Mindener Stichlinge zeigen ihr neues Programm in der Deele Brosen

Wulf Daneyko

  • 0
Frank Oesterwinter informiert als russischer Cyberkrieger seinen Chef Putin darüber, dass Trump wie geplant gewählt worden sei. - © Wulf Daneyko
Frank Oesterwinter informiert als russischer Cyberkrieger seinen Chef Putin darüber, dass Trump wie geplant gewählt worden sei. (© Wulf Daneyko)

Kalletal-Brosen. Traditionell eröffnen die Mindener Stichlinge ihre Kabarettsaison zum Jahresanfang mit einer Generalprobe in der Deele Brosen. So auch diesmal. „Geht’s noch?" lautet der Titel ihres neuen Programms, in dem sich die Akteure so bissig und spritzig wie eh und je präsentieren.

Und so gibt es wieder einen satirischen Rundumschlag, in dem es um Denkende, Anders-Denkende und Garnicht-Denkende geht. So schlüpften die Akteure etwa in die Rolle von AfD-„Vizekanzler" Bernd Höcke. Für den Zuhörer war bei dessen Rede auf der Bühne nicht erkennbar, ob es sich um eine erfundene und überzeichnete oder um eine echte Ansprache handelte. Erst dadurch wurde die Gedankenwelt Höckes entlarvt. „Sollen sie doch alle AfD wählen", zeigte sich da ein Rabbiner ganz entspannt. „Alles dauert nur zwölf Jahre, das Dritte Reich und die Merkel auch", resümierte er bissig.

Da wählt so mancher doch lieber die „Nichts"-Partei, die nichts verspricht, aber dies auch hält, denn das Volk sei ja sowieso nie zufrieden. „Wir schaffen das – mit nichts" lautete das Wahlmotto.

Unter der bewährten Regie von Birger Hausmann und Dieter Fechner nahmen die vier Kabarettisten nahezu jeden bekannten Politiker oder Staatsmann auf die Schippe. Kirsten Gerlhof, Annika Hus sowie Frank Oesterwinter und Dietrich Weisemann ließen kein gutes Haar an den Protagonisten ihrer etwa 20 kurzen Stücke.

Währenddessen saß Regisseur Hausmann an einem Tisch im Vorraum und verfolgte das Spektakel begeistert auf einem Bildschirm. Intensiv ging er in jeder Szene mit, schwang mit den Armen und klatschte selbst Beifall. Zwischendurch machte er sich Notizen, als feile er noch immer an kleinsten Feinheiten. Damit machte er klar: Er ist mit Herz und Seele Kabarettist.

Weiter ging es mit Kurzmeldungen, in denen der VHS-Kursus „Integration für Deutsche" angepriesen und Trümmerfrauen für Aleppo gesucht wurden. „Ich bin nicht dick, ich bin einfach nur gut zu sehen", verkündete derweil der Verein „Dicke e.V.". Dann ging es im die US-Wahlen: „Trump ist wie geplant gewählt worden", teilte auf der Bühne ein russischer Cyberkrieger seinem Chef Putin mit. „Nein, ich bin kein Trojaner, ich bin aus St. Petersburg", fügt er hinzu.

Musikalisch aufgelockert wurde das Programm durch Gesangseinlagen sowie durch das Stück „So ein Mann, so ein Mann, macht mich unwahrscheinlich an" – und meinte „unwiderstehliche" Männer wie Putin, Kim Jong Un oder Erdogan. Begleitet wurden die Lieder von Stephan Winkelhake am Klavier. Auch die Bundeswehr blieb von Sticheleien nicht verschont.

Fast schon resignierend wirkte dagegen die Analyse zur Demokratie in Deutschland, wo der Wählerwille durch eine große Koalition ersetzt werde. „Es ändert sich nichts, das ist Demokratie." Und das vermeintlich schöne Landleben war ebenfalls Thema: Hier wurden die Tierhaltung aufs Korn genommen. Zum Abschluss sangen alle „Niemand braucht Berliner Luft, Luft, Luft".

Als Dank für ihren kabarettistischen Mumm überreichten die Deelen-Betreiber den Künstlern Sekt. Und die Antwort auf die Frage ihres Programmtitels „Geht’s noch?" kann nur lauten: „Ja, es geht noch – und wie!"

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!