Uni-Klinik: Absage für Lippe und Bielefeld

Minden und Herford erhalten Zusage

Martin Fröhlich

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Gescheitert: Die Bielefelder Krankenhäuser, hier das EvKB, wollten als Uni-Kliniken attraktiver für medizinisches Spitzenpersonal werden. - © Foto: EvKB
Gescheitert: Die Bielefelder Krankenhäuser, hier das EvKB, wollten als Uni-Kliniken attraktiver für medizinisches Spitzenpersonal werden. (© Foto: EvKB)

Kreis Lippe/Bielefeld. Diese Nachricht hat die drei Bielefelder Krankenhäuser unvorbereitet getroffen: Keines von ihnen wird im Zuge des Bochumer Modells vor Ort Mediziner ausbilden. Nach Informationen dieser Zeitung teilten die Verantwortlichen der Ruhr-Universität in Bochum dies am Donnerstag den Bielefelder und Detmolder Geschäftsführungen mit. Den Zuschlag erhält stattdessen die Bewerbergemeinschaft der Mühlenkreiskliniken und des Klinikums Herford.

Die Erwartungen in Bielefeld und Detmold waren groß. Im Zuge des Bochumer Modells hofften Politik und Medizin darauf, künftig vor Ort Ärzte ausbilden zu können. Die Vorteile der Kooperation mit der medizinischen Fakultät in Bochum: ein Status als Uni-Klinik, mehr Renommee, bessere Karten bei der Suche nach qualifizierten Ärzten und vor allem der Klebeeffekt. Der besagt, dass sich Mediziner nach ihrem Studium häufig am Ort der Ausbildung oder zumindest in der Region niederlassen. Ein Hoffnungsschimmer im Kampf gegen den Ärztemangel in OWL.

Drei Bewerbergemeinschaften buhlten um die Zusammenarbeit mit Bochum: Das Evangelische Krankenhaus (EvKB) mit dem Städtischen Klinikum, das Franziskus-Hospital mit dem Klinikum Lippe in Detmold sowie die Mühlenkreiskliniken in und um Minden mit dem Klinikum Herford. Anfang des Jahres hatten die Bochumer ihre Aufwartung vor Ort gemacht, den Bewerbern auf den Zahn gefühlt.

Kritische Töne hinter vorgehaltener Hand

Zuletzt gab es aber hinter vorgehaltener Hand auch kritische Töne. Offenbar waren die finanziellen Rahmenbedingungen anders, als ursprünglich angekündigt. Die Krankenhäuser sollten einen größeren Teil der Kosten selbst tragen, für die anfänglich noch das Land geradestehen wollte. Dabei ging es unter anderem um Mittel für Baumaßnahmen.

Die Medizinerausbildung hätte auch Personalkosten verursacht. Chefärzte, die unterrichten, müssen in dieser Zeit durch Kollegen vertreten werden. Trotz der Bedenken hielten aber die drei Bielefelder Krankenhäuser an ihrer Bewerbung fest. Aus EvKB und Klinikum wollte sich zunächst niemand äußern. Man wolle die Stellungnahme zunächst abstimmen. Aus Kreisen der Bewerbergemeinschaft war aber zu hören, dass Enttäuschung und Erstaunen herrschen. Die fachliche Begründung der Entscheidung sei nicht nachzuvollziehen.

„Wir können gut mit der Entscheidung leben.“

Georg Rüter, Geschäftsführer des Franziskus-Hospitals, erklärte: „Wir können gut mit der Entscheidung leben.“ Er sei nicht enttäuscht. Die Absage ermögliche seinem Haus andererseits Akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover zu bleiben. „Diesen Status hätten wir als Uni-Klinik im Bochumer Modell aufgeben müssen.“ Der Unterschied: Als Akademisches Lehrkrankenhaus bekommt eine Klinik Ärzte erst im praktischen Jahr, als Uni-Klinik darf es sie ab dem 7. Studiensemester selbst ausbilden.

Auch die beiden anderen Bielefelder Häuser sind Lehrkrankenhäuser: Das EvKB arbeitet mit der Hochschule im ungarischen Pecs zusammen, das Klinikum mit der Universität in Münster.

Unbestätigten Informationen zufolge soll auch der finanzielle Rahmen der Bewerbung ins Gewicht gefallen sein. Demnach hat die Bewerbergemeinschaft Minden/Herford bei diesem Faktor stark gepunktet.

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