Krisensitzung: Klinikum Lippe in Turbulenzen

Martin Hostert

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Der frühere Klinikchef Peter Schwarze (links) und Klinik-Chef Ingo Breitmeier bei der Vorstellung Breitmeiers im Januar 2015. - © Archivfoto: Vera Gerstendorf-Welle
Der frühere Klinikchef Peter Schwarze (links) und Klinik-Chef Ingo Breitmeier bei der Vorstellung Breitmeiers im Januar 2015. (© Archivfoto: Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Ingo Breitmeier, Hauptgeschäftsführer der Klinikum Lippe GmbH (KLG), steht nach LZ-Informationen schwer unter Druck. Die Gesellschafterversammlung der Gesundheitsholding, identisch mit dem Kreisausschuss, hat gestern eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel eingesetzt, das Gespräch mit Breitmeier zu suchen.

Dieses Ergebnis der außerordentlichen Sitzung mit dem einzigen Tagesordnungspunkt „Geschäftsführer-Angelegenheiten" bestätigte Landrat Dr. Axel Lehmann gestern Abend auf Anfrage. Näher äußerte er sich nicht.

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Kommentar von Martin Hostert

Unter keinem Guten Stern
Die Basis stimme, die Strukturen seien zukunftsweisend, hier könne er etwas bewegen: Mit diesen Worten war Ingo Breitmeier vor etwas mehr als einem Jahr als Klinik-Geschäftsführer angetreten. Der damalige Landrat Friedel Heuwinkel hatte ihn mit allerhand Vorschusslorbeeren ausgestattet: Der neue Mann sei dank langjähriger Erfahrung der Richtige, um Kliniken und Senioreneinrichtungen fit für die Zukunft zu machen.

Breitmeiers Wirken hat bisher unter keinem guten Stern gestanden. Anfang Oktober 2015 kam die drohende Insolvenz der Senioreneinrichtungen ans Licht – eine Riesenbaustelle für Breitmeier, der die Aufgabe bekam, bis Ende März Konsolidierungsvorschläge zu unterbreiten. Mittlerweile werden diese für kommenden Herbst erwartet. Anfang Dezember dann genehmigte der Aufsichtsrat der Krankenhausgesellschaft einen 130-Millionen-Invest für die beiden Häuser in Detmold und Lemgo. Geld für Neubaupläne, die lange bekannt gewesen waren, aber monatelang nicht politisch abgesegnet wurden.

Ingo Breitmeier die Schuld für die Verzögerungen in diesen existenziellen Fragen in die Schuhe zu schieben, wäre nicht fair. Durch den Landratswechsel war vieles ins Stocken geraten. Außerdem wurde in Sachen Krankenhaus hinter den Kulissen lange mit der Gewerkschaft um neue Arbeitsplätze fürs Klinikum gerungen; mit dem Personal der Seniorenheime laufen Tarifverhandlungen. Ein schwieriges Umfeld also für den Klinik-Chef. Aber er glänzt, zumindest in der Öffentlichkeit, nicht eben als der Macher, als der er geholt worden war.
⋌mhostert@lz.de

Weiteren Informationen zufolge könnte Breitmeiers Vorgänger Peter Schwarze gemeinsam mit dem weiterhin amtierenden medizinischen Geschäftsführer Dr. Helmut Middeke wieder übernehmen. Schwarze verwies gestern Abend auf seinen Beratervertrag und sagte, dass er auf eine Chance für Breitmeier hoffe. Breitmeier selbst war krankheitsbedingt gestern nicht bei der Sitzung und nicht zu erreichen.

Er war im Januar 2015 mit der Zielrichtung angetreten, die KLG und die Gesundheitsholding fit für die Zukunft zu machen. Er hatte zuvor die Asklepios-Klinik in Hamburg geleitet. „Meine Hauptaufgabe ist, angesichts des demografischen Wandels und der ländlichen Strukturen eine hochwertige medizinische Versorgung zu sichern", hatte Breitmeier bei seiner Vorstellung gesagt. Er hatte sich unter 40 Bewerbern durchgesetzt.

Zur Holding, eine 100-prozentige Kreis-Tochter, gehören in erster Linie die in der Klinikum Lippe GmbH zusammengeführten Krankenhäuser in Detmold und Lemgo sowie die Kreissenioreneinrichtungen (KSE). Für beide großen Gesellschaften hatte die Gesellschafterversammlung im vergangenen Jahr wegweisende Beschlüsse gefasst: Die Kliniken sollen für mehr als 130 Millionen Euro ausgebaut werden, die Hälfte davon ist im Eigenanteil zu finanzieren. Die Beschlüsse für die Investition hatte der Aufsichtsrat Anfang Dezember gefasst – ein Jahr, nachdem die Klinikleitung sie ihm unter der Überschrift „Strategie 2025” vorgelegt hatte. Die Bauarbeiten erfordern eine umfangreiche Bauleitplanung mit zwei Offenlegungen; eine Baugenehmigung kann frühestens ein Jahr nach Antragstellung erfolgen. LZ-Informationen zufolge liegt bei der Stadt Detmold als Bauaufsichtsbehörde noch nichts vor. Auch die Finanzierung der Maßnahmen steht noch nicht. Peter Schwarze, unter dessen Ägide die Pläne erarbeitet worden waren, verhandelt derzeit im Namen der KLG mit den Geldinstituten.

Für die tief in den roten Zahlen steckenden Senioreneinrichtungen hat die Politik den Auftrag erteilt, bis Ende März ein Sanierungskonzept vorzulegen. Wie am Dienstag berichtet, kann dieser Zeitplan nicht eingehalten werden. Nun soll das Konzept im Herbst beschlossen werden.

Von der prekären Lage der Häuser sei er am Tag nach seiner Wahl im September überrascht gewesen, hatte Landrat Dr. Axel Lehmann mehrfach betont. „Wertvolle Zeit für die Sanierung ist nicht genutzt worden", hatte er mit einem Seitenhieb auf seinen Vorgänger Friedel Heuwinkel kritisiert. Eine „durchgreifende Konsolidierung" und die Erarbeitung eines Konsolidierungskonzeptes für die Senioreneinrichtungen seien erforderlich. Die Insolvenz der KSE war durch eine Halbe-Million-Euro-Überweisung aus der Kreiskasse verhindert worden.

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