Kommunikationstrainer Detlef Karthaus: „Frauen, kommt auf den Punkt“

Marianne Schwarzer

  • 1
Klare Ansagen, Paroli bieten: Kommunikationstrainer Detlef Karthaus will Frauen ermutigen, nicht drumherum zu reden. Das ist förderlich für die Karriere, sagt er. - © Gerstendorf-Welle
Klare Ansagen, Paroli bieten: Kommunikationstrainer Detlef Karthaus will Frauen ermutigen, nicht drumherum zu reden. Das ist förderlich für die Karriere, sagt er. (© Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Wer führen will, muss wissen, wie. Und die richtige Kommunikation beherrschen. Dafür bietet unter anderem die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold Seminare an. Mitte April kommt Kommunikationstrainer Detlef Karthaus nach Lippe. Er ist Autor des Buches „Schlagfertig Paroli bieten".

Herr Karthaus, „Paroli bieten" klingt nach Konfrontation.

Karthaus: Aber „schlagfertig" noch mehr. Doch das klingt vielen Leuten zu wenig wertschätzend. Darum ist „Paroli bieten" ein guter Ausdruck. Er ist meiner Frau eingefallen.

Was braucht man, um schlagfertig zu sein?

Karthaus: Humor, die Fähigkeit, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Und Sie brauchen Assoziationsfreudigkeit: Sie hören etwas und reagieren schnell darauf.

Manche Menschen sind dann eher sprachlos.

Karthaus: Vor allem in Stresssituationen entsteht eine solche Blockade. Humor hilft: Es macht gelassener, wenn man über sich selbst lachen kann.

Wer ist denn schlagfertiger: Männer oder Frauen?

Karthaus: Ich glaube, da gibt es keinen Unterschied, es gibt genauso schlagfertige Frauen wie schweigsame Männer. Die Unterscheidung ist anhand von Berufsgruppen leichter: Techniker sind eher schweigsam.

Was unterscheidet denn die Kommunikation von Männern und Frauen Ihrer Erfahrung nach?

Karthaus: Frauen haben ein Talent, stark verschlüsselte Sätze zu sagen. Ein Beispiel: Ein Ehepaar ist auf der Autobahn unterwegs, sie hätte gern einen Kaffee. Doch sie sagt zu ihm kurz vor der nächsten Raststätte: „Möchtest Du einen Kaffee?" – Weil er keinen will, fährt er weiter, sie ist sauer.

Sie meinen, sie hätte einfach sagen sollen: Fahr mal auf die Raststätte, ich will einen Kaffee?

Karthaus: Genau. Männer verstehen Verklausulierungen nicht, das erlebe ich auch in Seminaren. Frauen verstehen einander, aber bei Männern funktioniert das nicht.

Das ist natürlich vor allem im Führungsbereich ein Problem. Was ist zu tun?

Karthaus: Durch Kommunikation zeige ich, wer ich bin. Wer sich nicht klar ausdrücken kann, wird das auch seinen Mitarbeitern gegenüber nicht tun. Frauen, die nach oben wollen, müssen sagen, was sie wollen.Und weil heute noch meist Männer über die Einstellung entscheiden, müssen sie sich da anpassen: Frauen, kommt auf den Punkt, redet nicht drum herum. Sie dürfen keine Ratespiele veranstalten wie in dem Fall mit dem Kaffee auf der Autobahn.

Sind Frauen konfrontationsscheuer und harmoniebedürftiger als Männer?

Karthaus: Konfrontationen scheuen Frauen vielleicht eher, aber Männer sind genauso harmoniebedürftig, das haben Untersuchungen aus dem Neuromarketing gezeigt. Das gilt vor allem für Familienväter. Allerdings stelle ich fest: Die Gürtellinie fängt im Vergleich zu Männern bei Frauen sozusagen schon am Hals an.

Was wollen Sie denn damit sagen?

Karthaus: Frauen sind viel empfindlicher, haben viel mehr Angst, sie könnten jemanden beispielsweise mit einer Kritik verletzen.

Und was raten Sie den Frauen?

Karthaus: Genau hinzuhören. Man darf die Härte verwenden, die der Gesprächspartner auch verwendet. Wenn eine Frau ein Ziel erreichen will, dann darf sie ruhig mal jemandem auf die Füße treten.

Sie geben im April ein Seminar zum Thema Schlagfertigkeit in Detmold. Werden solche Fortbildungen eher von Frauen oder von Männern besucht?

Karthaus: Eher von Frauen, allerdings mehr für den Gebrauch auf der eigenen Ebene, beispielsweise für die Kommunikation unter Kollegen. Männer sind eher in Seminaren in der Überzahl, bei denen es um Druck und um fiese Tricks geht.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar
1 Kommentar

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!