Arbeitsmarkt in Lippe steht gut da

Martin Hostert

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Symbolbild - © LZ
Symbolbild (© LZ)
Arbeitslosigkeit in Deutschland. - © dpa
Arbeitslosigkeit in Deutschland. (© dpa)

Kreis Lippe. Der Chef der Arbeitsagentur Detmold zieht eine positive Bilanz des Arbeitsmarktes 2015. Heimische Unternehmen haben auf Entlassungen in größerem Ausmaß verzichtet, die Konjunktur brummt, resümierte Heinz Thiele gestern.

Die Agentur zählte mit 106.405 einen Rekord an Beschäftigten, die Arbeitslosenzahl blieb seit April unter 4.000. Am niedrigsten lag sie im November, 3.258 waren ohne Stelle. Im Durchschnitt lag die Quote übers Jahr bei 7,3 Prozent, 0,3 Prozentpunkte unter der 2014er Quote. Nach wie vor ist der Markt in enormer Bewegung, 27.000 Lipper wechselten vergangenes Jahr ihren Job – auch wenn das „rein und raus", wie Thiele sagte, durchaus schwieriger werde.

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Gute Chancen

Agenturleiter Heinz Thiele setzt auf Koordination: Ohne die gute Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, dem Kreis, Kammern oder Kommunen sei eine Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt nicht möglich. Die sei Aufgabe für viele Jahre, aber ohne Alternative: „Eine bessere Eingliederung in die Gesellschaft als durch Ausbildung und Arbeit gibt es nicht." Jeder Geflüchtete habe gute Möglichkeiten, „hier anzukommen."

Großes Thema der Jahrespressekonferenz: Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Teamleiterin Elke Pella sprach von zurzeit 174 als arbeitssuchend registrierten Flüchtlingen, überwiegend jungen Männern bis 35. Im Laufe des Jahres rechnet sie mit bis zu 400, exakte Zahlen seien schwierig. Es gebe viele Fragen: Wie läuft das Anerkennungsverfahren, wie viele Menschen stehen dem Arbeitsmarkt überhaupt zur Verfügung? Wie ist ihre Qualifikation? Manchen bringen handwerkliche Ausbildungen mit, manche Schul- oder Hochschulabschlüsse. Die Sprachbarriere ist hoch, manche der Flüchtlingen sind Analphabeten. Aber: „Die meisten sind hoch motiviert, bringen viele praktische Fähigkeiten mit", sagte Pella.

Thiele zeigte sich sicher, dass die Menschen „auf lange Sicht" ein Gewinn für den Arbeitsmarkt sein werden, auch wenn für 2016 keine „großartigen Integrationszahlen" zu erwarten seien. Die vier neuangestellten Vermittler der Agentur, die sich auf die Betreuung der Flüchtlinge konzentrieren, seien eine „Zukunftsinvestition". Eines sei jedoch klar: „Kein deutscher Arbeitsloser wird schlechter betreut."

Kommentar: Zahlen können sich sehen lassen

von Martin Hostert

Das ist mal eine Nachricht: In nahezu allen Zahlen des Arbeitsmarktes – und die Statistiker der Arbeitsagentur erfassen außer dem Verbrauch an Kaffeefiltern offensichtlich alles – liegt Lippe über dem Landesdurchschnitt und bei vielen auch deutschlandweit vorn. Hier gibt es weniger Arbeitslose als sonst in NRW, eine höhere Beschäftigungsquote insgesamt und bei den Frauen im Besonderen, mehr Ältere mit einem Job, nicht so viele Unterbeschäftigte... Das sind Daten, mit denen Lippe wuchern kann, basierend auf den augenscheinlich nicht zu stoppenden wachsenden Weltmarktführern aus Blomberg oder Detmold, den kleinen, aber feinen Familienbetrieben, dem starken Mittelstand. Eine Zahl aber gilt es auch zu nennen: Mehr als jeder Fünfte kommt von außerhalb Lippes hierhin zum Arbeiten. Das ist ein höherer Anteil an Einpendlern als in den Nachbarkreisen Paderborn oder Herford fahren. Dies zeigt, dass in Sachen Attraktivierung des Lebensumfeldes nach wie vor Nachholbedarf ist – damit die Leute, die hier ihr Geld verdienen, auch mal hier hinziehen.Bei allen guten Zahlen: Es bleibt eine Menge Arbeit für die Akteure des Arbeitsmarktes. Die Eingliederung der Flüchtlinge ist zu stemmen. Erste Schritte sind getan, Geduld ist das oberste Gebot. Wenn es in ein paar Jahren ähnlich gute Zahlen gibt wie zur Allgemeinlage, hat die Agentur viel richtig gemacht

mhostert@lz.de

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