Immobilien: Uwe Petrat wünscht sich bessere Betreuung der Flüchtlinge

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Wohnbau-Geschäftsführer Uwe Petrat. - © Bernhard Preuß
Wohnbau-Geschäftsführer Uwe Petrat. (© Bernhard Preuß)

Kreis Lippe. Am Donnerstag hat Uwe Petrat, Vorstandschef der Wohnbau Detmold, eine Anfrage der Stadt Detmold beantwortet: Die Genossenschaft wird keine neuen Häuser für Flüchtlinge bauen. Den finanziellen Anreizen von Land und Bund zum Trotz sei das nicht wirtschaftlich.

Zwar sind 40 Prozent der Mieter in den über 1300 Objekten der Wohnbau Detmold Zuwanderer, darunter aber nur wenige Flüchtlinge. „Das kann nur klappen, wenn es auch mit der Hausgemeinschaft klappt." Die anderen Mietparteien dürften sich nicht überrollt fühlen. „Es reicht nicht, den Flüchtlingen einfach den Wohnungsschlüssel zu geben."

Menschen aus anderen Kulturkreisen seien mitunter weder mit der Nutzung hiesiger Haushaltsgeräte – es hat auch schon mal Versuche gegeben, den elektrischen Backofen mit einem Holzfeuer einzuheizen oder auf Ceranfeldern Brot zu backen – vertraut noch mit westlichen Toiletten. Manche empfinden deren Benutzung im Sitzen als unhygienisch, weil sie es anders gewohnt sind. Auch der Umgang mit der Zentralheizung oder die Vermeidung von Schimmelbildung, etwa durch Lüften beim Kochen, ist oft nicht vertraut. So einen Fall hat Petrat gerade mit einer Flüchtlingsfamilie erlebt. „Man muss die Dinge erklären." Ein Grund für einen Rauswurf wäre das nicht, auch wenn unter Umständen die Bausubstanz leide. „Wir haben jetzt eine Zwangsbelüftung eingebaut."

Doch das Problem erlebt er genauso bei jungen Mietern deutscher Abstammung: „Wer immer im Hotel Mama alles gemacht bekommt, kennt sich damit eben nicht aus."

Petrat wünscht sich, dass die Flüchtlinge nicht nur mit der Sprache lernen, sondern auch im Alltag begleitet würden. „Meine Eltern waren auch Flüchtlinge." In der Pflicht, mehr Wohnraum für die Neuankömmlinge zu schaffen, sieht Petrat an erster Stelle den Staat: „Sie können doch nicht wie Frau Merkel eine Situation herbeiführen und dann erwarten, dass andere das lösen."

Auch die Wohnbau Lemgo plant nicht, neue Unterkünfte zu bauen, wie Sprecher Andreas Riepe sagt. „Es muss wirtschaftlich sein." Von etwa 2300 Wohneinheiten im Altkreis Lemgo habe seine Genossenschaft lediglich etwa 20 an Flüchtlinge vermietet. Private Vermieter sind noch deutlich zurückhaltender, sagt Immobilienmaklerin Birgit Seiffert aus Bad Salzuflen: „Viele wollen noch nicht mal, dass ich ihre Wohnungen inseriere, weil sie nicht wollen, dass sie gefragt werden, ob sie Flüchtlinge aufnehmen."

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Es wäre schön, wenn sich die Flüchtlinge mit anerkanntem Bleiberecht im richtigen Proporz in hiesige Hausgemeinschaften integrieren ließen. Doch das dürfte nur punktuell klappen: Es sind zu viele zu schnell gekommen. Für den sanften Weg, wie er Uwe 
Petrat von der Wohnbau Detmold vorschwebt, fehlen für das Gros von ihnen neben der Zeit die Kapazitäten.

Weil die Branche im Bau von Wohnraum für Flüchtlinge nicht gerade ihre wirtschaftliche Zukunft sieht, wird es die öffentliche Hand richten müssen. Bei knappen Kassen macht die, was sie kann, widmet Leerstände um, baut hier und da auch neu. Doch in aller Regel eben nicht in kleinen Einheiten, sondern in größeren: Erneut wird es, wie bereits in den 90er Jahren beim Zustrom der Spätaussiedler, auf eine Ghettoisierung hinauslaufen. Die öffentliche Hand muss unbedingt gleichzeitig mit dem Wohnraum Strukturen schaffen, die die Tür in unsere Gesellschaft offenhalten: Viel Geld wird in Beschäftigung und Begegnung fließen müssen.

Sprachkurse allein reichen bei weitem nicht, die Flüchtlinge müssen auch mit anderen Bestandteilen unserer Kultur vertraut werden, nicht zuletzt mit unserer Wohnkultur: Nur Wissen hilft, Konflikte zu vermeiden. Oft unterstützen Ehrenamtliche als Paten Flüchtlinge bei der Wohnungssuche. Es wäre schön, wenn sie am Ball bleiben, wenn der Mietvertrag unterschrieben ist.

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