Kreis baut Netzwerk für psychische Gesundheit aus

Wolfgang Becker

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- © Archivfoto: Gerstendorf-Welle
(© Archivfoto: Gerstendorf-Welle)

Lage/Kreis Lippe. Viele Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Burn-out, Angststörungen oder Schizophrenie. Psychisch bedingte Fehlzeiten machen landesweit 17 Prozent aller Krankschreibungen aus.

„Die Ursache jedes sechsten Arbeitsunfähigkeitstages ist eine psychische Erkrankung“, so Ulrich Adler, Leiter regionales Vertragswesen der Techniker Krankenkasse (TK) in Nordrhein-Westfalen. Bisher werden viele dieser Patienten im Krankenhaus behandelt. Nach der Entlassung fehlt es ihnen oft an konkreter Unterstützung, sodass sie bei der nächsten Krise wieder Hilfe in der Klinik suchen. Um diesen „Drehtüreffekt“ zu verhindern und die ambulante Versorgung zu verbessern, hat die TK das „Netzwerk psychische Gesundheit“ ins Leben gerufen. Das Projekt zählt zu den Gewinnern des „Gesundheitspreises NRW 2014“ (siehe Kasten).

Zusammen mit dem Hauptpartner, der Gesellschaft für psychische Gesundheit, hat die Techniker Krankenkasse in dem Verein für psychosoziale Hilfen „Das Dach“ mit Sitz in Detmold einen Kooperationspartner in Lippe gefunden. Niedergelassene Ärzte, Sozialarbeiter, Fachpfleger und Therapeuten arbeiten bei diesem Angebot eng zusammen – wenn nötig rund um die Uhr. „Sie unterstützen die Patienten möglichst so, dass diese trotz ihrer psychischen Erkrankung im gewohnten familiären, beruflichen und sozialen Umfeld bleiben können. Bei Bedarf erhalten auch Angehörige Hilfe“, beschreibt Adler den Ansatzpunkt des Netzes. Darüber hinaus gebe es als Alternative zu einer stationären Aufnahme Rückzugsräume beim Verein „Das Dach“, beispielsweise in dessen Tagesstätte von-Cölln-Stiftung in Lage. Diese können bei einer Krise genutzt werden. Ziel sei es, dadurch Klinikaufenthalte zu vermeiden, das Risiko einer erneuten psychischen Krise herabzusetzen oder die Gefahr einer chronischen Erkrankungen zu vermindern.

„Derzeit sind 2000 Versicherte in NRW in das Netzwerk eingebunden“, sagt Volker Schubach, geschäftsführender Vorstand von „Das Dach“. Als Geschäftsführer der Gesellschaft für psychische Gesundheit setzt er sich dafür ein, dass sich in Lippe auch andere Krankenkassen an dem Vorhaben beteiligen. Im Moment baue „Das Dach“ die Logistik aus und wolle das Netzwerk kontinuierlich vergrößern. Der Verein trete mit Ärzten und Therapeuten in einen Dialog. Wichtig sei, den Patienten in gewohnter Umgebung schnelle Hilfe zukommen zu lassen.

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