Volker Aust fährt immer noch Bus

Axel Bürger

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Sein „Kind": Volker Aust hat das Bürgerbus-Projekt in Kalletal ins Leben gerufen. Der 72-Jährige setzt sich gerne ans Steuer. - © Jens Rademacher
Sein „Kind": Volker Aust hat das Bürgerbus-Projekt in Kalletal ins Leben gerufen. Der 72-Jährige setzt sich gerne ans Steuer. (© Jens Rademacher)

Kalletal-Bavenhausen. Bei Lafontaine hörte die Freundschaft auf. Ansonsten ist Volker Aust leidensfähig. Der 72-Jährige war Leiter einer Hauptschule, Schulrat bei der Bezirksregierung, Ratsherr, Vorsitzender eines Museumsvereins und „Mister Bürgerbus" im Kalletal. Obwohl seit 2008 im Ruhestand, ist noch nicht alles getan. Einmal im Monat geht er noch auf Strecke. „Vier Stunden als Busfahrer", so Aust.

Fangen wir mal bei den Sozis an. Aust war schon als Student aktiv. Demnächst werden er und seine Frau Gisela für 100 Jahre SPD-Mitgliedschaft geehrt, je 50 Jahre. Scharping sei hart gewesen, aber nur bei Lafontaine sei ihm der Kragen geplatzt. „Damals habe ich alle wesentlichen Ämter in der SPD ruhen lassen", blickt der Pensionär zurück. Mit Schröders Agenda hatte er keine Probleme, zumal seine Frau mit dem Ex-Kanzler in Talle zur Schule gegangen ist. Man kannte sich.

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Persönlich

Aust ist studierter Pädagoge – wie seine Eltern. Seine Frau ist ebenfalls Lehrerin gewesen, der eine Sohn ist auch Lehrer: Volker Aust war lange Chef der Kalletaler Hauptschule und Schulrat im Kreis Minden-Lübbecke. Er gründete den Bürgerbus-Verein, lebt in Bavenhausen mit seiner Frau Gisela und hat drei Kinder und fünf Enkelkinder.

Aber Aust ist weit mehr als Sozialdemokrat. Als Leiter der August-Dreves-Hauptschule in Hohenhausen dürften ihn Hundertschaften von Schülern und Eltern kennengelernt haben. Aust war noch einer, der Hausbesuche im Kalender stehen hatte. Bis 2001 ein Mann in der Bezirksregierung meinte, die ausgleichende Persönlichkeit des Kalletalers anderweitig einsetzen zu können.

Aust ließ sich erklären, warum er Schulrat im Kreis Minden-Lübbecke werden sollte. Und wurde es. Sechs Jahre brachte er seine Erfahrungen in Sachen Hauptschule zwischen Petershagen und Porta Westfalica ein, zwischendurch im Kreis Gütersloh, zuletzt auch in Lippe. „Ich bin viel unterwegs gewesen, zwei Drittel in den Schulen, ein Drittel in der Behörde." Vorbei natürlich die Zeiten, in denen er mit dem Rad morgens fünf Kilometer zur Arbeit fahren konnte.

„Am 8. August 2008 um 8 Uhr habe ich meinen Ausstand gegeben. Ein Jahr eher als notwendig. Aber die Schulpolitik der damaligen Landesregierung wollte ich so nicht akzeptieren, dann lieber den Hut nehmen", erklärt der Mann mit Bart.

Was nicht zwingend dazu führte, dass Ruhe im Karton war. Aust hatte sich schon früh für Bus- und Bahnverkehr interessiert. Er adaptierte ein Kleinbus-Konzept aus dem West-Berliner Stadtteil Lichtenrade und suchte Verbündete in Lippe, OWL und NRW. „Erhard Mahne als Staatssekretär im Verkehrsministerium hat damals Fördergelder besorgt, und wir konnten zwei Jahre alles ausprobieren, quasi wie und was wir wollten", weiß Aust zu berichten. Sechs Bürgerbusse gab es in NRW anfangs und der Ex-Pauker ist heute noch Geschäftsführer des Landesverbandes. Gegründet? Richtig: „Im Kalletal."

Nicht vergessen dürfen wir, dass der 72-Jährige Vorsitzender des Museumsvereins im Kalletal war. Und Gemeindeverbandsvorsitzender der SPD. Angesichts der vielen Posten ist es fast ein wenig verwunderlich, dass die Zeit für eine Ehe samt drei Kindern gereicht hat. Womit wir in der Gegenwart angekommen sind. Aust, in Berlin aufgewachsen, hat mit seiner Gisela die Goldene Hochzeit in Sichtweite und ist zudem längst ein Opa, der auf Enkelkinder aufpassen darf. „Ist auch mein wirklich schönstes Hobby geworden. Die Enkelkinder."

Und sonst? Aust: „Bei 4000 Büchern habe ich das Zählen aufgegeben. Ich interessiere mich zudem für klassische Musik, habe lange in der Kantorei in Lemgo gesungen." Wenn noch Zeit übrig ist, wird sie in Radfahren investiert. Oder ins Wandern oder – natürlich – in den Bürgerbus. Die Streckenführung hat er im Kopf. Er hat sie sich damals schließlich selbst ausgedacht.

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