Ministerpräsidentin Hannelore Kraft spricht in Detmold

Erol Kamisli

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Bad in der Menge: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft diskutiert mit Bürgern auf dem Detmolder Marktplatz. 
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Bad in der Menge: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft diskutiert mit Bürgern auf dem Detmolder Marktplatz. (© Torben Gocke)

Detmold. Der gestresste G8-Vater, der Mann mit zu wenig Rente, die Frau ohne Job: Das Szenario auf dem Detmolder Marktplatz war wie gemalt für einen Wahlkampfauftritt von Hannelore Kraft. Die Ministerpräsidentin grüßt viele der 450 Lipper, die an diesem Nachmittage gekommen sind, per Handschlag: "Na, wie geht's?"

Hannelore Kraft braucht ein paar Schokoherzen. "Gibt's noch welche?", fragt sie, dreht ihren Kopf nach hinten. Der Detmolder Landtagsabgeordnete Dr. Dennis Maelzer reicht ihr eine Handvoll, kein Problem. Vollmilchschokolade einpackt in rote Folie, und Kraft schenkt jedem, der ihr auf dem Marktplatz über den Weg läuft, ein Herz. "Ich bin ihre Ministerpräsidentin. Nehmen sie ruhig das Herz."

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Mit Verspätung betritt die Sozialdemokratin gegen 17.15 Uhr den Marktplatz. Sie wolle über Bildung, Familien- und Verkehrspolitik mit starkem OWL-Bezug sprechen, hieß es vorab. Mehr als eine Stunde später, als ihr Team auf eine baldige Abreise drängt, hat sie viele Gespräche geführt, Herzchen verteilt und Autogramme gegeben. Die Lipper, die Hannelore Kraft trifft, erzählen ihr von ihrem Leben, von Schicksalen, von einer knappen Rente, ihren Minijobs und der 86 Jahre alten Mutter, die seit knapp drei Wochen im Altenheim untergebracht werden muss. Die Ministerpräsidentin bekommt das wahre Leben serviert.

Zuvor tauscht die 55-jährige Kraft vor dem Detmolder Rathaus und den obligatorischen SPD-Ständen mit Kaffee, Pickert und Bratwurst, ein paar Sätze mit dem Landtagsabgeordneten Dr. Dennis Maelzer aus. So viele Menschen in Arbeit wie noch nie, mehr Polizisten auf der Straße, kostenfreie Bildung, auch die Kita, oder mehr sozialer Wohnungsbau und noch mehr Investitionen in den Straßenbau - es ist für alle etwas dabei.

Fünf Jugendliche, die sich dem Geschehen vorsichtig nähern, fragen: "Muss man die Frau kennen?" Und als Kraft schnelles Internet für alle verspricht, haut die 13-jährige Lara ihrer ein Jahr älteren Freundin Tia auf die Schulter: "Ja, Internet. Das ist cool", klatscht Lara, und: "Macht mal schnell ein Selfie", ruft Lara ihren vier Freunden zu. Sie posieren - im Hintergrund Hannelore Kraft.

Der Kalender im Wahlkampf ist voll. Kraft war bereits in Paderborn und Höxter, am Abend steht noch ein Auftritt in Bad Salzuflen auf dem Plan. Sie wirkt nicht gestresst, nicht müde. Wenn jemand etwas fragt, reagiert sie sofort. Auch als drei Ex-Mitarbeiterinnen der Johanniter gegen "das Lohndumping in der Flüchtlingseinrichtung in Oerlinghausen" protestieren. "Ich bin im Thema und wir werden eine Lösung finden", verspricht Kraft den drei Frauen. Das Trio ist zufrieden: "Ich nehme ihr das ab, dass sie sich kümmert", sagt die arbeitslose Senel Schröder, und ihre Kolleginnen nicken.

Die Ministerpräsidentin kommt kaum voran, überall wartet eine Bitte, eine Frage, ein Anliegen. "Eine große Koalition in Düsseldorf wäre der Untergang der SPD", warnt ein Mann. Kraft lacht, beruhigt ihn, Handschlag, herzliche Umarmung, man ist sich einig, der Rentner wird SPD wählen. Kraft will eine Kümmererin sein. Sie geht auf Menschen zu, beginnt ein Gespräch, hört zu, wartet ab, antwortet, sagt immer wieder "dat" und "wat". Das schafft Vertrauen. Herzen erobern kann sie, die Ministerpräsidentin an diesem Nachmittag. Herzen verteilen auch.

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