Lippische: "Wir sind auch künftig in jeder Gemeinde präsent"

Der Vorstand der Lippischen Landes-Brandversicherung spricht über seine personellen und strukturellen Pläne für das laufende Jahr.

Martin Teschke

  • 0
Stehen für das gesellschaftliche Engagement der Lippischen: (von links) Dr. Stefan Everding, Peter Slawik und Dirk Dankelmann. - © Bernhard Preuss
Stehen für das gesellschaftliche Engagement der Lippischen: (von links) Dr. Stefan Everding, Peter Slawik und Dirk Dankelmann. (© Bernhard Preuss)

Kreis Lippe. Die Lippische Landes-Brandversicherungsanstalt hat vom Ergebnis her ein schwieriges Jahr hinter sich. Wie es in dem Tochterunternehmen der Provinzial Rheinland Holding weiter geht, verrät der Vorstand im LZ-Interview.

Herr Slawik, Sie scheiden mit Vollendung des 60. Lebensjahres zum 31. Mai dieses Jahres aus dem Vorstand der Provinzial Rheinland aus. Müssen wir damit rechnen, dass es in absehbarer Zeit erneut einen Wechsel in der Führung der Lippischen Landes-Brandversicherung gibt?

Peter Slawik: Ja, es ist absehbar, dass der Vorstand wie in der Vergangenheit demnächst wieder aus zwei Personen bestehen wird. Mein Engagement war von vornherein zeitlich begrenzt geplant. Meine Aufgabe war, die Lippische personell und strategisch neu auszurichten, um die nachhaltige Eigenständigkeit vor Ort zu stärken. Diesem Ziel sind wir schon sehr nahe gekommen, so dass ich mir um die Zukunftsfähigkeit der Lippischen wenig Sorgen mache. Meine beiden jüngeren Kollegen werden die Herausforderungen sehr gut meistern, so dass ich mich bald zurückziehen kann.

Alle drei Vorstandsmitglieder kommen von der Provinzial Rheinland in Düsseldorf, lediglich Herr Dr. Everding hat lippische Wurzeln. Wie viel Lippe ist nach der Integration 2009 in die Provinzial denn noch in der Lippischen Landes-Brandversicherung geblieben?

Dirk Dankelmann: 100 Prozent. Wir arbeiten mit der Provinzial Rheinland lediglich in den Bereichen zusammen, die unsere Kunden in der Region nicht bemerken. Dabei geht es um die Themen Kapitalanlagen, Rückversicherung und IT.

Gibt es denn noch Unterschiede in den Produkten oder wird das alles aus Düsseldorf vorgegeben?

Dankelmann: Selbstverständlich entwickeln wir für unsere lippischen Kunden ganz spezielle Angebote. So haben wir zum Beispiel im vergangenen Jahr eine Gewerbepolice eigens für Gastronomiebetriebe hier in Lippe eingeführt.

Das vergangene Jahr ist ein gutes Stichwort. 2014 konnten Sie eine Steigerung der Beitragseinnahmen um 5,3 Prozent auf 96,3 Millionen Euro verbuchen. Ist 2015 genauso gut gelaufen?

Slawik: Nahezu. Wir werden nach aktueller Schätzung ein Beitragswachstum von knapp fünf Prozent auf mehr als 100 Millionen Euro erzielen. Damit sind wir sehr zufrieden. Wir wachsen stärker als der Markt.

Woran liegt das? Schließlich steigt die Zahl der Menschen in Lippe aufgrund des demografischen Wandels nicht gerade an.

Dr. Stefan Everding: Das liegt an unserer starken Marke und an der Verwurzelung in der Region. Wir haben in jeder Stadt und jeder Kommune Service-Center. Wir sind in der Fläche präsent – nicht nur mit den Service-Centern, sondern auch mit unserem gesellschaftlichen Engagement.

Und Sie denken nicht daran – ähnlich wie andere Finanzdienstleister – aufgrund steigenden Kostendrucks und veränderten Kundenverhaltens Außenstellen zu schließen?

Everding: Wir werden auf keinen Fall den Service reduzieren. Darin unterscheiden wir uns ja gerade von anderen Unternehmen. Wir hatten vor fünf Jahren 27 Service-Center, heute sind es 24. Das ergab sich zum Teil aus der Zusammenlegung von zwei Servicestellen in ein Gebäude. Und auch in fünf Jahren werden wir weiterhin in jeder Gemeinde ein Service-Center haben. Versprochen.

Ist das denn noch zeitgemäß? Verlangen nicht auch die Kunden in Lippe stärker nach Online-Service?

Slawik: Nicht in relevantem Ausmaß. Sie können hier eine Versicherung nicht mit Banken vergleichen. Aber natürlich wollen auch wir in die digitalen Kanäle investieren. Gemeinsam mit dem Verband öffentlicher Versicherer wird gerade an einem neuen Web-Auftritt gefeilt – mit Investitionen von fünf bis sechs Millionen Euro. Auf unseren Auftritt entfallen davon mehrere hunderttausend Euro.

Das sind wahrscheinlich noch überschaubare Kosten – im Vergleich zu den Schadensummen, die Sie auszahlen müssen.

Dankelmann: Richtig. Allein der Brand bei Galvano Günter hat uns etwa 7,5 Millionen Euro gekostet. Und von den großen Stürmen im vergangenen Jahr hat nun wirklich jeder Lippe heimgesucht. Die Stürme haben uns fast 7000 Schadensfälle beschert. Im Vergleich zu 2014 ist das annähernd eine Verzehnfachung. Dies wirkt sich natürlich auch auf die Schadensummen aus. Waren es 2014 noch 556.000 Euro, die wir wegen großer Stürme zahlen mussten, sind wir 2015 bei 5,3 Millionen Euro angekommen.

Wie hat sich die Schadenentwicklung auf das Ergebnis ausgewirkt?

Slawik: Nicht gut.

Sie verfügen doch sicher schon über genauere Zahlen für 2015.

Slawik: Wir rechnen mit einem Minus von ca. zwei bis drei Millionen Euro.

Werden Sie deshalb dieses Jahr die Kosten herunterfahren, also zum Beispiel Personal abbauen und das gesellschaftliche Engagement reduzieren?

Slawik: Wir haben nicht vor, Personal abzubauen. Wir beschäftigen aktuell knapp 400 Menschen und stellen dieses Jahr sogar mehr Auszubildende ein als 2015.

Everding: Und auf jeden Fall bleiben wir dem Gemeinwohl verpflichtet – mit einem konstanten finanziellen Beitrag. Gerade im Gesundheitsbereich, in der Kultur, in Kindertagesstätten, bei der Feuerwehr und im Breitensport ist uns dies ein besonderes Anliegen. Das gesellschaftliche Engagement stärkt ja gerade unsere Verbundenheit mit der Region. Diese Verbundenheit, diese Zusammenarbeit wollen wir dieses Jahr auch auf der Ebene der kleinen und mittleren Unternehmen intensivieren. So bauen wir aktuell ein Netz von Handwerkern auf, die unsere Kunden ähnlich wie bei Rechtschutzversicherungen im Schadenfall kontaktieren sollen. Das wird vor allem ein Gewinn für die Handwerker aus der Region, für unsere lippischen Kunden und natürlich für die Lippische Landes-Brandversicherung.

Das Interview führte LZ-Redakteur Martin Teschke.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2016
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.