Das Baugewerbe muss flexibel sein

Milde Winter: Wetterbedingte Kurzarbeit kommt nicht mehr so oft in der Branche vor. Die Unternehmen setzen auf Arbeitszeitkonten. Im Sommer aufgelaufene Überstunden werden in der kalten Jahreszeit abgefeiert

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Auch im Winter geht es weiter: Unter freiem Himmel ruht bei Schnee und Frostglätte die Arbeit aber im Keller gibt es auch gut zu tun. Lion Müller von der Firma Stumpe baut Schalungsteile von der Fertigung der Kellerdecke der Mehrfamilienhäuser an der Grundstraße in Hiddesen ab. - © Preuss
Auch im Winter geht es weiter: Unter freiem Himmel ruht bei Schnee und Frostglätte die Arbeit aber im Keller gibt es auch gut zu tun. Lion Müller von der Firma Stumpe baut Schalungsteile von der Fertigung der Kellerdecke der Mehrfamilienhäuser an der Grundstraße in Hiddesen ab. (© Preuss)

Kreis Lippe. Nur einige wenige Tage hat der Winter den Lippern bisher die Zähne gezeigt – die milden Temperaturen kommen Bauunternehmen und Gartenbauern sehr entgegen. Für viele ist es gut gelaufen in den vergangenen beiden Monaten.

„Wir haben das durchgezogen“, sagt Bauunternehmer Uwe Stumpe aus Lügde. „Bis zum 23. Dezember haben wir nahtlos weiterarbeiten können“, erzählt er. Das ging sogar so weit, dass er auf der Großbaustelle an der Hiddeser Grundstraße ein ordentliches Stück weiter gekommen ist: „Wir bauen hier 22 Eigentumswohnungen, und wir haben es geschafft, die beiden Kellergeschosse schon mal zu gießen.“ Dann ruhten die Arbeiten über den Jahreswechsel, doch bereits Mitte dieser Woche ging es wieder los.

Doch für den Fall, dass die Arbeiten witterungsbedingt in den nächsten Wochen ins Stocken geraten sollten, hat der Unternehmer vorgesorgt. „Wir haben ganz selten Schlechtwetter. Wir haben Freizeitkonten eingerichtet, auf denen die Mitarbeiter im Sommer bis zu 150 Arbeitsstunden ansammeln konnten.“ Doch zum Abfeiern ist derzeit gar nicht so viel Luft.

Flexibilität ist das A und O, sagt Stumpe: „Natürlich haben wir Innenarbeiten auf die Wintermonate gelegt, aber wenn Arbeiten draußen möglich sind, dann versuchen wir auch, da weiterzukommen.“ 30 Mitarbeiter zählt Stumpe, und von denen musste bisher niemand die Hände in den Schoß legen.

Im Gegenteil: Nach der Insolvenz von Müller Bau in Rischenau hatte Stumpe die Arbeiten am Aus- und Weiterbildungszentrum für Phoenix Contact in Schieder übernommen, aber auch einige gute Leute aus dem insolventen Unternehmen eingestellt. „Das hat gut geklappt, aber auch das ist natürlich eine Herausforderung.“ In Schieder laufen derzeit vor allem Innenarbeiten.

Die meisten Unternehmen der Branche haben sich nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre darauf eingestellt, möglichst flexibel agieren zu können, sagt Andrea Hegerbekermeier von der Kreishandwerkerschaft in Detmold. „Das ist natürlich eine Jongliererei.“ Und es sei auch gar nicht so leicht, dem Kunden die Tücken des Wetters zu vermitteln, beispielsweise bei den Dachdeckern: „Erst wenn es richtig vereist und verschneit ist, sieht mancher ein, dass man besser nicht aufs Dach steigt.“ Doch das Problem hatten die Dachdecker in dieser Winterphase noch nicht, sagt sie: „Wegen des milden Winters sieht es für die Branche gut aus.“

Voraussetzung ist allerdings, dass die Auftragslage auch gut ist – was nicht bei allen Firmen der Branche zutrifft. Dann können diese sich auch an die Bundesagentur für Arbeit wenden.

Betriebe wie Uhlig Garten-, Straßen- und Tiefbau in Lage haben so etwas allerdings nicht nötig. Firmenchef Wolfram Uhlig fällt es leicht, zu jonglieren und seine 30 Mitarbeiter zu beschäftigen. „Wenn wir im Bau nichts machen können, dann lassen sich beispielsweise Gehölze pflegen.“ Doch die Kunden müssen sich ebenfalls darauf einstellen: „Bis Ende Februar mache ich grundsätzlich keine festen Termine mehr. Ich plane maximal ein bis zwei Tage im Voraus. Auch Uhlig arbeitet mit flexiblen Arbeitszeitkonten, aber derzeit kommt keiner seiner Mitarbeiter zum Abfeiern. „Im Gegenteil. Auch jetzt fallen Überstunden an.“ Und wenn es richtig schneit? – Der Unternehmer lacht: „Dann machen wir Winterdienst.“

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