Nach Starkregen: Knapp 100 Feuerwehreinsätze im Kreis Lippe

Till Brand, Stefan Backe und Nele Wehmöller

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Die gesamte Bad Salzufler Innenstadt steht unter Wasser. - © Stefan Backe
Die gesamte Bad Salzufler Innenstadt steht unter Wasser. (© Stefan Backe)

Kreis Lippe. Land unter in Lippe: Heftiger Starkregen hat am Donnerstagnachmittag an vielen Orten Straßen und Keller überflutet. Betroffen waren vor allem Bad Salzuflen, Lemgo, Lage und Augustdorf. Die Feuerwehren mussten fast 100 Einsätze bewältigen.

Bad Salzuflen: Besonders ergiebige Regenwolken hatten sich innerhalb kurzer Zeit über der westlippischen Kurstadt entladen. In Bad Salzuflen war um kurz vor 17 Uhr Vollalarm für alle verfügbaren Feuerwehrkräfte ausgelöst worden. Nach Angaben der Leitstelle waren fast aus dem gesamten Stadtgebiet Hilferufe eingegangen. Insgesamt hatten die Helfer rund 50 Einsätze zu bewältigen – vor allem in den Ortsteilen Schötmar, Werl-Aspe, Ehrsen-Breden, Wülfer-Bexten und Grastrup-Retzen.

Galgenhumor im Salzufler Innenstadt-See: Geschäftsinhaber Matthias Herlitzius steht barfuß auf der Steege. Mit vereinten Kräften haben die Kaufleute die Abflüsse geöffnet, damit die Wassermassen besser ablaufen können. Auf dem Bild ist der Maximal-Pegel vom Donnerstag schon wieder gesunken. - © Stefan Backe
Galgenhumor im Salzufler Innenstadt-See: Geschäftsinhaber Matthias Herlitzius steht barfuß auf der Steege. Mit vereinten Kräften haben die Kaufleute die Abflüsse geöffnet, damit die Wassermassen besser ablaufen können. Auf dem Bild ist der Maximal-Pegel vom Donnerstag schon wieder gesunken. (© Stefan Backe)

Einen dicken Hals und nasse Füße hatten wie schon oft auch die Geschäftsleute in der Salzufler Innenstadt. Teile der Langen Straße und der Steege hatten sich innerhalb von Minuten in große Seenplatten verwandelt. Meist barfuß und mit vereinten Kräften hasteten die Betroffenen durch den Regen und entfernten die Abflussabdeckungen, die in geschlossenem Zustand erst recht mit den Wassermassen überfordert waren.

Vor allem für zwei Geschäfte an der tiefsten Stelle der Steege war allerdings – wieder einmal – jede Hilfe vergebens. Daran hatte kurioserweise nicht zuletzt der Stadtbus eine Mitschuld, hatten die schweren Wagen beim Durchqueren der Seenplatte doch eine erhebliche Bugwelle ausgelöst.

Schon im vergangenen Jahr waren in diesem Bereich der Innenstadt ein halbes Dutzend Mal die Sandsäcke und selbst gebauten Wassersperren an den Ladentüren zum Einsatz gekommen. Die Stimmung zwischen den Geschäftsinhabern und der Bad Salzufler Stadtverwaltung ist in diesem Punkt angespannt. Die Anlieger kritisieren, dass bei der Umgestaltung der Fußgängerzone zu wenig für den Schutz vor Starkregen getan worden ist. Die Verwaltung argumentiert dagegen, dass gegen solch extreme Wetterlagen kaum ein Kraut gewachsen sei.

Lemgo: In Lemgo traf es vor allem die Dörfer im Westen der Stadt. Im Lemgoer Ortsteil Lieme liefen nach Angaben von Feuerwehrmann Andreas Schröder einige Keller mit Wasser voll. Ebenso mussten die Einsatzkräfte nach Kirchheide ausrücken. Besonders viel zu tun gab es an der Wittighöfer Straße in Leese. Diese musste zwischen dem Dorf und der Ostwestfalenstraße gesperrt werden, da sich von einem Feld wahre Schlammmassen über die Straße gewälzt hatten. Mit zehn Wagen war die Feuerwehr zur Reinigung vor Ort.

Lage: Die Freiwillige Feuerwehr Lage meldete am Donnerstagabend elf Unwettereinsätze im Stadtgebiet binnen drei Stunden. Aufgrund der Vielzahl an zeitgleichen Ereignisse sei Gesamtalarm für alle Einheiten ausgelöst worden. Die Einsatzstellen hätten fast ausschließlich im Bereich der Kernstadt gelegen, heißt es in einer Pressemitteilung. Mehrere Straßen sind überflutet worden, weil die Regenwassereinläufe verstopft waren. Auch einige Kellerräume mussten ausgepumpt werden. Gegen 19.30 Uhr waren alle Einsätze beendet.

Rüdiger Wendt von der Feuerwehrleitstelle des Kreises Lippe hatte einiges zu tun, die ganzen Einsätze zu koordinieren. Rund 150 Einsatzkräfte kümmerten sich um die mit Wasser vollgelaufenen Keller und beseitigten den Schlamm auf den Straßen.

"Wir sind aktuell damit beschäftigt, Wasser und Schlamm aus den Häusern und Kellern zu entfernen. Außerdem haben wir unseren Fokus zunächst auf die Hauptverkehrsstraßen gelegt, damit diese schnell wieder befahrbar sind", erklärte Wendt.

Gegen 21 Uhr hatte sich die Lage wieder entspannt, lediglich zehn Einsätze, darunter auch noch zwei in Kalletal, liefen noch. Der deutsche Wetterdienst meldete keine weiteren Starkregenfälle für den Abend.

Am Freitagmorgen konnte die Feuerwehrleitstelle verkünden, dass es zum Glück keine Verletzten aufgrund des Unwetters gab.

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