Gift ist auch im Wandanstrich der Gemeinschaftsschule Kalletal

Jens Rademacher

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Gemeinschaftsschule in Kalletal. - © Archivfoto: Jens Rademacher
Gemeinschaftsschule in Kalletal. (© Archivfoto: Jens Rademacher)

Kalletal-Hohenhausen. In den Räumen der früheren Hauptschule in Hohenhausen steckt nicht nur in den Deckenplatten Gift, sondern auch in den Wandanstrichen und den Fußbodenbelägen der Klassenräume. Das berichtete Bürgermeister Mario Hecker im Rat über die Untersuchungen des Gutachters.

Im April war die Belastung der Deckenplatten in allen Klassenräumen des heutigen Gemeinschaftsschulgebäudes festgestellt worden. Inzwischen hat sich gezeigt: Der Schadstoff PCB ist über die Raumluft in Anstriche und Böden gelangt und hat sich dort abgelagert – eine sogenannte Sekundärbelastung. „Das kann verheerende Folgen für die Sanierungskosten haben", sagte Hecker mit Blick auf den Kommunalversicherer – sofern die weiteren Untersuchungen ergäben, dass das PCB auch in Mauerwerk und Fußbodenplatten gezogen ist.

Von der Versicherung habe es bereits Nachfragen gegeben, warum die Gemeinde Kalletal dem Thema PCB-Belastung im Jahr 2001 nicht weiter nachgegangen sei. Damals hatte es nach den Worten des Bürgermeisters im Rat eine Anfrage von Brigitte Lähnemann (UKB) gegeben. Sie wollte wissen, ob die Gemeinde eine Schadstoffbelastung ihrer Gebäude etwa durch PCB ausschließen könne, zumal sich Eltern von Schulkindern Sorgen machten. Das habe die Verwaltung vor 16 Jahren verneint. Deshalb frage der Kommunalversicherer, warum die Verwaltung dem Thema damals nicht weiter nachgegangen sei. Hintergrund: Wäre das PCB damals schon entdeckt worden, wäre der Schaden möglicherweise geringer gewesen als heute.

Klar ist schon jetzt, dass die Gemeinschaftsschule das kommende Schuljahr noch in ihrem Ausweichquartier in der Fröbelschule bleiben muss. Wie lange genau, hängt davon ab, wie sich die Probesanierung gestaltet. Dafür ist laut Bauamtsleiterin Ewa Hermann der Raum 24 ausgewählt. Der solle im August komplett entkernt werden. Derzeit würden Angebote eingeholt. Weitere Messungen sollen folgen. „Ende Oktober wissen wir dann, ob die Probesanierung erfolgreich war", sagte Hermann. „Wie es weitergeht, können wir derzeit noch nicht sagen."

Derweil hat die Verwaltung nach Heckers Worten Kontakt mit den Krankenkassen und dem Städte- und Gemeindebund aufgenommen, um zu klären, wie das bisherige Vorgehen der Verwaltung rechtlich zu beurteilen sei. Die Antwort laut Hecker: „Alles richtig gemacht." Wie berichtet, hatte die Verwaltung nach Bekanntwerden des Gift-Funds den Umzug der Schule ins Nachbargebäude veranlasst.

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