Mitarbeiter des "Lohmannshof" bestehen erstmals Gabelstaplerführerschein

Marianne Schwarzer

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Konzentriert: Achtsam bugsiert Waldemar Rosnow die Palette mit den frisch gepflückten Äpfeln über den Lohmannshof. Für den Gabelstapler hat er als erster behinderter Mitarbeiter der Lebenshilfe Detmold jetzt einen Führerschein in der Tasche. - © Marianne Schwarzer
Konzentriert: Achtsam bugsiert Waldemar Rosnow die Palette mit den frisch gepflückten Äpfeln über den Lohmannshof. Für den Gabelstapler hat er als erster behinderter Mitarbeiter der Lebenshilfe Detmold jetzt einen Führerschein in der Tasche. (© Marianne Schwarzer)

Detmold. Sanft dreht er den Zündschlüssel, betätigt ein paar Hebel und schon setzt sich der Gabelstapler in Bewegung. Waldemar Rosnow bugsiert das Gefährt behutsam aus der Halle und nimmt Kurs auf eine Palette mit Apfelkisten. Gerade hat der 26-Jährige seinen Gabelstaplerführerschein gemacht – ein Riesenschritt auf seinem Lebensweg.

Der junge Mann strahlt: „Das habe ich mir gewünscht", erzählt er. Für seinen Chef Cord Häger, Gärtnermeister und Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung auf dem Lohmannshof, ist das eine Premiere. „Erstmals haben zwei Mitarbeiter der Lebenshilfe Detmold sich auf diese Weise weiterqualifiziert", berichtet er. Denn auch Waldemar Rosnows Kollege Björn Urbanski hat die Prüfung bestanden, vor dem Pressetermin ist er leider erkrankt.

Information
Lohmannshof
Die Lebenshilfe Detmold betreibt den Lohmannshof auf einer Fläche von 22 Hektar in Hiddesen. Äpfel, Zwetschgen, Beeren, Kirschen und Rhabarber werden hier angebaut, teils weiterverarbeitet, teils direkt im Hofladen vermarktet, die frisch eingelagerten Äpfel bis ins Frühjahr hinein. Auch eine Mosterei gehört dazu.

In der Adventszeit sind auch Weihnachtsbäume im Angebot. Allein in der Abteilung Obstbau sind 18 Mitarbeiter beschäftigt. Seit 1969 produziert der Betrieb nach ökologischen Richtlinien. Seit 1993 ist der Lohmannshof der Lebenshilfe ein anerkannter Biolandbetrieb.

Es ist das Anliegen der Lebenshilfe, Menschen auf dem Lohmannshof, auf dem Bio-Obst angebaut wird,  nach ihren Fähigkeiten zu fördern und zu qualifizieren. Waldemar Rosnow ist lernbehindert, und es hat ein Jahr gedauert, bis er  sich Theorie und Praxis angeeignet hatte. „Wir haben auf dem Hof in einer ruhigen Ecke auch immer ein bisschen üben dürfen", erzählt er.

Das Pauken ist dem jungen Mann nicht leicht gefallen, aber schließlich hatte er alles intus. Jetzt kann er aus dem Effeff jede Menge technische Daten erzählen: „Der kleinere von unseren Gabelstaplern wiegt 1,2 Tonnen", weiß er.
Drei Tage hat die offizielle Ausbildung bei der Fahrschule Zöllner gedauert, jetzt haben beide ihren Führerschein in der Tasche. Die gesetzliche Unfallversicherung schreibt vor, dass der allein nicht reicht: Sie brauchen auch noch den offiziellen schriftlichen Auftrag des Arbeitgebers, und auch den haben sie jetzt in der Tasche.

Cord Häger ist stolz auf seinen Mitarbeiter: „Man merkt, dass Waldemar  ein Gespür für das technische Gerät hat." Dessen sehnlichster Wunsch wäre es, eines Tages in der freien Wirtschaft zu arbeiten.  „Als nächstes würde ich gern einen Treckerführerschein machen."

Das hält sein Chef für denkbar: „Allerdings muss schon noch ein bisschen was dazu kommen." Um den  Arbeitsstress in einem kommerziellen Unternehmen auszuhalten, fehle es noch ein wenig an Disziplin, sagt er augenzwinkernd. Gleichwohl kann er sich schon vorstellen, dass sein Schützling eines Tages den Sprung schafft. „Dies ist der erste Schritt."

Und den genießt Waldemar Rosnow sichtlich. Er lässt den Elektromotor wieder an: Die nächste Fuhre Äpfel wartet schon.

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