Vergessene Brücke in Varenholz: Das steckt hinter dem Bauwerk

Alexandra Schaller

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Zeit und Vandalismus haben ihre Spuren hinterlassen: Die alte Bruchsteinbrücke in den Weserauen unterhalb des Schlosses Varenholz. - © Alexandra Schaller
Zeit und Vandalismus haben ihre Spuren hinterlassen: Die alte Bruchsteinbrücke in den Weserauen unterhalb des Schlosses Varenholz. (© Alexandra Schaller)

Kalletal-Varenholz. Eine Brücke mitten im Nirgendwo soll es in Varenholz geben. „Alleine finden Sie die aber nie", hat mir Heimatfreund und Hobbyhistoriker Hans-Ulrich-Krause gesagt. Also treffe ich mich mit ihm erst einmal direkt am Schloss.

„Die paar Meter können wir laufen", sagt er. Und wir marschieren los. Den Beutebrink hinunter und dann auf den Fahrradweg in Richtung Erder. 500 Meter, 800 Meter... Von einer Brücke ist weit und breit nichts zu sehen. „Eigentlich müsste sie hier irgendwo sein", meint Krause, während wir weiter den belaubten, teils matschigen Waldweg entlang wandern. Als Kind habe er die Brücke mit seinen Kameraden oft erkundet, erzählt er. Heute kommt er nur noch selten hier her.

Wir lassen unsere Blicke schweifen, und plötzlich entdecke ich sie: Einige hundert Meter entfernt steht die Brücke mitten in den Weserauen. Also machen wir kehrt, nehmen die zuvor verpasste Abzweigung und erreichen einen Acker. Wir kämpfen uns durch kniehohes Gras über einen holprigen Feldweg, der eigentlich nicht einmal als solcher zu bezeichnen ist.

Dann endlich erreichen wir die Brücke. Doch der Anblick des historischen Bauwerkes ist erschreckend. Vollkommen zugewuchert, ist von der rund 60 Meter langen und etwa vier Meter hohen Bruchsteinbrücke mit den vier Gewölben nicht viel zu sehen. Große Teile der Steine sind herausgebrochen, Gras, Disteln und Sträucher wuchern überall. Betreten lässt sich das historische Bauwerk kaum. Und auch Wasser sucht man vergebens. Bis auf ein schmales Bächlein, dem Herrengraben, fließt hier schon lange nichts mehr hindurch. Die Weser kann laut Krause hier aber nicht hindurchgeflossen sein.

Erbaut wurde die Brücke 1753 – davon ist zumindest nach der in den Stein gemeißelten Jahreszahl auszugehen. Denn wirklich sichere Informationen, wer die Brücke erbaut hat und vor allem zu welchem Zweck, gibt es bis heute kaum. Laut Krause hat sie aber wohl landwirtschaftlichen Zwecken gedient (siehe Information).

Nicht immer hat man hier im Ort hingenommen, dass die Brücke im Nirgendwo verkommt. Hans-Ulrich Krause hat einige alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen dabei, die die Varenholzer in Aktion zeigen. „Sogar eine Maurerfirma war zu Gange", berichtet er. Doch irgendwann habe man resigniert. „Auch weil Vandalen der Brücke immer wieder mutwillig zugesetzt haben."

Unter Denkmalschutz steht die alte Brücke ebenfalls. Und die Dorfbewohner hängen an ihr. „Man könnte so viel daraus machen", meint der Journalist im Ruhestand. Schon oft habe er Radfahrer gesehen, die sich das Schloss anschauten und dann auf der Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten seien. „Nur drei bis vier Kilometern von hier, und man erreicht die Weserfähre. Das wäre eine perfekte Anbindungsmöglichkeit", könnte sich Krause vorstellen. Oder einfach ein kleiner Wanderweg mit Rastmöglichkeit an der Brücke. „Das wäre toll."

Dass die Brücke tatsächlich bereits jetzt Touristen anlockt, stellen wir auf dem Rückweg fest. Ein Bielefelder Ehepaar kommt uns entgegen. „Wir haben den Geheimtipp in einem Buch entdeckt. Jetzt wollten wir mal schauen gehen, was es mit der Brücke auf sich hat", sagen die beiden. Und bahnen sich ihren Weg über Stock und Stein in Richtung Brücke.

Information
Die Historie
1753 wurde die Bruchsteinbrücke erbaut. Hans-Ulrich Krause ist sicher, dass sie landwirtschaftlichen Zwecken diente und auf ihr Schafe, Rinder oder Schweine bei Hochwasser Zuflucht suchen konnten.

Auch das Hirtenhaus auf der anderen Seite des Herrengrabens war wohl über die Brücke zu erreichen. Claus Gröger bezeichnet im Heft „Heimatland Lippe" die Brücke als „Alte-KüheBrücke". Ende des 19. Jahrhunderts verlor sie demnach ihre Bedeutung, da die Viehhaltung zugunsten des Ackerbaus zurückging.

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