Frauen um sechsstelligen Betrag geprellt: „Blind und taub“ vor Liebe

Ein 40-jähriger Österreicher soll drei Frauen um mehr als 150.000 Euro betrogen haben

Erol Kamisli

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Der Angeklagte mit Anwalt Colja Krause. - © Erol Kamisli
Der Angeklagte mit Anwalt Colja Krause. (© Erol Kamisli)

Kreis Lippe. Es ist der Traum von Liebe und Reichtum, aus dem drei Frauen aus München, Wien und Hamburg bitterböse erwachen: Sie lernen einen 40-jährigen Österreicher kennen, der sie innerhalb kurzer Zeit um insgesamt 153.000 Euro gebracht haben soll.

Mit seinen Betrügereien soll der Angeklagte, der immer wieder unter falschem Namen auftrat, von September 2014 bis Mai dieses Jahres mehr als 155.000 Euro ergaunert haben – vorwiegend von Frauen. Jetzt muss er sich vor dem Landgericht Detmold wegen gewerbsmäßigen Betruges, Urkundenfälschung und Diebstahls verantworten. In einem Hotel in Horn-Bad Meinberg ist er festgenommen worden.

Um rund 40.000 Euro habe der Angeklagte sie innerhalb von fünf Monaten betrogen, sagte eine Geschädigte am zweiten Prozesstag im Zeugenstand. Kennengelernt habe sie den 40-Jährigen im Dezember vergangenen Jahres. „Ich war Managerin einer Autovermietung, und er hatte rund 9000 Euro Schulden bei uns, die ich eintreiben sollte", erinnerte sich die 30-jährige Münchnerin.

Kontakt zu Kind und Familie abgebrochen

Doch daraus wurde nichts – denn sie verliebte sich in ihn. „Er war sehr charmant und hat mir erzählt, dass er mehrere Firmen hat und Millioneninvestments im In- und Ausland tätigt", sagte die 30-Jährige. Anschließend habe er sie sogar „überredet" einen Bankkredit über 40.000 Euro aufzunehmen und zu ihm nach Hamburg zu ziehen. Sie habe ihn geliebt und „damals die Welt durch eine rosarote Brille wahrgenommen".

Für sie habe es nur ihn gegeben – sonst habe nichts gezählt: „Sogar den Kontakt zu meiner Familie und meinem Sohn habe ich wegen ihm abgebrochen. Ich war taub und blind vor Liebe." Immer wieder habe es Anzeichen für seine „Lügenprojekte" gegeben, aber sie habe ihm vertraut und immer wieder Geld aufgetrieben, um „seine Geschäfte" am Laufen zu halten.

„Irgendwann hatte ich keinen Cent mehr und saß alleine in einem Hotelzimmer in Lippe", sagt die Münchnerin. Kurz danach flog der Schwindel auf, als sich ein Hotelier in Horn-Bad Meinberg über das Auftreten des Gastes wunderte. Inzwischen wohnt die 30-Jährige gemeinsam mit ihrem Sohn wieder in München und musste Privatinsolvenz anmelden.

Selfies sind die einzigen Erinnerungen ans Geld

Soweit ist es bei der 28-jährigen Wienerin nicht. „Ich bin auch auf ihn reingefallen", stellte die Angestellte fest. Insgesamt 45.000 Euro Bargeld habe sie ihm in kurzer Zeit übergeben, damit er das Geld gewinnbringend investiert. „Doch er hat nichts angelegt, sondern das Geld für seinen Lebensunterhalt ausgegeben", sagte die Wienerin. Sie habe ihm vertraut und sei bitter enttäuscht worden. „Ich sitze nun auf einem riesigen Schuldenberg und komme gerade so über die Runden ", sagte die 28-Jährige.

Nicht aus Liebe, „sondern um ihr Vermögen zu vermehren", habe sie dem Angeklagten 68.000 Euro in bar übergeben, erklärte eine 45-jährige Hamburgerin im Zeugenstand. Er habe ihr eine zweistellige Rendite versprochen. Vor der Übergabe habe sie sogar Selfies vor dem Geldhaufen gemacht. „Die Fotos sind die einzigen Erinnerungen an mein Vermögen. Von dem Geld habe ich bis heute keinen Cent gesehen", sagt die Zeugin.

Der Angeklagte betonte, dass er die Frauen nicht gezwungen habe, ihm das Geld zu übergeben. „Alles war freiwillig."

Der Prozess wird am Mittwoch, 14. Dezember, um 9 Uhr fortgesetzt.

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