Gemeinde will Zahl der Friedhofskapellen nun doch nicht reduzieren

Tobias Schneider

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Nach dem Ratsbeschluss von 2013 war auch sie vom Abriss bedroht. Viele Bürger setzten sich daraufhin für den Erhalt ein. Seit 2015 kümmert sich der Kapellenverein Erder um den Trauerort. - © Archivfoto: Scherzer
Nach dem Ratsbeschluss von 2013 war auch sie vom Abriss bedroht. Viele Bürger setzten sich daraufhin für den Erhalt ein. Seit 2015 kümmert sich der Kapellenverein Erder um den Trauerort. (© Archivfoto: Scherzer)

Kalletal. Für viele Bürger dürfte diese Kehrtwende überraschend kommen: Im April 2013 hatte der Rat dafür gestimmt, die Zahl der gemeindeeigenen Friedhofskapellen von 13 auf drei zu reduzieren. Nun wollen die Kommunalpolitiker den Beschluss wieder kippen. Demnach sollen alle Friedhofskapellen zumindest vorläufig erhalten bleiben. Mit großer Mehrheit – bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung – hat der Ausschuss für Soziales und öffentliche Einrichtungen die Weichen für diesen Richtungswechsel gestellt.

Vor der Abstimmung hatte Bürgermeister Mario Hecker in einer Ansprache für den Erhalt aller Friedhofskapellen geworben. Das Thema dürfe nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten diskutiert werden, mahnte er. „Friedhofskapellen als solche sind kein Luxusgut, sondern wichtiger Bestandteil unserer Bestattungskultur. Sie bieten in der Regel Raum für Trauer in näherer Umgebung der Hinterbliebenen", sagte Hecker. Zahlreiche Friedhofskapellen stammen seinen Worten nach aus der Zeit vor der Kommunalreform und sind oft von ehrenamtlichen Helfern gebaut worden, die heute zwischen 70 und 100 Jahre alt sind. Diesen Menschen zu sagen, dass ihre Kapelle bald abgerissen wird, erscheine ihm nicht angemessen, machte das Verwaltungsoberhaupt deutlich.

Auch die Ein- und Ausgabenbilanz sei in den vergangenen Jahren besser geworden, führte Hecker aus. Der Fortbestand sämtlicher Kapellen in den kommenden Jahren sei deshalb vertretbar. „Es muss allerdings allen klar sein, dass bei größeren Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten über einen Abriss von Kapellen nachgedacht werden muss." Der Bürgermeister regte an, von Fall zu Fall zu entscheiden.

Die Politiker sahen dies ähnlich. „Wir sind zehn Jahre zu früh dran" oder „Fehler kann man revidieren", hieß es aus den Reihen der Fraktionen. Andreas Erke von den Freien Mandaten Kalletal (FMK) bezeichnete die Friedhofskapellen als Identifikationspunkte, die zum Heimatgefühl der Menschen beitrügen. „Friedhofskapellen sind wichtig", sagte auch die CDU-Politikerin Sabine Reinecke-Erke, die gleichzeitig von der Festlegung einer bestimmten Kostengrenze für die Kapellen abriet. „Sonst sitzen wir in zwei Jahren wieder hier."

Wie berichtet, hatte der Gemeinderat im April 2013 beschlossen, nur drei der 13 Friedhofskapellen zu behalten, und zwar die in Hohenhausen, Talle und Kalldorf. Bei den Bürgern führte diese Entscheidung zu intensiven Diskussionen. In Erder wurde ein Verein gegründet, der sich seitdem um die Kapelle im Dorf kümmert. In jüngster Zeit war das Für und Wider der drohenden Kapellenabrisse immer mal wieder im Rathaus beraten worden.

Nachdem nun der Fachausschuss grünes Licht für die Aufhebung des Ratsbeschlusses von 2013 gegeben hat, muss das Thema noch im Haupt- und Finanzausschuss am 16. Mai und zwei Tage später im Rat diskutiert werden.

Information
Henke ist überrascht

Der Vorsitzende des Kapellenvereins Erder, Reinhard Henke, ist über die aktuellen Entwicklungen erstaunt. „Es überrascht mich, dass es jetzt wieder rückwärts gehen soll", sagt er auf LZ-Anfrage. Die Übernahme der Kapelle in Erder durch Ehrenamtliche bereut er nicht. „Wir sind sehr zufrieden." Seit 2015 hätten die rund 120 Vereinsmitglieder zum Beispiel den Eingang und die Bänke erneuert. Auch ein Teppich sei bestellt. Die Gemeinde hätte all das wohl kaum finanzieren können, schätzt er. (tos)

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