Plan für Stromtrasse fällt durch

Experten weisen Fehler nach

Astrid Sewing

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Kreis Lippe. Aus Bielefeld, Gütersloh und Lügde haben sich Vertreter der Bürgerinitiativen im Kreisausschuss angehört, welche Planungsfehler „SuedLink“ bislang gemacht hat. Die Bundesnetzagentur ist daraufhin eingeschritten. Jetzt muss umfangreich umgeplant werden, und möglicherweise landen die Kabel doch noch unter der Erde.

Siegfried de Witt von der Rechtsanwaltsgesellschaft und Professor Karsten Runge stellten den Sachstand vor. Beide handeln im Auftrag mehrerer Landkreise, die sich gegen den Bau der Stromtrasse in der von Tennet favorisierten Variante wehren.

Vieles hatten die Planer des Übertragungsnetzbetreibers außer acht gelassen. Zum Beispiel, dass die „Stromautobahn“ von Nord nach Süd mehrere Natura-2000-Gebiete durchquert. „Das berührt europäisches Recht, und es ist keineswegs so, dass man, wenn es dort Leitungen gibt, noch welche draufpacken darf“, erklärte de Witt. Im Detail habe die Prüfung unter anderem ergeben, dass Abzweigungen für Trassenelemente fehlten, die Abstandsvorschriften zu Wohngebäuden im Außenbereich nicht eingehalten wurden und landschaftliche „Verengungen“ einfach übergangen wurden. „Man hat nicht dargestellt, wie man die Leitungen da durchführen will und erklärt, ob es technisch überhaupt geht“, so der Rechtsanwalt.

Apropos Technik: Professor Karsten Runge wies darauf hin, dass die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ), wie sie Tennet plant, ein Pilotprojekt ist. Eine wissenschaftliche Begleitung, eine Untersuchung darüber, welche gesundheitlichen Folgen diese Technik haben könnte, sei aber nicht vorgesehen. „Es gibt Forschungen darüber, dass ionisierte Raumladungswolken, wie sie bei HGÜ-Leitungen entstehen, Schadstoffe binden. Die Versuche laufen, ob sie dann eingeatmet werden könnten. So etwas müsste in Betracht gezogen und bewertet werden“, meinte Runge. Die HGÜ-Technik sei bereits im Einsatz, allerdings als Verbindung im Meer.

Deshalb sei es durchaus erwägenswert, die Erdverkabelung ins Spiel zu bringen. „Das ist bei Gleichstrom einfacher, denn es wird viel weniger Wärme abgegeben. Drehstromkabel hingegen müssten im speziellem Zement verlegt werden.“

Dass Tennet diese Variante bislang nicht geprüft habe, liege an den gesetzlichen Vorgaben. „Die Erdverkabelung wird bislang politisch nicht gewünscht. Da gibt es neue Diskussionen, denn die Baukosten, die immer in den Raum gestellt werden, sind unrealistisch. Man geht davon aus, dass es etwa doppelt so teuer ist, allerdings müsste man selbst da genau prüfen, wie eigentlich gerechnet wird“, erklärte Siegfried de Witt. Die Landräte jedenfalls machen in Berlin Druck. Friedel Heuwinkel: „Es kann nicht sein, dass modernste Technik mit uralten Systemen gekoppelt wird. Da werden wir am Ball bleiben.“

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