Nach Kündigungen: IG BAU kritisiert „Deutsche Grundstückservice GmbH“ scharf

Auch Jobs in Salzuflen, Lemgo und Oerlinghausen sind betroffen

Martin Hostert

  • 1
Lemgo, Heinrich-Hertz–Straße 1: Auch hier haben Beschäftigte der „Deutschen Grundstücksservice GmbH" gearbeitet. - © Torben Gocke
Lemgo, Heinrich-Hertz–Straße 1: Auch hier haben Beschäftigte der „Deutschen Grundstücksservice GmbH" gearbeitet. (© Torben Gocke)

Kreis Lippe. Die Kündigung von 87 Beschäftigten der „Deutschen Grundstücksservice GmbH" des Immobilienunternehmers Birger Dehne in Hannover strahlt bis nach Lippe aus. Er hat das Personal laut der Industriegewerkschaft BAU (Bauen, Agrar, Umwelt) entlassen, weil es einen Betriebsrat gründen wollte. Die Gewerkschaft spricht von einem „beispiellosen Vorgang".

Laut IG BAU gehören drei Immobilien in Lippe einer weiteren Firma von Dehne: Die Gebäude Florence-Nightingale-Straße 1-41 in Oerlinghausen, Heinrich-Hertz-Straße 1 in Lemgo und Oststraße 16 in Bad Salzuflen. Dort waren bis jetzt ein bis zwei Hausmeister und Reinigungskräfte beschäftigt. „Er ist mit der Grundstücksservice GmbH dort sein eigener Kunde", beschreibt Gewerkschaftssekretär Frank Lattrich das Konstrukt. Auch in Herford gibt es eine Immobilie.

Bereits im November hätten die Beschäftigten der in drei Bundesländern tätigen „Deutschen Grundstücksservice" versucht, eine Wahl zum Betriebsrat einzuberufen. Dagegen sei Dehne, der mit mehreren Firmen bundesweit Immobiliengeschäfte mache, juristisch vorgegangen. Lattrich: „Nachdem nun alle Mitarbeiter für eine erneute Wahlversammlung unterschrieben haben, erhielten sie prompt eine Kündigung. Das ist miese Personalpolitik nach Gutsherrenart." Die gesetzlich verankerte Mitbestimmung solle „um jeden Preis verhindert" werden.

Nach Angaben der IG BAU hat es einen vergleichbaren Fall in der Region in den vergangenen 15 Jahren nicht gegeben. „Der Immobilien-Erbe, dem es an Geld nicht zu mangeln scheint, zahlt gerade einmal den gesetzlichen Mindestlohn", berichtet Lattrich. Zudem seien die Lohnzahlungen oft extrem unregelmäßig gewesen. Als Dehne die Aktivitäten der IG BAU bemerkt habe, seien die Löhne immerhin pünktlicher gekommen. Dies zeige, so Lattrich, welche „enorme Angst" der Unternehmer davor habe, dass sich die Mitarbeiter für ihre Rechte einsetzten.

Die IG BAU fordert den Unternehmer dazu auf, die Kündigungen zurückzunehmen. „Entweder soll die ,Deutsche Grundstücksservice‘ mit voller Personalstärke bestehen bleiben – oder die Mitarbeiter müssen in einer neuen Firma angestellt werden", betont Lattrich. Die Gewerkschaft werde alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um zu verhindern, dass die Beschäftigten auf der Straße landen.

Lattrich kündigte Kündigungsschutzklagen an. Auch die Betriebsratswahl werde durchgezogen: „Und wenn es die erste und letzte Aufgabe des Betriebsrates ist, einen Sozialplan zu erstellen." Seitens der Deutschen Grundstücksservice GmbH war keine Stellungnahme zu der Angelegenheit zu bekommen.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar
1 Kommentar

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!