Sozialarbeiterin Anne-Kathrin Edler erklärt Integrationskonzept für Kalletal

Jens Rademacher

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Konzept für die Arbeit mit Flüchtlingen: Anne-Kathrin Edler, Sozialarbeiterin bei der Gemeinde Kalletal, mit dem erarbeiteten Papier. - © Jens Rademacher
Konzept für die Arbeit mit Flüchtlingen: Anne-Kathrin Edler, Sozialarbeiterin bei der Gemeinde Kalletal, mit dem erarbeiteten Papier. (© Jens Rademacher)

Kalletal. Nach Detmold ist Kalletal die erste Kommune im Kreis, die ein Integrationskonzept erarbeitet hat. Damit sollen die Flüchtlinge gefördert und gefordert werden, sagt Anne-Kathrin Edler, Sozialarbeiterin bei der Gemeinde Kalletal. Sie war federführend bei der Erarbeitung des Konzepts, an dem sich viele Akteure beteiligt haben. Es entstand mit Hilfe von Armin Schauf vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises. Nach der Sommerpause beraten die Kommunalpolitiker darüber.

Wie viele Flüchtlinge gibt es in Kalletal?

Information
Persönlich
Anne-Kathrin Edler arbeitet seit zwei Jahren bei der Gemeinde Kalletal. Die Sozialarbeiterin ist für die Sozialbetreuung der Flüchtlinge zuständig. Die 28 Jahre alte Lemgoerin hat in Bochum und Erfurt Sozialarbeit studiert. Außerdem hat sie eine Weiterbildung zur Integrationsmanagerin absolviert.

Anne-Kathrin Edler: Es sind etwa 300. Wir bekommen zurzeit nicht so viele Zuweisungen. Die anerkannten Flüchtlinge haben inzwischen die Auflage, in den nächsten drei Jahren in Kalletal zu wohnen.

Wollen sie weg aus Kalletal?

Edler: Teilweise. Viele würden aber gerne hierbleiben. Nur ist die Mobilität ein Problem – das haben wir auch ins Konzept aufgenommen. Viele machen zurzeit den Führerschein, um besser zur Ausbildung oder zur Schule zu kommen.

Das sind diejenigen, die in dieser Hinsicht schon etwas ergattert haben...

Edler: Oder die ein Praktikum machen, um zu gucken, ob es passt. Denn viele Abschlüsse aus dem Ausland werden hier nicht anerkannt. Es ist nicht immer leicht, im Beruf wieder Fuß zu fassen, weil beispielsweise ein Ingenieursstudium in Syrien anders aussieht als hier. Wir möchten Flüchtlinge, die schon länger hier sind und sich gut auskennen, in die ehrenamtliche Arbeit bekommen, damit sie eine Patenschaft für neue Flüchtlinge übernehmen.

Wo wollen Sie beim Thema Mobilität hin?

Edler: Uns geht es um alle, auch um die alteingesessenen Kalletaler. Es soll einfacher werden, samstags nach Hohenhausen zur Tafel zu kommen. Das ist aus vielen Ortsteilen mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlicht unmöglich. Wir haben schon den Bürgerbusverein gefragt, ob er bei der Umsetzung helfen kann. Und wir wollen eine mobile Fahrradwerkstatt einrichten. Damit man nicht lange Wege schieben muss, soll die Werkstatt zu den Menschen kommen. Das Material für die Reparatur muss jeder selbst zahlen. Die Leitung soll möglichst ein Flüchtling übernehmen.

Ideen wie die mobile Fahrradwerkstatt kosten aber Geld...

Edler: Wir versuchen, Fonds und Fördermittel dafür zu nutzen. Beim Personal setzen wir aufs Ehrenamt, der Verein „Gemeinsam im Kalletal" ist stark involviert.

Warum überhaupt ein Integrationskonzept für Kalletal?

Edler: Es gibt bereits ein Konzept für den Kreis, an dem ich mitgearbeitet habe. Aber vieles kann der Kreis nicht entscheiden, weil jede Kommune anders ist. Das Kalletaler Konzept ist auch eine Art Leitfaden für unsere Arbeit. Es kann sein, dass wir feststellen: So funktioniert dieser Punkt nicht. Dann werden wir es anpassen. Ein zentraler Punkt, den sich alle Beteiligten wünschten, ist die Steuerungsgruppe, die konkrete Probleme bespricht. Manches lässt sich so auf kurzem Dienstweg klären, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Das wollen wir so schnell wie möglich umsetzen.

Ein weiterer Baustein ist die „Job-Mappe"...

Edler: Sie soll Fragen beantworten wie: Hat der Flüchtling eine Arbeitserlaubnis? Hat er sich irgendwo beworben? Macht er einen Sprachkursus? Wenn der Flüchtling einen Ordner mit allen Unterlagen hat und diesen dem jeweiligen Sachbearbeiter geben kann, stellt sich auch die Datenschutzfrage nicht.

Ist es schwierig, den Überblick über die verschiedenen Maßnahmen zu behalten?

Edler: Ja, schon allein wegen der Begriffe: Macht er einen Integrationskursus, eine Maßnahme oder einen Sprachkursus? Wir Deutschen lieben Papier. Das sagen auch viele Flüchtlinge. Bei ihnen zu Hause ist das oft nicht so. Dann sammeln sie die Unterlagen in Plastiktüten oder in der Schublade. Wir wollen ein bisschen Sortierung in den Papierkrieg bekommen.

Welches Projekt wollen Sie als erstes umsetzen?

Edler: Es gibt bereits das internationale Frauencafé in der alten Grundschule, das von Flüchtlingen und Ur-Kalletalern gut angenommen wird. Es soll jetzt auch ein Männercafé geben. Der Wunsch kommt von den Flüchtlingen selbst. Darin können wir Erziehungsfragen und kulturelle Themen bearbeiten. Etwa: Wenn ein Mädchen lächelt, bedeutet das, dass es flirtet, oder ist es einfach Nettigkeit? Da geht es um Sensibilisierung auf beiden Seiten: Wie ticken die Deutschen, wie ticken andere? Und darum zu erklären, warum wir die vielen Unterlagen und Dinge wie Mülltrennung brauchen.

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