Einmalig: Lemgoer wollen Geldscheine mit Speicherfunktion entwickeln

Marianne Schwarzer

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Mit Visionen in die Zukunft: Wenn die Entwicklung des Teams Erfolg hat, dann könnte der gute alte 50-er Papierschein eines Tages ausgedient haben. - © Hochschule / Montage: Oliver Wendtland
Mit Visionen in die Zukunft: Wenn die Entwicklung des Teams Erfolg hat, dann könnte der gute alte 50-er Papierschein eines Tages ausgedient haben. (© Hochschule / Montage: Oliver Wendtland)

Lemgo. Es stinkt nicht, sagt der Volksmund: Bargeld ist ein anonymes Zahlungsmittel – aber gerne auch Ziel von Fälschern. Doch was wäre, wenn Banknoten plötzlich Informationen speichern könnten, die sich weltweit abrufen lassen? – Genau das wollen die Wissenschaftler am Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) und Institut für Lebensmitteltechnologie (ILT.NRW) der Hochschule OWL herausfinden.

Gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Industrie forschen sie daran, Banknoten zu kreieren, die intelligent sind und über aufgedruckte, dynamische Steuerelemente ein eigenes digitales Produktgedächtnis erzeugen können.

Doch wozu braucht man solch hochmoderne Banknoten, wenn doch die Digitalisierung immer mehr um sich greift? – „Bargeld ist immer noch das beliebteste Zahlungsmittel", betont Projektleiter Prof. Volker Lohweg. Bei aller Digitalisierung im Zahlungsverkehr: „Banknoten sind absolut nicht out, auch wenn einige Einrichtungen das vielleicht gern hätten."

Da ziehe auch das Beispiel Schweden nicht: „Das ist ein ganz spezielles Land, das schon sehr früh den digitalen Zahlungsverkehr vorangetrieben hat. Aber das ist wirklich ein Ausnahmefall." Im Forschungsvorhaben „smartBN" , dessen Name für „Intelligenter Schutz im Zahlungsverkehr durch smarte Banknoten" steht, wollen die Projektpartner eine vollkommen neuartige Banknote entwickeln, die den weltweiten Zahlungsprozess revolutionieren könnte.

Doch wie soll das aussehen? „Chemische Substanzen werden auf die Banknote aufgebracht, die optisch veränderbar sind und wie ein Speicher verwendet werden können", erläutert Professor Hans-Jürgen Danneel vom ILT.NRW. So könne die Banknote Informationen aufnehmen und abgeben. „Dieser Ansatz geht in eine vollkommen andere Denkrichtung als bisher", betont Prof. Lohweg. Konsumenten und Automaten könnten die Banknote dann direkt zur Bestätigung der Echtheit nutzen und beispielsweise ablesen, wie alt sie ist.

Allerdings hat die Sache einen nicht zu unterschätzenden Haken, erläutert Prof. Lohweg auf Nachfrage der LZ: „Die smarte Banknote darf nicht teurer sein als die aktuelle."

Smarte Banknoten

Neben dem Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) und dem Institut für Lebensmitteltechnologie (ILT.NRW) der Hochschule OWL sind weitere Projektpartner aus der Forschung und Industrie Koenig & Bauer AG mit Tochterunternehmen KBA-NotaSys Lausanne, Diebold Nixdorf AG und Ruhr-Uni Bochum (Lehrstuhl Eingebettete Systeme der Informationstechnik). Das Forschungsprojekt wird über drei Jahre mit rund 800.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. In diesem neuartigen Forschungsansatz werden sensorische Detektions- bzw. Aktivierungs- und Authentifikationsverfahren sowie physiko-chemische Ansätze zur Altersbestimmung und Codierung erforscht und entwickelt. Das Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) ist beheimatet im Lemgoer Forschungs- und Entwicklungszentrum Centrum Industrial IT (CIIT).

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