Interview: Landrat Dr. Axel Lehmann bilanziert die ersten 100 Tage

Vollblutpolitiker legt die Priorität auf die Verwaltungsarbeit

Martin Hostert

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Landrat Dr. Axel Lehmann: "Ich bin ein Vollblut-Politiker" - © Vera Gerstendorf-Welle
Landrat Dr. Axel Lehmann: "Ich bin ein Vollblut-Politiker" (© Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Gut 100 Tage ist Dr. Axel Lehmann im Amt. Sein Vorgänger Friedel Heuwinkel hat das Amt geprägt wie kein zweiter - logisch, denn er war als erster hauptamtlicher Landrat 16 Jahre Chef im Kreishaus. Da hat Sozialdemokrat Lehmann also noch einiges vor sich. Heute zieht er eine erste Bilanz.

Herr Dr. Lehmann, Sie haben immer gesagt, Landrat sei ein politisches Amt. Jetzt ist der Politiker und gelernte Redakteur direkter Vorgesetzter von mehr als 1.000 Beschäftigten allein in der Kreisverwaltung. Klappt der Rollenwechsel?

Dr. Axel Lehmann: Natürlich schaue ich mir Verwaltungshandeln jetzt genau an. Aber es ist schön, wie schnell und loyal die Verwaltung mitarbeitet. Das ist eine gute Basis.

Hilft Ihre neue Lesebrille, besser durchzublicken?

Lehmann: Klar! Aber im Ernst: Ich finde mich immer besser ein. Ich habe bereits in vielen Fachbereichen hospitiert, geschaut, wo Schnittstellen sind. Und werde dies weiterhin so halten.

Was sind Ihre ersten Eindrücke?

Lehmann: Ich habe zwei/drei Stunden den Kollegen im Umweltbereich, in der Ausländerbehörde und anderswo über die Schulter geschaut. Das waren keine Showveranstaltungen nach dem Motto, „der Chef kommt, räumt mal das Büro auf". Es ist durchaus interessant mitzubekommen, mit welchen Instrumenten die Kollegen im Fachbereich Geoinformation arbeiten oder welche Herausforderungen es im Ausländeramt gibt: mit den Kunden, mit der Sprache.

Mit dieser Basis-Verwaltungsarbeit hatten Sie als Politiker und Oppositionsführer ja eher wenig zu tun.

Lehmann: Stimmt. Die ersten Wochen bestärken mich daher in der Entscheidung, auf den Begriff „Konzern" zu verzichten. Das ist keine Äußerlichkeit. Wir sind Dienstleister.

Wo haben Sie denn die Verwaltung schon „umgebaut"?

Lehmann: Mein Referat ist neu besetzt, auch die Pressestelle in Teilen. Die Mitarbeiter arbeiten nun im Haus an anderer Stelle, eine Mitarbeiterin habe ich von extern eingestellt. Ich habe ja immer gesagt, dass die Pressestelle zu groß ist. Gegenwärtig gibt es noch Überlegungen, die Verwaltung besser zu strukturieren.

Schließlich steht der CDU ja laut Koalitionsvertrag ihr allgemeiner Vertreter zu...

Lehmann: Das ist richtig, das wird sich bis zum Sommer alles klären.

Dann werden wir mal den Stellenplan für 2016 genau unter die Lupe nehmen.

Lehmann: Gerne, das tun Sie mal. Im Referat Landrat werden Sie weniger reale Stellen finden als bei meinem Vorgänger. Die Personalausgaben werden dort insgesamt sinken. Daran lasse ich mich messen.

Und wie sieht Ihre inhaltliche Bilanz nach 100 Tagen aus?

Lehmann: Ich bin sehr froh, dass wir das Investitionsprogramm für die Kliniken auf die Reise geschickt haben. Die Pläne meines Amtsvorgängers haben die Beschäftigten lange Zeit nicht mitgetragen. Die Pläne lagen zwei Jahre brach. Nun stellen wir 70 neue Leute ein, nehmen angesichts der Arbeitsverdichtung Druck raus.

Naja, Sie hatten ja im Wahlkampf auch versprochen, nicht nur in Steine investieren zu wollen.

Lehmann: Und ich bin froh, dass das gelungen ist.

Dafür baut die große Koalition Druck in Sachen Konsolidierung der Kreisseniorenheime auf. Im Koalitionsvertrag steht, dass bis Ende März ein Konzept vorliegen muss, wie die roten Zahlen zu halbieren sind.

Lehmann: Wir arbeiten daran, holen uns externen Sachverstand, sind mit Verdi im Gespräch. Wir müssen Konzeption, Strukturen und Abläufe noch weiter verbessern – angesichts der Ambulantisierung und der neuen Pflegegeld-Strukturen ein schwieriges Geschäft. Aber unser Ziel ist, die vier Häuser in Kreishand zu halten und schwarze Zahlen zu schreiben.

Das werden die Mitarbeiter dort gern lesen – welchen Beitrag müssen sie denn leisten?

Lehmann: Die Gespräche laufen. Alle müssen, zumindest befristet, zum Erfolg beitragen.

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In der anstehenden politischen Diskussion darum wissen Sie ja eine klare Mehrheit hinter sich. Ist eine große Koalition, gleich für fünf Jahre, nicht auch ein bisschen langweilig?

Lehmann: Entscheidend ist ja nicht der Unterhaltungswert für Sie und die LZ-Leser. Entscheidend ist, dass wir die Probleme lösen: Die Versorgung der Flüchtlinge, die Mängel im Öffentlichen Nahverkehr, die Folgen des demographischen Wandels. Da spielt Parteipolitik fast keine Rolle mehr. Ich fühle mich dennoch durchaus als Vollblutpolitiker. Einer, der ein gutes Gefühl hat, weil er nun was umsetzen kann.

Landrat ist nicht nur ein politisches, sondern ein öffentliches Amt. Sie müssen sich blicken lassen. Klappt es, einen Tag für die Familie frei zu halten?

Lehmann: Nicht immer. Ich bin natürlich gerne und viel unterwegs, wenn auch nicht so viel wie mein Vorgänger. Ich war am vergangenen Wochenende unter anderem beim CVJM, bei der Vogelausstellung in Salzuflen und beim LZ Cup. Ich halte den Kontakt zu Ehrenamtlichen und Vereinen. Aber meine Priorität liegt in der Verwaltungsarbeit.

Das Interview führte LZ-Redakteur Martin Hostert

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