Bürgermeister Stefan Rother zieht erste Bilanz

Manfred Brinkmeier

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Bürgermeister Stefan Rother - © Manfred Brinkmeier
Bürgermeister Stefan Rother (© Manfred Brinkmeier)

Horn-Bad Meinberg. Seine Bewährungsprobe hat der neue Bürgermeister Stefan Rother bestanden. Der Haushalt 2016 ist in trockenen Tüchern. Im Gespräch mit der LZ zieht das Stadtoberhaupt, das seit dem 1. Januar auch seinen Wohnsitz in Horn-Bad Meinberg hat, eine erste Bilanz.

Ihr Start war etwas holprig. Warum hat es so lange bis zu Ihrer Vereidigung gedauert?

Rother: Ich bin froh, dass die ganze Angelegenheit mittlerweile ruht. Die letzte Ratssitzung im Oktober war der Verabschiedung meines Vorgängers vorbehalten. Ich wollte aus pragmatischen Gründen nicht, dass es zeitnah nur wegen meiner Vereidigung eine eigene Ratssitzung gibt.

Wie gehen Sie damit um, dass Sie Vorgesetzter Ihres Gegenkandidaten aus dem Wahlkampf sind?

Rother: Ich habe keine Probleme damit und finde, dass wir gut zusammenarbeiten. Nach meinem Amtsantritt habe ich die Zuständigkeiten geändert. Bei mir liegen Wirtschaft und Stadtmarketing, bei Herrn Engel Ordnung und Soziales einschließlich Flüchtlinge, Stadtwerke und Feuerwehr.

Die SPD hat sich bislang schwer damit getan, einen Bürgermeister Stefan Rother zu akzeptieren. Wie gehen Sie damit um?

Rother: Ich sehe das mit der gebotenen Gelassenheit, zumal ich mir nicht vorstellen kann, dass hier bis 2020 Wahlkampf geführt wird. Dass ich nur von SPD und Bürger-Bündnis nicht zu deren Haushaltsklausurtagung eingeladen war, fand ich ein bisschen schade. Ich wollte mich aber nicht aufdrängen, da ja der Kämmerer vor Ort war.

Wie wollen Sie die SPD mit ins Boot holen?

Rother: Ich bin aktiv auf die SPD zugegangen und hatte die Fraktionsspitze eingeladen. Wir wollen uns nun regelmäßig zum Gedankenaustausch treffen, was ich übrigens auch mit den anderen Fraktionen mache.

Was unternehmen Sie, um das Ausbluten der Innenstadt von Horn zu stoppen?

Rother: Es geht um den kleinen Einzelhandel, aber auch um den Zustand von Wohnungen. Der Bürger kauft nun mal mit dem Auto ein. Deshalb kann es beim Zustand der oberen Mittelstraße nicht bleiben. Bei der Sanierung von Häusern werden wir mit den Besitzern reden, sobald das „Integrierte städtebauliche Handlungskonzept" (ISHK) verabschiedet ist. Denn das ist die Voraussetzung, um an Fördergelder zu kommen.

Bürger fordern zunehmend eine Öffnung der Mittelstraße für den Verkehr. Sehen Sie das auch so?

Rother: Ob es eine komplette Öffnung der oberen Mittelstraße gibt oder eine Einbahnstraßenregelung, ist noch offen. Wir sind gerade dabei, mit einem Verkehrsgutachter über die Situation zu sprechen.

Sie haben bezüglich der Verkehrssituation weitere Baustellen. Was können Sie dazu sagen?

Rother: Wir wollen das Verkehrsaufkommen beim Potthof entzerren. Ob es im Bereich Potthof/Mittelstraße eine abknickende Vorfahrt oder einen kleinen Kreisel gibt, muss noch geregelt werden. Klar ist aber, dass das Verkehrskonzept schnell umgesetzt werden soll. Dabei gilt es, die Situation der Heerstraße und der Burgstraße ebenfalls zu berücksichtigen.

Wie geht es mit dem Kotzenbergschen Hof weiter?

Rother: Der Besitzer steht nach wie vor dazu, das Haus zu sanieren und dort eine gehobene Gastronomie zu etablieren. Bevor er investiert, sucht er allerdings einen Pächter. Ich möchte persönlich mit ihm sprechen, denn so kann es nicht bleiben. Ultima Ratio wäre für uns, das Gebäude zu kaufen und eine öffentliche Nutzung zu überlegen. Auch beim Sparkassengebäude soll es zu einer baulichen Veränderung kommen. Da soll es noch Gespräche zu geben.

Mit welchen Anreizen wollen Sie Firmen ansiedeln?

Rother: Gewerbeflächen werden nachgefragt, aber wir haben sie kaum in eigener Hand. Wir sind aber dabei, Flächen zu kaufen. Ein Problem ist, dass Neustarter alles selber finanzieren müssen, weshalb der Industriepark Lippe zurzeit nicht so gefragt ist. In der Vergangenheit gab es immer wieder Anfragen für gewerbliche Mietobjekte, die Stadt hat aber nur Baugrundstücke im Angebot.

Daraus entstand die Idee, mit Unterstützung von Investoren, Gebäude zur Vermietung anzubieten. Ab sofort steht der Industriepark Lippe auch für Mieter von bezugsfertigen gewerblichen Immobilien oder Industrieimmobilien zur Verfügung. Wir brauchen hier einen langen Atem, so ist das Konzept angelegt.

Wirtschaft ist bei Ihnen Chefsache. Wie sieht das konkret aus?

Rother: Ich führe viele Gespräche und arbeite eng mit unserem Wirtschaftsförderer zusammen. Ziel ist auch ein gemeinsamer Termin mit allen Firmenchefs, bei dem es nicht formal zugeht, sondern jeder frei nach Schnauze sprechen kann.

Wie geht es mit dem Staatsbad/Tourismus weiter?

Rother: Ich sehe uns auf einem guten Weg. Das Kurgastzentrum – es wird ab April umgebaut – ist schon fast ausgebucht, und Veranstaltungen im Kurtheater werden wieder stärker nachgefragt. Gemeinsam mit dem Landesverband wollen wir in Kürze den Weg zwischen den Externsteinen und Horn begehen, um zu sehen, was wir verbessern können, um Touristen in die Stadt zu bekommen.

Was soll mit dem Bahnhof Horn passieren?

Rother: Da wir ständig mit anderen Ansprechpartnern zu tun haben, ist es sehr schwierig, voranzukommen. Inzwischen ist die Bahn aber bereit, über den Vorplatz und das eigentliche Gebäude getrennt zu verhandeln. Ziel ist es, den Bahnhof zu kaufen, um das Gebäude dann bis auf den Technikteil abzureißen. Auf dem jetzigen Parkplatz planen wir Park & Ride. Zudem wollen wir uns Gedanken zur Bahnhofstraße machen. Für die Aufenthaltsqualität vor den Bahnsteigen selber ist aber nach wie vor die Bahn zuständig.

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