Projekt "Theater macht Arbeit" auf der Bühne des Detmolder Sommertheaters

Das Jobcenter Lippe präsentiert in Kooperation mit dem Netzwerk Lippe und der Projektfabrik Witten ein neues Stück im Sommertheater

André Gallisch

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Vierfach teuflisch: Cindy Horstkotte, Chevy Jocker, Rene Opitz und Jennifer Schröder (von links) glänzten mit ihren sehr speziellen Mephisto-Interpretationen im voll besetzten Sommertheater. - © André Gallisch
Vierfach teuflisch: Cindy Horstkotte, Chevy Jocker, Rene Opitz und Jennifer Schröder (von links) glänzten mit ihren sehr speziellen Mephisto-Interpretationen im voll besetzten Sommertheater. (© André Gallisch)

Detmold. Vierfach teuflisch ist es auf der Bühne des Detmolder Sommertheaters zugegangen. In der Aufführung "Macht - Liebe - Tod - Zum Teufel mit der Liebe" haben die Protagonisten des Projekts "Theater macht Arbeit" Mephisto heraufbeschworen. Und das gleich in vierfacher, sehr individueller Ausführung.

Eine Gruppe Theaterbesessener trifft sich in diesem von den 14 jugendlichen Schauspielern selbst entwickelten Stück, kann sich aber nicht auf die Auswahl eines bestimmten Stückes einigen. "Dann hab ich mich der Magie ergeben", erklingen plötzlich die Stimmen ebenso sonor wie beschwörend.

Schließlich tauchen sie auf: Ganz unterschiedlich, aber in jeden Fall auf die ganz eigene Art diabolisch, übernehmen die Mephistos die Regie. Dabei gelingt es zu erst Cindy Horstkotte als rothaarigem Mephisto-Vamp, das Publikum im komplett gefüllten Sommertheater mitzureißen.

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Spielend auf den Arbeitsmarkt

Bereits zum zehnten Mal ist das Projekt „Theater macht Arbeit" über die Bühne gegangen. Hier werden jugendliche Teilnehmer unter anderem mit Hilfe der Theaterpädagogik auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Landrat Dr. Axel Lehmann gratulierte zu der „Erfolgsgeschichte". Er lobte die Methodik, mit der den jungen Menschen sehr unterschiedlicher Herkunft ihr eigenes Projekt ermöglicht wird. „Man lernt hier, mit der Stimme bewusster umzugehen, Blickkontakte zu knüpfen und den Umgang untereinander", sagte Lehmann. In den vergangenen zehn Jahren hätten 180 Teilnehmer an diesem Projekt mitgewirkt: „Etwa 75 Prozent von diesen haben anschließend einen Ausbildungsplatz, eine Anstellung oder einen höheren Schulabschluss erlangt oder ein Studium begonnen."

Doch auch der ein bisschen wie ein Türsteher anmutende Mephisto von Chevy Jocker, der von René Opitz in fast schwebende Bewegung versetzte Mephisto und die eine Mischung von Offenherzigkeit und Verruchtheit ausstrahlende vierte Teufelsgestalt von Jennifer Schröder wissen durch eine große Authentizität in der jeweiligen Rolle zu begeistern.

Alsdann stiften die Vier reichlich Verwirrung unter den Theaterbesessenen. Wie Marionetten setzen sie die zu willenlosen Geschöpfen reduzierten Figuren in dem von Macht, Liebe und Tod handelnden Mix aus Stücken der "Sturm und Drang"-Epoche nach Lust und Laune in Szene.

Dabei gelingt dem gesamten Ensemble ein sehr unterhaltsamer Szenenwechsel zwischen Schillers "Die Räuber" und "Kabale und Liebe", Goethes "Urfaust", "Clavio" und "Stella" sowie den "Kindermördern" von Heinrich Leopold Wagner.

Die Laiendarsteller glänzen nicht nur mit ihrer bemerkenswerten schauspielerischen Leistung: Neben der in fünf Monaten mit den Theaterpädagogen Kai Büchner und Gunther Möllmann erarbeiteten Darstellung überzeugen vor allem Cindy Horstkotte, Olga Kolycev, Caroline Richter und Berivan Celik auch mit ihren Singstimmen. Das Stimm- und Gesangstraining mit Anette Gebauer hat hier deutliche Spuren hinterlassen.

Für die 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die nebenher natürlich auch Bewerbungen geschrieben und ein Bewerbungstraining erhalten haben, dauert das ganzheitlich angelegte Projekt nun noch vier weitere Monate mit einem betrieblichen Praktikum weiter an.

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