Pflege für Körper und Geist in Bad Meinberg

Arnold Pöhlker

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  2. 250 Jahre Curort
Blick in die Geschichtsbücher: Der Mediziner Johann Erhard Trampel (links) und der Theologe Friedrich Christoph Puhstkuchen gehören zu den Geburtshelfern des Kurortes Bad Meinbergs und haben die Entwicklung mit beeinflusst. - © Arnold Pöhlker
Blick in die Geschichtsbücher: Der Mediziner Johann Erhard Trampel (links) und der Theologe Friedrich Christoph Puhstkuchen gehören zu den Geburtshelfern des Kurortes Bad Meinbergs und haben die Entwicklung mit beeinflusst. (© Arnold Pöhlker)
Aktiv: Petra Stork (links) und Irene Olma. - © Patrick Bockwinkel
Aktiv: Petra Stork (links) und Irene Olma. (© Patrick Bockwinkel)

Horn-Bad Meinberg. Bei der Zeitreise durch die 250-jährige Geschichte des „Curortes" Meinberg kommt auch die Ökumenische Kur- und Klinikseelsorge in den Blick. Denn Kurort und Kurseelsorge ergänzen sich sinnvoll darin, Menschen kompetent zu helfen, um an „Leib und Seele" wieder gesund zu werden.

Zwei Männer haben diesen ganzheitlichen Ansatz mit großer Leidenschaft angestoßen: Der Mediziner Dr. Johann Erhard Trampel (1737-1817), der von 1767 bis 1793 Arzt, Physiker und Baumeister in Meinberg war. Und der evangelische Theologe Friedrich Christoph Puhstkuchen (1727-1775), der von 1758 bis 1772 in Meinberg das Pfarramt versah und sich als Chronist und Seelsorger des Bades hervortat.

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Bewusster Lebensstil
Zur Erhaltung der Gesundheit gehören Friedrich Christoph Puhstkuchen zufolge zuallererst „fünf Tugenden: der rechte Gebrauch der Speisen und des Tranks; fröhlicher Mut, da anhaltender Missmut das Geblüt und beste Säfte des Körpers verdirbt; die rechte Pflege des Körpers; die notwendige Abwechslung zwischen Arbeit und Ruhe sowie schützende Kleidung." Außerdem spielte für ihn die „Mäßigkeit" eine wichtige Rolle, was heute mit bewusstem Lebensstil gleichzusetzen ist.

Trotz unterschiedlicher Profession waren sie kongeniale Partner und zählen zu den Geburtshelfern des Kurortes.

In seinem „Historischen und Moralischen Aufsatz bei dem Meyenberg Bade" dokumentierte Puhstkuchen 1771 nicht nur akribisch die Geschichte der Badequellen. Er gab auch Anleitungen zur seelischen und körperlichen Heilung. Dabei sparte er die „Schattenseite" einer Kur nicht aus. Um den Ruhm des Kurortes in der Anfangszeit überzeugend zu verbreiten, wurde in den „Lippischen Intelligenzblättern" (der Vorgänger der Landes-Zeitung) regelmäßig berichtet.

Beste Werbung brachten Heilerfolge. Beispielsweise bei einem „lahmen Menschen aus Maspe namens Knoop", über den der Theologe berichtete. Nach dem zweiten Bad am 19. Juli 1767 habe man mit Erstaunen festgestellt, dass er ohne Krücken wieder gehen konnte. Da einigen diese Heilung merkwürdig vorkam, hielt Puhstkuchen in Gegenwart vieler Menschen am 21. Juli 1767 auf dem Brunnenplatz an den Quellen eine öffentliche Danksagungsrede. Es war die erste Brunnenandacht, die danach im Kuralltag einen festen Platz bekam.

Puhstkuchen entwickelte sich zu einem glühenden Fan des Kurortes. Da es noch an nötigen Unterkünften mangelte, warb er am 4. Juli 1767 in den Lippischen Intelligenzblättern für eine Zimmervermietung in seinem Pfarrhaus. Regelmäßiges kirchliches Leben (Kurseelsorge) setzte auf evangelischer und katholischer Seite ab 1773 ein.

Kurgottesdienste beider Konfessionen fanden im „Trampelschen Haus" (Kurhaus Stern) statt. Für die evangelischen Christen stand der Ballsaal zur Verfügung. Katholiken feierten ihre Messe in einem kleineren Raum im Obergeschoss. Puhstkuchen berichtet, dass die Geräte und Gewänder für die Geistlichen von Kurgästen, die in Meinberg Heilung gefunden hatten, gestiftet worden seien.

Jahre später zogen beide Konfessionen in andere Häuser um. Keinen Gefallen mehr fanden die Protestanten an der Umgebung des Ballsaales im Stern. Man habe hier kein „heiliges Gefühl mehr entwickeln können". Das hing mit dem Anblick der gedeckten Tafel und den bei manchen Zuhörern aufkommenden Gedanken nach Schmaus und rauschendem Tanz zusammen.

Fortan wurden die evangelischen Gottesdienste – auch für die Kurgäste – in der Dorfkirche gefeiert. Die Katholiken zogen in das Ballhaus im Park. Von dort ging es 1867 in eine Kapelle im Kurhaus „Rose", ehe 1908 die Messe in der Kapelle der Hermannschule stattfand. Später wurde die Christkönigkirche gebaut.

Zum Kurort gehört auch die Kurmusik.

Die ersten Töne hörten die Gäste am 15. Juli 1776 am Brunnen. In den folgenden Jahren wurde zur Tradition, dass die Musiker zu Beginn des Konzertprogrammes zunächst immer einen Choralsatz musizierten. Respektvoll erhoben sich die Gäste von ihren Plätzen und sangen mit.

Kurseelsorgerinnen geben Rat und hören zu

Seit den 1960er Jahren bieten die evangelische und katholische Kirche ein vielfältiges Angebot an Veranstaltungen in der Kurseelsorge an. Regelmäßig finden ökumenische Gottesdienste statt.

Abendmusiken und Theatervorstellungen erfreuen die Kurgäste auch in den Kirchen und Gemeindehäusern am Ort. Eine lange Tradition haben Vorträge im Kurgastzentrum mit ehrenamtlichen Referenten. Seit den 1970er Jahren gehört die Klinikseelsorge zum (ebenfalls kostenlosen) kirchlichen Angebot im Kurort.

Klinikseelsorgerin Pastorin Petra Stork (evangelisch, mit einer Viertelstelle Dienstumfang) und Klinikseelsorgerin und Gemeindereferentin Irene Olma (katholisch, halbe Stelle) nehmen diese Aufgabe wahr.

Sie betreuen die Brunnenklinik, Rose-Klinik und Mutter-Kind-Klinik am Schanzenberg. In diesen Einrichtungen gibt es Gesprächskreise zu Glaubens- und Lebensfragen, Andachten und Gottesdienste, offenes Singen, meditative Spaziergänge und – ganz wichtig – Einzelgespräche. Patienten in diesen Kliniken durchleben häufiger eine persönliche Krise.

Meist haben sie eine Krankheit erlebt oder müssen sich von einer Operation erholen. Manche hinterfragen ihre Lebensführung. Andere kämpfen mit der Erfahrung, dass ihr Körper schwächer wird. Bei einigen treten persönliche Verluste, etwa der Tod des Lebenspartners, an die Oberfläche. Mitunter gibt es Enttäuschung, weil die Heilung nicht wie erhofft (sofort) eintritt. „In der Reha haben die Patienten Zeit zum Nachdenken. Da kommt vieles hoch", wissen die Theologinnen.

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