Historischer Friedhof von St. Johann nimmt an bundesweitem Wettbewerb teil

Wahl zum Lieblingsfriedhof

Till Brand

  • 0
Pittoresk: Der Friedhof St. Johann extra muros in Lemgo zwischen Herforder Straße und Steinweg. 
- © Bernhard Preuß
Pittoresk: Der Friedhof St. Johann extra muros in Lemgo zwischen Herforder Straße und Steinweg. (© Bernhard Preuß)

Lemgo. Bei vielen fällt Spannung, fällt Stress ab, wenn sie auf einem Friedhof spazieren gehen. Oft herrscht eine himmlische Ruhe. Pittoresk dazu - das ist der alte Lemgoer Friedhof von St. Johann. Er könnte schon bald höchste Weihen erhalten.

Die alte Begräbnisstätte am Westrand der Lemgoer Innenstadt soll dieses Jahr zum eindrucksvollsten Friedhof ganz Deutschlands gewählt werden. Darauf hofft zumindest der Lippische Heimatbund, der auf die Wahl zum "Lieblingsfriedhof" aufmerksam macht. Zu Kandidaten erhoben hat der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) insgesamt 32 historische Friedhöfe, die für sich jeweils ein "schützenswertes Kleinod" seien.

Unter den Aspiranten: der Friedhof St. Johann extra muros in Lemgo. Der lateinische Zusatz "extra muros" (vor den Mauern) verweist auf die Lage außerhalb der späteren Stadtbefestigung. Bei der Vorauswahl der 32 Finalisten kam es nach Angaben des BHU weniger auf den Bekanntheitsgrad eines Friedhofs an, als auf kulturhistorische Besonderheiten, Kuriositäten oder schützenswerte Substanz. Und davon hat die alte Begräbnisstätte wirklich reichlich zu bieten.

Schon im Mittelalter stand hier nämlich eine so genannte Gaukirche, die auf das gesamte heutige Gemeindegebiet ausstrahlte. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Kirche abgebrochen, die Stadtbewohner stemmten selbst Fundamente aus dem Boden und verwendeten sie als Baustoff. Das Gelände wurde bis auf Höhe der Friedhofsmauer angefüllt, die seinerzeit noch frei stand. Es wurde Platz frei für mehr Begräbnisse, die noch bis Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommen wurden. Von dem Gebäude wurde einzig der Glockenturm wieder aufgebaut.

Fundstücke, die auf Initiative des Vereins "Alt Lemgo" vor wenigen Jahren geborgen wurden, lassen darauf schließen, dass die mittelalterliche Gaukirche sehr prachtvoll war. Scherben von Glas zeugen etwa von farbigen Fenstern. Auch Knochenreste traten zu Tage - und wurden untersucht. Eine Bestattung wurde so beispielsweise aufs Jahr 780 datiert.

So steht fest: Der Kirchplatz muss einer der frühen Missionsorte im damaligen Sachsen gewesen sein, die Karl der Große anlegen ließ. Es ist der erste nachgewiesene Ort seiner Art in Lippe. "Alt Lemgo" geht davon aus, dass das Areal aber nicht nur für die Verbreitung des Christentums von Bedeutung war, sondern auch für die Entwicklung von verstreuten Siedlungen zur Stadt Lemgo.

Die Kür zum "Lieblingsfriedhof" organisiert der BHU als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine mit mehr als einer halben Million Mitglieder. Erschienen ist dazu ein Faltblatt, das die Lipper beim Heimatbund erhalten: Kreishaus, Felix-Fechenbach-Straße 5 in Detmold, Ebene 5.

Die Abstimmung läuft im Internet unter www.faszination-friedhof.de - und zwar noch bis Mitte August.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!