Birgit Baldauf spricht über Gefahren des Mobiltelefons im Verkehr

„Mit dem Handy am Steuer steigt die Unfallgefahr“

Erol Kamisli

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Birgt hohes Gefahrenpotential im Straßenverkehr: Handy am Steuer. - © dpa
Birgt hohes Gefahrenpotential im Straßenverkehr: Handy am Steuer. (© dpa)
Klärt auf: Birgit Baldauf von der Kreisverkehrswacht. - © Privat
Klärt auf: Birgit Baldauf von der Kreisverkehrswacht. (© Privat)

Kreis Lippe. Nachrichten schreiben, E-Mails checken oder telefonieren – und das alles während der Autofahrt. Die Nutzung des Smartphones lenkt stark ab. Die Polizei in Lippe hat 1.800 Autofahrer im vergangen Jahr erwischt – 2014 waren es 1.650. Sie alle mussten die 60 Euro zahlen und erhielten einen Punkt in der Verkehrssünderdatei. Nur die Spitze des Eisberges meint Birgit Baldauf, Geschäftsführerin der Kreisverkehrswacht Lippe.

Frau Baldauf, die Polizei will bei ungeklärten Unfällen künftig die Handydaten überprüfen...

Birgit Baldauf: Jeder Datenschützer läuft Amok bei diesem Thema. Eine nachträgliche Untersuchung kann sicher zur Klärung eines Unfalles beitragen, zur Abschreckung dienen oder das Strafmaß beeinflussen. Doch als Präventivmaßnahme bevorzugen wir eher die Initiative der Polizei „Crash Kurs NRW". Eine sehr gelungene Initiative der Kreispolizeibehörde zur Vermeidung von Unfällen unter jugendlichen Verkehrsteilnehmern.

Trotzdem hat die Polizei 2015 1.800 Autofahrer mit dem Handy am Steuer erwischt...

Baldauf: Das ist nur die Spitze des Eisberges. Kontrollen können nur sporadisch durchgeführt werden, nie flächendeckend. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, kommen mir immer wieder Fahrer mit dem Handy am Ohr entgegen.

Hat die Kreisverkehrswacht das Thema auf dem Schirm?

Baldauf: Bei unseren Sicherheitstrainings reden wir oft über die Ablenkungsrisiken durchs Handy, denn die „Kopf-runter-Generation" ist inzwischen überall. Die Gefahren sind allgegenwärtig, deswegen wollen wir mit Flyern, die wir verteilen, in allen Bevölkerungsgruppen auf die Gefahren des Handys im Verkehr hinweisen.

Nutzt denn Prävention noch etwas? Sollten die Bußgelder nicht drastisch erhöht werden?

Baldauf: Der bisherige Strafenkatalog hat nicht zu mehr Einsicht bei den Verkehrsteilnehmern geführt. Wir setzen auf präventive Maßnahmen und versuchen, Verkehrsteilnehmer durch einen Reaktionstest, bei dem ein Telefonat oder eine SMS den Fahrer ablenkt, zur Einsicht zu bewegen. Die Reaktionszeiten erhöhen sich so ex-trem, dass vielfach ein Unfall unvermeidbar ist. So steigt mit dem Handy am Steuer die Unfallgefahr und oft enden diese Unfälle tödlich.

Und wie kann hier vorgebeugt werden?

Baldauf: Wir beginnen bereits in den Kindergärten und binden auch Eltern ein. Leider sieht man aber auch dort immer häufiger Menschen mit dem Kinderwagen oder dem Kind an der einen und dem Handy in der anderen Hand. Eine Situation, der wir deutlich entgegenwirken müssen.

Und wie soll das gehen?

Baldauf: Das ist nicht einfach, denn im Zeitalter von Whatsapp, Twitter und Facebook haben wir manchmal das Gefühl, machtlos zu sein. Aber wir glauben an den Erfolg unserer Kampagnen in Kooperation mit anderen Partnern.

Was halten Sie von der Idee, dass Handyfunktionen während der Fahrt unterdrückt werden sollen – ähnlich dem Flugzeugmodus?

Baldauf: Es gibt bereits Fahrzeuge mit Alkoholtestern, die nicht starten ab einer gewissen Promillezahl. Warum sollte es nicht Smartphones geben, die beim Einsteigen auf „Sparflamme" gehen. Oder ein Tipp: Das Handy während der Fahrt ins Handschuhfach legen.

Das Interview führte LZ-Redakteur Erol Kamisli.

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