Flüchtlinge in Lippe: Bekenntnisschulen müssen keine Flüchtlinge aufnehmen

Das Schulamt beschränkt sich bei der Zuweisung auf öffentliche Einrichtungen

Marianne Schwarzer

Angebot für Flüchtlinge: Renate Fast gehört zum Dutzend der Ehrenamtlichen, die an der August-Hermann-Francke-Schule nach Schulschluss Sport mit den Kindern machen. - © Vera Gerstendorf-Welle
Angebot für Flüchtlinge: Renate Fast gehört zum Dutzend der Ehrenamtlichen, die an der August-Hermann-Francke-Schule nach Schulschluss Sport mit den Kindern machen. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Der Zuzug von Flüchtlingen verändert die Schullandschaft in Lippe - es entstehen internationale Klassen an größeren Standorten, kleinere Schulen nehmen einzelne Flüchtlingskinder auf. Nur nicht an den Schulen des Christlichen Schulvereins Lippe und der Stiftung Eben-Ezer: Die August-Hermann-Francke-Schulen im Kreisgebiet und die Ostschule in Lemgo bleiben außen vor.

So bestätigt es auch der Geschäftsführer des Christlichen Schulvereins, Peter Dück. "Das Schulamt ist bis jetzt nicht an uns herangetreten", sagt er. Die Bildung einer Internationalen Klasse sieht er bisher eher nicht bei den Einrichtungen der Vereins.

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Sonderstatus

Bekenntnisschulen haben einen Sonderstatus. Das Schulamt darf nach einer Mitteilung des Schulministeriums in Düsseldorf nur dann ein Kind fremden Bekenntnisses dort zuweisen, wenn eine öffentliche Gemeinschaftsgrundschule auf dem Gebiet des Schulträgers nicht besteht oder der Schulweg dorthin unzumutbar wäre. Es handelt sich um Privatschulen, die eigene Schulverträge für ihre Schüler abschließen. Hans Werner Rüther vom Schulamt des Kreises Lippe hält genau diesen Vertrag für einen Grund, die Flüchtlingskinder öffentlichen Schulen zuzuweisen, so lange die Kapazitäten reichen. "Ich denke, bis zu den Sommerferien kommen wir erst einmal hin." Sollte das Schulamt auch die Bekenntnisschulen in die Pflicht nehmen, würde es aus seiner Sicht kompliziert.

Da sei die Tatsache, dass Eltern an den August-Hermann-Francke-Schulen zur Finanzierung der privaten Schule beitragen, eher zweitrangig, sagt Dück. "Auch jetzt unterrichten wir Kinder, deren Eltern aus verschiedenen Gründen das Geld nicht aufbringen können." Im größeren Stil wäre das allerdings schwierig.

Ein oder zwei Mal hätten auch christliche Flüchtlinge ihre Kinder an der August-Hermann-Francke-Grundschule in Lemgo angemeldet - "aber das sind Ausnahmen." Es gebe unter den Schülern auch Kinder von Jesiden oder Buddhisten, "die ihren Glauben nicht streng leben."

Für Erich Albrecht, Leiter der August-Hermann-Francke-Hauptschule in Detmold, ist der Kontakt zu den Nachbarn aus der Adenauerstraße wichtig, auch wenn keines der Kinder aus der Notunterkunft hier die Schulbank drückt. "Wir kümmern uns intensiv um die Flüchtlinge. Es gibt eine sehr große Nähe zur Flüchtlingsunterkunft, und wir bieten in unserer Turnhalle zwei Mal pro Woche Sport für 70 bis 80 Kinder an", berichtet er.

Zehn bis zwölf ehrenamtliche Übungsleiter engagierten sich hier. Die Gruppen sind gemischt, deutsche und ausländische Kinder turnten hier gemeinsam, betont Albrecht. Machen da die Eltern seiner Schüler mit? - "Einige haben sich sicher Sorgen gemacht, aber wir machen Mut."

Von dieser positiven Einstellung habe ihn auch die Erfahrung der ersten Zeit nicht abbringen können: "Wir haben sehr blauäugig angefangen. In den ersten drei Wochen ist es vermehrt zu Diebstählen in der Schule gekommen, und wir haben reagiert. So offen, wie wir dachten, geht es nicht." Dann habe es nur zwei Möglichkeiten gegeben: "Entweder man hört auf oder man ändert etwas." Jetzt steht das Schulgebäude selbst nicht mehr Jedermann offen, seitdem habe sich das Problem erledigt.

Neben den Einrichtungen des christlichen Schulvereins betreibt auch die Stiftung Eben Ezer zwei Bekenntnisschulen, unter anderem die junge Ostschule in Lemgo, die sich noch im Aufbau befindet. Zwar finden sich hier auch Zuwandererkinder, allerdings sind deren Eltern schon vor Jahren aus Bangladesch oder aus dem Iran geflohen, erzählt Schulleiter Klaus Hollmann, Zum pädagogischen Konzept gehöre die Weltoffenheit. "Wir sind noch nicht gefragt worden, ob wir Flüchtlinge aufnehmen. Allerdings hätten wir als Schule im Aufbau ein echtes Platzproblem."

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