Breitbandausbau wird in Horn-Bad Meinberg vorangetrieben

Patrick Bockwinkel und Yvonne Glandien

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Horn-Bad Meinberg. Wer in Fissenknick wohnt, lebt landschaftlich sehr reizvoll. In Sachen Internet dürften sich die Bürger aber oft wie in der digitalen Steinzeit fühlen. Maximal 6 Megabit pro Sekunde (Mbit) stehen dort zur Verfügung. Dadurch kann das Laden von bildreichen Internetseiten und Youtube-Videos schonmal minutenlang dauern – vom Streamen der neuesten TV-Serien ganz abgesehen. Doch das gehört bald der Vergangenheit an.

Das Vorhaben: Fissenknick wird bis zum Frühjahr 2018 an die digitale Datenautobahn angeschlossen. Geschwindigkeiten von bis zu 120 Mbit sollen dann erreicht werden können, womit schnelles Surfen kein Problem mehr ist. Auch in Horn und Bad Meinberg wird die Breitbandversorgung ausgebaut. In den beiden Orten waren je nach Anbieter zwar bereits bis zu 400 Mbit (Kabelanbieter Unitymedia) oder bis zu 16 Mbit (Telekom) möglich, womit sie längst nicht so von der digitalen Welt abgeschnitten waren wie Fissenknick und andere kleine Ortsteile. Dennoch profitieren auch hier die Einwohner vom schnelleren Internet, was das Unternehmen innogy (vormals RWE) in den drei genannten Ortsteilen umsetzt.

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Grundsätzlich meint die von den Dienstleistern angepriesene Geschwindigkeit die in der Spitze verfügbare Downloadgeschwindigkeit. Dabei entspricht 1 Megabit 1024 Kilobit. 8 Bit entsprechen einem Byte. Das heißt: 2 Megabit sind 2048 Kilobit, also 256 Kilobyte. Die wiederum sind gleich 0,256 Megabyte. Daraus ergibt sich die maximale Downloadgeschwindigkeit einer 2-Mbit-Leitung: 0,256 Megabyte in der Sekunde. Möchte der Nutzer also eine Datei herunterladen, die 8 Megabyte groß ist, das ist in etwa die Größe eines Fotos mit guter Auflösung, dauert dies etwa 30 Sekunden bei voller Leistung. Nicht berücksichtigt bei der Rechnung ist, dass in der Regel andere Prozesse auf dem Computer laufen, die ebenfalls Datenvolumen beanspruchen. Zudem kann die reale Geschwindigkeit niedriger ausfallen. Im Vergleich dazu: Mit einer 50 Megabit-Leitung dauert das Herunterladen der 8-Megabyte-Datei im besten Fall nur 1,5 Sekunden.

Die Vorgehensweise: innogy wird mit seinem Netzbetreiber Westnetz in den kommenden Monaten Glasfaserkabel in den drei Orten verlegen lassen. Drei Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Ausbau, der bereits angelaufen ist. Ohne Fördergelder und ohne Zuschüsse der Stadt. 2000 Adressen könnten dadurch erreicht werden. Dabei werden die Glasfaserkabel, durch die wesentlich höhere Datengeschwindigkeiten erreicht werden können als durch die herkömmlichen Kupferleitungen, großräumig in Horn, Bad Meinberg und Fissenknick verlegt. Die Glasfaserkabel münden in 25 grauen Verteilerkästen – sogenannten Multifunktionsgehäusen – die an zentralen Punkten in den Straßenzügen und Wohngebieten aufgestellt werden. Dort können dann die bestehenden Kupferleitungen der Hausanschlüsse mit dem neu verlegten Glasfaserkabel verbunden werden. Wer am nächsten an solch einem Multifunktionsgehäuse wohnt, hat den geringsten Datenverlust und kann Internetgeschwindigkeiten von bis zu 120 Mbit erreichen. „50 Mbit können wir aber mindestens garantieren", sagte Josef Ontrup von innogy im Ausschuss für Verkehrsinfrastruktur und Sanierung, wo der Breitbandausbau vorgestellt wurde. Auch die Gewerbegebiete Hessenring/Siemensstraße sollen mit abgedeckt werden.

Die Anbieterwahl: Wer in Horn, Bad Meinberg oder Fissenknick nach dem erfolgten Ausbau das Glasfasernetz von innogy nutzen möchte, könne zwischen mehreren Internetanbietern wählen. Darunter seien etwa die Telekom, easybell oder auch innogy selbst. Wer prüfen möchte, ob er im Einzugbereich des schnellen Internets des Unternehmens liegt, kann das unter www.innogy-highspeed.com/verfuegbarkeit überprüfen.

Die anderen Orte: Die Ortseile Horn-Bad Meinbergs sind höchst unterschiedlich mit Internet versorgt (siehe Kasten). Der jetzt laufende Breitbandausbau durch innogy in Horn, Bad Meinberg, Fissenknick und eventuell Belle ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. In Schmedissen habe sich beispielsweise die Telekom dazu verpflichtet, im kommenden Jahr das Netz so auszubauen, dass bis zu 50 Mbit erreicht werden. „Wir hoffen, dass in einem Zug auch Wilberg mit erschlossen wird", sagt Horn-Bad Meinbergs Wirtschaftsförderer Rüdiger Krentz. Auch andere Ortsteile könnten bald in den Genuss von schnellem Internet kommen. Für den Ausbau stellen Land und Bund nämlich Fördergelder zur Verfügung. Koordiniert und vergeben werden diese in Lippe vom Kreis. Dieser Prozess sei gerade in vollem Gang. „Wir gehen davon aus, dass bis zum Frühjahr 2018 die Aufträge vergeben werden", sagt Krentz. Dann stehe auch fest, welche Orte in Horn-Bad Meinberg noch an die digitale Datenautobahn angeschlossen werden.

Belle kann Vorreiter werden

Nach solch einer Möglichkeit würden sich andere Dörfer zweifelsohne die Finger lecken: Belle könnte der erste Ort in Lippe werden, in dem jeder Haushalt mit einem Glasfaserkabel angeschlossen wird. Das hat das Unternehmen innogy SE mit seinem Partner „gustav internet" vor.

Der Vorteil: durch ein direkt ins Gebäude führende Glasfaserkabel entstehen keine Datenverluste. Somit wären für jeden Haushalt in Belle Geschwindigkeiten von 200 Mbit (500 Mbit für Gewerbetreibende). „In Deutschland haben derzeit lediglich rund fünf Prozent der Haushalte einen glasfaserbasierten Internetzugang", berichtet Reiner Brachvogel von „gustav internet". Damit hinke die Bundesrepublik im internationalen Vergleich ziemlich hinterher. Um das aufzuholen, haben Bund und Länder Förderprogramme aufgelegt, mit denen der Breitbandausbau finanziert wird. Oft sei das auch mit einem Eigenanteil der Kommunen verbunden.

In Belle will innogy den Glasfaserausbau auf eigene Faust stemmen und dafür rund 1,4 Millionen Euro investieren. Das geschehe aber nur, wenn 290 von rund 400 Haushalten, sprich etwa 75 Prozent, mitmachen und sich bereit erklären, das Angebot von innogy und „gustav internet" auch zu nutzen. Dazu findet am Donnerstag, 21. September, ab 19 Uhr eine Infoveranstaltung im Schützenhaus in Belle statt. Dort werden die Projektleiter das Vorhaben noch einmal erläutern und alle Fragen der Einwohner, beispielsweise zur Anbieterwahl, zur Bauweise oder zur Funktionsweise der Technik, klären.

Dass innogy das kleine Belle mit Glasfasertechnik ausstatten will, sei den Bemühungen der Stadt sowie von Wirtschaftsförderer Rüdiger Krentz zu verdanken. „Wir erhoffen uns natürlich außerdem, darüber auch den Industriepark Lippe mit anschließen zu können, was ebenfalls geplant ist", sagt Krentz.

So sieht es zur Zeit mit der Breitbandabdeckung in Horn-Bad Meinberg aus:

Bad Meinberg

  • Unitymedia: besteht mit bis zu 400 Mbit
  • Telekom: besteht mit bis zu 16 Mbit
  • Innogy: soll ab Frühjahr 2018 mit bis zu 120 Mbit

Belle

  • Sewikom: besteht mit bis zu 50 Mbit
  • Telekom: besteht mit bis zu 6 Mbit
  • Innogy: könnte 2018 mit bis zu 200 Mbit verfügbar sein - wenn es ausreichend Nachfrage gibt
  • Förderpakete stehen offen, danach könnten bis zu 200 Mbit zur Verfügung stehen

Bellenberg

  • Sewikom: besteht mit bis zu 50 Mbit, nach dem Hauptverteiler erfolgt die Erschließung über Kupferleitungen
  • Unitymedia: besteht mit bis zu 400 Mbit
  • Telekom: besteht mit bis zu 6 Mbit
  • Förderpakete stehen offen

Fissenknick

  • Telekom: besteht mit bis zu 6 Mbit
  • Inoogy: Ab Frühjahr 2018 sollen bis zu 120 Mbit möglich sein
  • Förderpakete stehen offen, danach könnten bis mindestens 50 und bis zu 120 Mbit möglich sein

Fromhausen

  • Sewikom: besteht mit bis zu 50 Mbit
  • Telekom: besteht mit bis zu 6 Mbit
  • Förderpakete stehen offen

Heesten

  • Sewikom: besteht mit bis zu 50 Mbit
  • Telekom: besteht mit bis zu 6 Mibt
  • Förderpakete stehen offen

Holzhausen-Externsteine

  • Sewikom: besteht mit bis zu 50 Mbit
  • Unitymedia: besteht mit bis zu 400 Mbit
  • Telekom: besteht mit bis zu 6 Mbit
  • Förderpakete stehen offen, danach könnten mindestens 50 und bis zu 120 Mbit möglich sein

Horn

  • Unitymedia: besteht mit bis zu 400 Mbit
  • Telekom: besteht mit bis zu 16 Mbit, 2019 will die Telekom zwei Hauptverteiler ausbauen
  • Innogy: ab Frühjahr 2018 bis zu 120 Mbit
  • Förderpakete stehen offen

Kempenfeldrom/Veldrom

  • Sewikom: besteht mit bis zu 50 Mbit
  • Telekom: besteht mit bis zu 6 Mbit
  • Förderpakete stehen offen

Leopoldstal

  • Telekom: besteht mit bis zu 16 Mbit
  • Förderpakete stehen offen, danach sollen mindestens 50 und bis zu 200 Mbit möglich sein

Schmedissen

  • Telekom: 2018 sollen bis zu 50 Mbit möglich sein
  • Förderpakete stehen offen

Vahlhausen

  • Telekom: besteht mit bis zu 6 Mbit
  • Förderpakete stehen offen, danach sollen mindestens 50 Mbit möglich sein

Wehren

  • Sewikom: besteht mit bis zu 50 Mbit
  • Telekom: besteht mit bis zu 6 Mbit
  • Förderpakete stehen offen

Wilberg

  • Telekom: besteht mit bis zu 6 Mbit
  • Förderpakete stehen offen, danach sollen mindestens 50 und bis zu 120 Mbit möglich sein

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  1. Problemzonen in Lippe

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