. Trotzdem wartet er gut eine Stunde, bis alles so ist, wie er es haben will. Das Motiv mit der Geigerin, das ihm spontan eingefallen ist, will er am Abend aufnehmen, wenn Dr. Ute Röder bis dahin eine Freiwillige gefunden hat.

Röder ist Mitglied im Vorstand der NRW-Stiftung, und die hat Wackerbarth für das Projekt „70 Jahre NRW-30 Jahre NRW-Stiftung=100 Jahre Heimat“ engagiert. 80 Motive, darunter die Externsteine und das Junkerhaus in Lemgo, werden in einer Ausstellung zu sehen sein, die Dr. Ute Röder auch nach Lippe holen wird.


Damit reiht sich Lippe und natürlich auch Nordrhein-Westfalen in eine illustre Reihe ein. Der Künstler ist weltbekannt, denn mit seinem roten Sofa hat er bereits 52 Länder bereist. Er sucht sich ungewöhnliche Orte aus, bittet Prominente oder auch Normalbürger Platz zu nehmen und stellt ihnen zwölf Fragen. Es geht um Ängste, Hoffnungen, Ziele, Wünsche und um das, was die Menschen mit ihrer Heimat verbinden. 800 dieser Portraits gibt es schon, Wackerbarth bezeichnet sie als „soziale Plastik“, als „Galerie der Menschheit“. Es ist Kunst, die aus der Kommunikation im Zusammenspiel mit der ungewöhnliche Umgebung entsteht. „Das kann eine politische Aussage haben, muss es aber nicht.“

Die Externsteine findet er spannend, das Sofa wird nach oben gehievt, die Spuren sind deutlich auf dem roten Samt zu sehen. Und das soll auch so sein. „Es ist das vierte seit 1979. Die Eisbären haben ihm zugesetzt, der Rahmen ist verzogen, aber es soll gebraucht sein“, stellt er fest. Eines seiner Sitzmöbel hat er genau deshalb verloren: Mitarbeiter des Frankfurter Museums hatten das rote Sofa als Sperrmüll eingestuft und es entsorgt.

Das ist nur eine Geschichte, die der Düsseldorfer erzählen kann. Er sagt, dass er Gorbatschow als jemand erlebt hat, der sein Haus nicht verlassen wollte, dass Kardinal Rodriguez Maradiaga, ein enger Vertrauter des Papstes, in einer Moschee auf dem roten Sofa gesessen hat und mit den Gläubigen ins Gespräch gekommen ist. Und dann war da noch die Reinigungskraft, die „elegant wie eine Ballettänzerin den Boden wischte“ – Wackerbarth sammelt Menschen, die aus seiner Sicht etwas zu erzählen haben.

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