Halter von Blindenhunden treffen sich in Bad Meinberg

Guntmar Wolff

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Wertvolle Handgriffe: Tierärztin Dr. Ute Körner (rechts) demonstriert „Katus" Frauchen Karin Wagner beim Workshop im „Aura Zentrum", wie man Blockaden bei Hunden lösen kann. - © Guntmar Wolff
Wertvolle Handgriffe: Tierärztin Dr. Ute Körner (rechts) demonstriert „Katus" Frauchen Karin Wagner beim Workshop im „Aura Zentrum", wie man Blockaden bei Hunden lösen kann. (© Guntmar Wolff)

Horn-Bad Meinberg. Es knackt in „Katus" Körper, als Tierärztin Dr. Ute Körner eine Blockade bei der Blindenführhündin löst. Sowohl der Vierbeiner als auch Frauchen Karin Wagner wirken dankbar für die Behandlung. Mehr als 30 Hundehalter aus ganz Deutschland haben sich jetzt im Meinberger „Aura Zentrum" weitergebildet und über Probleme im Alltag ausgetauscht.

Die Gesundheit des Tieres und seine speziellen Bedürfnisse waren dabei zentrale Themen des viertägigen Treffens. Die Teilnehmer sprachen auch über Probleme im Alltag. So kritisierten einige Halter, dass es nach wie vor einige wenige Geschäfte gebe, in denen Blindenführhunde nicht erlaubt seien. „Das ist, wie wenn ein Rollstuhlfahrer aufgefordert wird, seinen Rollstuhl draußen zu lassen", brachte ein Teilnehmer die Problematik auf den Punkt.

Bei zahlreichen Workshops und Vorträgen hatten die Teilnehmer zudem die Möglichkeit, ihre Fragen an die Experten zu stellen und sich wertvolle Tipps im Austausch mit anderen Blinden zu holen. Auf viel Interesse stießen die Workshops mit Tierärztin Dr. Ute Körner. „Durch das Führgeschirr kann es zum Beispiel sein, dass der Körper des Hundes links- oder rechtsseitig stärker belastet wird", sagt Organisator Ralf Mittag. „Dann stellt sich die Frage, wie man mit wenigen Griffen dem Hund helfen kann." Die Tierärztin gab den Hundehaltern wertvolle Übungen mit auf den Weg.

Ein anderes wichtiges Thema des Treffens war die Ernährung der tierischen Begleiter. Von einer Tierärztin gab es für jeden Halter eine individuelle Futterberatung. Zudem wurde in einem anderen Vortrag über die positive Wirkung von Kräutern bei der Verdauung der Tiere gesprochen.

„Bevor sich ein Blinder einen Hund zulegt, ist es wichtig, sich die Vor- und Nachteile bei der Haltung zu vergegenwärtigen", weiß Mittag. Denn ein Tier bedeute auch einen Aufwand für einen Halter – vor allem wenn derjenige auch noch eine Sehbehinderung habe. Treffe man die Entscheidung für einen Blindenhund, müsse zudem der Arzt ein Rezept ausstellen, das den Krankenkassen vorgelegt werde. „80 Prozent der Erstanträge werden aber abgelehnt", weiß Mittag um die Hürden bei der Beschaffung eines Blindenführhundes. „Ist er dann aber erst einmal da und die Chemie passt, dann wird das Tier 24 Stunden auf Sie aufpassen", erzählte Teilnehmerin Gerda Mittag. „Damit das Gespann aber auch erfolgreich ist, müssen beide gut aufeinander eingespielt sein."

Bis zu 30.000 Euro pro Blindenhund

  • Blindenführhunde kosten laut Ralf Mittag 25.000 bis 30.000 Euro (Aufzucht und Ausbildung).
  • Als Führhunde eignen sich laut dem Verein der Deutschen Blindenführhunde friedfertige, intelligente, wesensfeste, nervenstarke, belastbare und gesunde Hunde, die zwischen einem und höchstens zwei Jahre alt sein sollten.
  • Die Schulterhöhe eines Blindenhundes sollte mindestens 50 und maximal 65 Zentimeter betragen.
  • Rassetypisch zur Aggressivität neigende Tiere dürfen nicht als Blindenführhunde ausgebildet werden.
  • Im Oktober 1916 übergab der Deutsche Verein für Sanitätshunde den ersten systematisch ausgebildeten Blindenführhund an den Kriegsblinden Paul Feyen.

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