Karoline Stegemann überrascht von Reaktionen auf ihre Äußerungen zu Detmold

Barbara Luetgebrune

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In "Charleys Tante": Karoline Stegemann als "Kitty" bei der Arbeit. - © Elke Niedringhaus-Haasper
In "Charleys Tante": Karoline Stegemann als "Kitty" bei der Arbeit. (© Elke Niedringhaus-Haasper)

Detmold. „Glatt, spießig, brav": So fällt das Urteil von Karoline Stegemann, Schauspielerin am Landestheater, über Detmold aus. Das sagt die 29-Jährige in einem Beitrag auf Spiegel Online, in dem fünf Menschen berichten, wie sie aus der Großstadt in die Provinz gezogen sind – des Jobs wegen. Manchmal, so sagt sie in dem Beitrag, stelle sie sich die Frage: „Was zur Hölle mache ich in diesem Kaff?" Eine Aussage, für die sie online viel Resonanz erhält – Gegenwind, aber auch Zustimmung.

Karoline Stegemann kam 2013 aus Frankfurt in die lippische Residenz. Detmold sei hübsch, sehr malerisch, konstatiert sie gegenüber Spiegel Online, aber: „Alles ist irgendwie gleich hier. Es gibt keine Leute, die ausbrechen." Die Brüche des Lebens, das Schroffe fehlten ihr hier. Wenn sie nicht ihren Job am Landestheater hätte, würde sie hier nichts halten. „Null", sagt sie. Wer jedoch als Schauspieler ein festes Engagement haben wolle, könne sich die Stadt nicht aussuchen. Und ihr Beruf wiege das Provinzflair auf. „Wenn ich Detmold mit Frankfurt vergleichen müsste", sagt Karoline Stegemann, „dann wäre Frankfurt ein Bild des Expressionisten Jackson Pollock und Detmold ein Biedermeier-Gemälde von Carl Spitzweg."

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Facebook-Stimmen

Auf der Facebook-Seite der LZ ist der Beitrag gestern heiß diskutiert worden. Einige Stimmen:
  • „Detmold ist müde und langweilig geworden, und dass sie das so sieht, kann ich verstehen, tja, aber dann muss sie wohl noch mal umdisponieren."

  • „Na, dann kann sie ja froh sein, dass viele vermeintlich brave und spießige Detmolder und Lipper regelmäßig ins Landestheater gehen, um dazu beizutragen, dass Frau Stegemann ihren Traumberuf ausüben kann."

  • „Es kommt halt immer drauf an, was man will. Und auch diese Prioritäten verschieben sich im Laufe eines Lebens. Man kann Detmold durchaus viel abgewinnen; und wenn nicht: Es ist ein freies Land."

  • „Wie recht sie hat!"

  • „Detmold ist ein Kaff, keine Frage. Aber ein schönes Kaff mit Umgebung! Und das Landestheater hat einen guten Ruf!"

Von den vehementen Reaktionen auf ihr Statement sei sie sehr überrascht, sagte Karoline Stegemann gestern. „Natürlich verstehe ich auf der anderen Seite, dass sich Detmolder, die sich sehr mit ihrer Heimat identifizieren, meinen Aussagen nicht widerspruchslos anschließen. Wenn jemand sich verletzt fühlt, tut mir das Leid, ich bitte aber auch meinerseits um etwas Verständnis." In ihrer Arbeit als Schauspielerin sei sie es gewohnt, den Blick auf Brüche zu richten, Dinge kritisch zu hinterfragen, ihre Schönheit, aber auch ihr Potenzial zur Verwandlung zu suchen. „Wenn ich zudem als junge Frau, die lange in Großstädten gelebt hat, in eine kleine Stadt ziehe, so ist es sicher nachvollziehbar, dass es einer gewissen Umstellung bedarf, die nicht immer einfach, aber auch mit sehr schönen Erfahrungen verbunden sein kann."

Landestheater-Intendant Kay Metzger sieht die Sache entspannt. Zwar lasse sich Detmold schwerlich mit Frankfurt vergleichen, und die Sicht auf Detmold falle in Karoline Stegemanns Äußerung ziemlich verkürzt aus – aber: „Das ist eine Meinung, die man tolerieren muss." Im Übrigen thematisiere er genau diesen Punkt stets in den Einstellungsgesprächen: „Ich weise immer darauf hin, dass wir hier kein Oberzentrum sind." Die Bedingungen seien für junge Schauspieler, die aus der Großstadt kämen, nicht einfach. „Das Arbeitspensum hier ist sehr groß und das Gehalt nicht so hoch, dass sie sich alle zwei Wochen einen Trip nach Berlin leisten könnten."

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