Vogelgrippe: Ende der Stallpflicht nicht in Sicht

Astrid Sewing

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Noch ist in Lippe keine Vogelgrippe bei den Tieren nachgewiesen worden. - © Bernhard Preuss
Noch ist in Lippe keine Vogelgrippe bei den Tieren nachgewiesen worden. (© Bernhard Preuss)

Kreis Lippe. In Delbrück sind am Mittwoch 69.000 Tiere getötet worden, nachdem Geflügelpest-Viren nachgewiesen worden waren. Noch ist im Kreis Lippe kein Vogel gefunden worden, der am Virus H5N8 gestorben ist. Trotzdem besteht eine Stallpflicht. Das Kreisveterinäramt bereitet sich auf den Ernstfall vor.

Dr. Ulrich Kros und Tierärztin Ricarda Rottmann, im Veterinäramt zuständig für die Tierseuchenbekämpfung, sind momentan im Dauereinsatz. Täglich rufen Lipper an und melden den Fund eines toten Vogels. „Die Jäger sind da sehr gute Kooperationspartner, und das ist auch wichtig", sagt Dr. Kros. Denn das Geflügelpest-Virus wird nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen über Wildvögel und deren Kot verbreitet.

Im Kreis Lippe gibt es 2.336 Geflügelhalter, die registriert sind. Das Gros sind Kleintierhalter und Hobbyzüchter. Mastbetriebe gibt es weniger, Brütereien gar nicht. Das Veterinäramt kontrolliert regelmäßig größere Betriebe, momentan gilt die Aufmerksamkeit allen Haltern. Gibt es Hinweise, dass Hausgeflügel draußen herumläuft, gibt es eine klare Linie.

„Wir erklären es einmal, dann folgt ein Bußgeld, denn es hat schwerwiegende Konsequenzen, wenn es zu einem Seuchenzug kommt", sagt Ricarda Rottmann. Das Veterinäramt bereite sich auf den Ernstfall vor. Einsatzkarten, Spezialmasken und auch Medikamente, um Vögel in kleineren Beständen einzuschläfern, sind angeschafft worden.

Was passiert, wenn das Virus in einem Wildvogel nachgewiesen wird? „Dann wird ein Radius um den Fundort festgelegt, und innerhalb dieses Kreises werden die Geflügelhalter benachrichtigt." Nur wenn in einer Haltung ebenfalls das Virus festgestellt wird, werde der betroffene Bestand getötet. „Es werden nicht alle in der Nachbarschaft gekeult – es sei denn, wir hätten Hinweise darauf, dass sich diese Tiere angesteckt haben könnten", erklärt Kros.

Und wenn es um Hausgeflügel geht? „Dann können anhand einer Karte alle gemeldeten Haltungen ausgemacht und straßenscharf Grenzen gezogen werden. „Der innere Bereich, der Sperrbezirk, umfasst drei Kilometer, das Beobachtungsgebiet zehn Kilometer drum herum", sagt Rottmann.

Was muss man beachten, wenn man tote Vögel findet? Das Kreisveterinäramt nimmt Meldungen unter der Telefonnummer 05231-622171 entgegen und entscheidet, was zu tun ist. „Wichtig ist für uns, dass wildes Wassergeflügel, Greif- und Rabenvögel schnell zur Untersuchung gelangen", sagt Tierärztin Rottmann. Bei Singvögeln gebe es – ebenso wie bei Tauben, für die die Stallpflicht nicht gilt – bisher keinen Nachweis, dass sie an der Geflügelpest erkrankten. Keinesfalls sollten die Vögel ohne Handschuhe angefasst werden.

Kann man die kranken Tiere heilen oder gesunde impfen? „Beim Menschen wird der Grippeimpfstoff Jahr für Jahr neu zusammengesetzt. Bei Vögeln geht das so nicht, eine Impfung gegen die Geflügelpest ist im Gegenteil verboten." Das gelte auch für Behandlungsversuche, sagt Kros.

Wann darf das Hausgeflügel wieder ins Freie? Erfahrungsgemäß gebe es in den kalten Monaten Krankheitsausbrüche, sobald die Tage länger werden und die Sonne mehr scheint, sinke das Risiko. „Das UV-Licht wirkt auf das Virus wie eine Desinfektion", meint Kros. Die Stallpflicht, die durch das Land verordnet wird, werde voraussichtlich frühestens im März aufgehoben.

Müssen Volierenvögel in den Stall? „Nein. Und selbst Geflügel könnte in einer Voliere gehalten werden, wenn die nach oben so abgedeckt ist, dass kein Wildvogel-Kot reinfallen kann – aber der Aufwand ist sehr hoch", erklärt Kros.

Ist das Fleisch ungenießbar? Hier geben die Veterinäre ganz klar Entwarnung. „Es gibt bei diesem Virus-Typ keinen Fall, dass die Krankheit auf den Menschen übertragen werden kann. Das gilt auch für das Fleisch." Gleichwohl gebe es Importverbote in anderen Ländern, und Geflügelfleischprodukte aus infizierten Beständen gelangten generell nicht in den Handel.

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