Zur digitalen Datenerfassung: Rettungsdienste erhalten Tablet-PCs

In zwei Monaten wird ein technischer Begleiter an Bord von Rettungswagen zum Standard gehören

Karin Prignitz

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Fortschrittlich: Projektleiter Hans-Dieter Lödige (links) und Joachim Klink, Teamleiter Verwaltung Bevölkerungsschutz beim Kreis Lippe, mit dem neuen Tablet-PC. - © Foto/Montage: Karin Prignitz
Fortschrittlich: Projektleiter Hans-Dieter Lödige (links) und Joachim Klink, Teamleiter Verwaltung Bevölkerungsschutz beim Kreis Lippe, mit dem neuen Tablet-PC. (© Foto/Montage: Karin Prignitz)

Kreis Lippe. Vom kommenden Jahr an soll die digitale Datenerfassung mit Tablet-PCs die Protokolle im Rettungsdienst ersetzen. Der Kreis Lippe sowie die Stadt Detmold wollen diese Technik anwenden. Die LZ befragte Projektleiter Hans-Dieter Lödige und Joachim Klink, Teamleiter Verwaltung Bevölkerungsschutz beim Kreis Lippe. 

Herr Lödige, schildern Sie doch das bisherige Prozedere bei Einsätzen des Rettungsdienstes.

HANS-DIETER LÖDIGE: Einsatzkräfte halten Personalien und lebenswichtige Daten der Patienten handschriftlich auf Protokollen fest. Die werden im Krankenhaus übergeben. Wir behalten eine Durchschrift als Nachweis und für die Abrechnung. Protokolle werden 20 Jahre lang aufbewahrt. Mit den Tablets soll das einfacher werden.

Worin bestehen die Vorteile dieser neuen Technik?

LÖDIGE: Die Daten sind besser lesbar. Und medizinische Messgeräte sind in der Lage, sie direkt ins Protokoll zu übertragen. Das bringt eine deutliche Zeitersparnis. Auch, weil relevante Daten noch während der Fahrt an das Krankenhaus übermittelt werden können. Das ist allerdings erst in einem zweiten Schritt geplant.

JOACHIM KLINK: Bei Einsatzabschluss kann der Datensatz direkt an die Abrechnungsstelle übermittelt werden. Das Gerät enthält einen Kartenleser. Vorteil ist auch, dass es nur noch einen Datensatz gibt, auf den sowohl Rettungskräfte als auch Arzt und Krankenhaus zugreifen können. Fehler können so vermieden werden.

Wie steht es denn mit dem Datenschutz?

LÖDIGE: Sensible , personenbezogene Daten werden im Anschluss gelöscht. Gesichert werden sie im Kommunalen Rechenzentrum. Dort ist kein fremder Zugriff möglich und es gibt regelmäßige Sicherheitskopien. Denn es kommt ja vor, dass jemand nach einigen Jahren Nachfragen hat.

Wie viele Tablet-PCs sollen angeschafft werden?

KLINK: Für den Kreis 35. Aktuell haben wir 19, mit denen auf den Rettungswachen trainiert wird. Anfang Januar kommt die zweite Lieferung. Im Februar wollen wir starten.

Können Sie etwas zu den Kosten sagen?

KLINK: Der Kreis Lippe investiert in den kommenden beiden Jahren insgesamt 300.000 Euro. Die Gesamtkosten setzen sich aus Beschaffungskosten der Endgeräte und der Schaffung der geeigneten Übertragungswege und Speicherungsorte zusammen.

Gibt es Vorbilder?

LÖDIGE: In Ostwestfalen-Lippe sind wir momentan die einzigen, die auf Tablet-PCs im Rettungsdienst umstellen. Entwickelt worden ist das Programm durch die Firma „medDv“ mit Mitarbeitern, die aus dem Rettungsdienst kommen. Die Umsetzung hat schneller als erwartet funktioniert. Eigentlich war sie erst für 2017 vorgesehen.

Mit der Umsetzung wird die Papierflut reduziert, oder?

KLINK: Im Jahr sind wird 35.000-mal mit dem Rettungswagen unterwegs, 7.000-mal mit Notarzt. Das macht 42.000 Protokolle. Da fällt bisher schon einiges an Papier an, das eingespart werden kann. Allerdings nicht komplett, denn wenn eine Klinik unsere Daten nicht empfangen kann oder wir Informationen bei einem Patienten hinterlassen wollen (zum Beispiel für den Patienten selbst, dessen Hausarzt oder den Pflegedienst), drucken wir auf abwischbarem Spezial-Thermopapier. Das ist 20 Jahre dokumentensicher. Wenn die Technik versagt, greifen wir auf handschriftliche Protokolle zurück.

Die Fragen stellte LZ-Mitarbeiterin Karin Prignitz.

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