Besitzer der Wassermühlen-Ruine verklagt die Gemeinde Kalletal

Jens Rademacher

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Kein schöner Anblick: Am Zustand der historischen Wassermühle in Langenholzhausen hat sich nichts verändert. Der Eigentümer hat die Frist verstreichen lassen, in der er unter anderem die Folie auf dem Dach hätte erneuern müssen. - © Jens Rademacher
Kein schöner Anblick: Am Zustand der historischen Wassermühle in Langenholzhausen hat sich nichts verändert. Der Eigentümer hat die Frist verstreichen lassen, in der er unter anderem die Folie auf dem Dach hätte erneuern müssen. (© Jens Rademacher)

Kalletal-Langenholzhausen. Bis zum 22. Dezember hätte das kaputte Folien-Notdach der alten Wassermühle repariert sein müssen. So hatte es die Gemeinde Kalletal dem Eigentümer aufgegeben. Doch passiert ist nichts – und bis auf Weiteres wird den Langenholzhausern wohl der Anblick des zerfetzten Foliendachs im Ortskern erhalten bleiben. Die Auseinandersetzung wird jetzt mit juristischen Mitteln geführt.

Beim Verwaltungsgericht Minden sei eine Klage gegen die Verfügung der Gemeinde Kalletal eingegangen, sagte Gerichtssprecher Dr. Hans-Jörg Korte. Darin wehre sich der Eigentümer der Mühle, die im Juli 2015 gebrannt hatte, gegen die Auflagen. Dem Gerichtssprecher zufolge argumentiert der in Hannover wohnende Eigentümer, der sich gegenüber der LZ mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern wollte, unter anderem damit, dass die Erhaltung der Mühle nicht im öffentlichen Interesse sei. Sprich: Er bezweifelt den Denkmalwert der Brandruine.

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Einst drehten sich vier Mühlräder

Die Wassermühle, deren Baujahr mit 1568 angegeben wird, war neben der Kirche das markanteste historische Gebäude im Ortskern von Langenholzhausen. Während ihrer Glanzzeit, im 18. Jahrhundert, verfügte sie über drei Wasserräder, um 1860 ist den Überlieferungen zufolge sogar ein viertes Rad in Betrieb genommen worden. Der heutige Besitzer übernahm sie im Jahr 2003 mit seiner Frau und ließ sie aufwendig renovieren. Der Brand im Jahr 2015 zerstörte unter anderem die Inneneinrichtung. Ursache war ein technischer Defekt.

Doch genau den hatte das Westfälische Amt für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster im Herbst 2015 auch für die Überreste festgestellt. „Und wir sind nach wie vor dieser Auffassung", sagt LWL-Pressereferent Markus Fischer. Erhaltenswerte Teile seien nicht zerstört worden, beispielsweise die Fassade und der Renaissancegiebel aus Holz, der zwar nicht mehr an Ort und Stelle aber erhalten geblieben sei.

Wie es mit der Mühle weitergehen soll und ob diese womöglich wieder aufgebaut werden muss, konnte der LWL-Sprecher nicht sagen. Weil es auch um die Denkmalschutz-Frage geht, hat das Mindener Gericht nach Eingang der Klage am 30. Dezember das Denkmalamt in Münster um eine Stellungnahme zu dem Sachverhalt gebeten – genauso wie die Gemeinde Kalletal.

Der LWL wird seinem Sprecher Markus Fischer zufolge nun dem Gericht eine Stellungnahme abgeben. Auch die Gemeinde Kalletal sei vom Gericht darum gebeten worden und komme dem natürlich nach, sagte Ewa Hermann, Leiterin des Fachbereichs Planen und Bauen. So lange werde die Gemeinde auch nicht selbst aktiv, um die Brandruine zu sichern.

Hermann bestätigte, dass die dem Eigentümer gesetzte Frist verstrichen sei, ohne dass etwas geschehen wäre. Nun wolle die Gemeinde auf eine Aussage des Gerichts warten und Ende des Monats weiterarbeiten. Wenn das Gericht nichts Gegenteiliges entscheidet, will die Gemeinde danach das Foliendach erneuern und die Fenster verschließen lassen, damit kein Regenwasser mehr in das Gebäude eindringt.

Für die notwendigen 
Arbeiten muss es nach Hermanns Worten eine beschränkte Ausschreibung geben, weil sie voraussichtlich mit mehr als 10.000 Euro zu Buche schlagen werden. Weil der 
Eigentümer die Frist hat verstreichen lassen, will sich die Gemeinde die Kosten von ihm wiederholen.

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