Fritz Winter lebt für den Sport

Axel Bürger

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Fritz Winter - © Axel Bürger
Fritz Winter (© Axel Bürger)

Blomberg-Großenmarpe. Wiederwahl. Vereinsmitglieder kennen dieses Wort. Einmal im Jahr wird es, wenn alle Berichte verlesen, alle Sieger geehrt sind, ins Rund gerufen. Wer einmal im Amt ist und keine silbernen Löffel klaut, geht als der Gleiche aus dem Saal als der er reingekommen ist. Fritz Winter war fast sein ganzes Leben in Vereinen aktiv. Oft an der Spitze. Und heute?

Hängen Zinnteller aus Chemnitz an der Wand, Wimpel aus Kaunas. Das Haus von Fritz Winter in Großenmarpe ist voller Erinnerungen aus mehr als 50 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit in Sachen Sport. Nennenswert das Bundesverdienstkreuz, die vielen Jahresberichte, Ehrennadeln und Auszeichnungen. Winter scheint vieles richtig gemacht zu haben. „Im Grunde hat alles angefangen, weil es viel zu früh zu Ende ging", blickt Winter zurück ins Jahr 1953.

Mit 20 rieten ihm die Ärzte, seine gerade erst begonnene Laufbahn als Handballer wieder an den Nagel zu hängen. Winter wurde Handballschiedsrichter und kurze Zeit später Schiedsrichterwart. Der erste Schritt zu einer fulminanten Funktionärs-Laufbahn.

Heute ist er Kreissportbund-Ehrenpräsident. Dazwischen liegen Jahrzehnte, in denen seine Frau Christa ihn in der Woche abends kaum zu Gesicht bekam. „Ich war nahezu immer unterwegs", sagt Winter. Der 84-Jährige hatte an der Zusammenlegung der Handballkreise Lemgo, Höxter, Detmold, Paderborn mitgewirkt, war groß bei den Schützen in Großenmarpe im Geschäft, 1978 Schützenkönig, trägt die Ehrennadel der Verkehrswacht, war in der Marpetaler Blaskapelle und der Sängergemeinschaft. Und natürlich Handball-Schiedsrichter. Da gerät seine Vaterrolle schon fast ein wenig ins Hintertreffen. Zwei Töchter und einen Sohn hat Winter. Längst sind Enkelkinder im Haus.

Was der rüstige Mann an Anekdoten zu erzählen weiß, könnte eine Biografie schnell füllen. „Ich habe mich mit Ministerpräsident Johannes Rau geduzt", fällt ihm spontan ein. Warum, Herr Winter? „Bei irgendeinem Termin in Düsseldorf hat er mich auf einmal geduzt, da habe ich zurück geduzt und von da an war es so."

Aber im Leben des Blombergers stand die Sonne nicht ununterbrochen hoch. Vor drei Jahren fand er sich von jetzt auf sofort im Krankenhaus. „Fünf Stunden hat die Operation gedauert, ich wäre fast erstickt. Im Grunde hat mich mein Sohn Jörg gerettet, der eine Verlegung von Lemgo zu einem Spezialisten nach Bielefeld in die Wege leitete." Winters Sohn ist Mediziner in einer Gütersloher Klinik.

Und trotzdem fanden die spannenden Momente im vergangenen Jahrtausend statt. „Mit meinem Heinkel-Roller und Seitenwagen zum ersten Spiel als Handballschiedsrichter, damals noch auf dem Feld. Drei Mark gab’s dafür. 1972 war ich mit meiner Frau bei Olympia in München, die Karten hatte der Landessportbund zur Verfügung gestellt. Wir haben fast jeden Wettkampf gesehen."

Ein Kapitel, das der Funktionär nie aufschlagen wollte und wohl gut damit gefahren ist? „Parteipolitik. Ich habe den Landräten Heinz Wegener, Hans Budde und Hans Pohl sagen müssen, dass ich in keiner Partei sei und auch nicht vorhätte, in eine einzutreten." Winter dachte sich immer: Du kannst nur eine Sache vernünftig machen: Sport oder Politik. Und aus dem Umfeld des Sports sind natürlich die echten Freundschaften geblieben. Winter nennt beispielsweise Wolfgang Hömer, früher Heidelbeck, und den schon verstorbenen Charly Klemme, das Schiri-Original aus dem Extertal. Das Rezept für eine lange Funktionärslaufbahn ohne Parteibuch? Winter: „Ich denke, ich habe immer auf klare Regeln gesetzt und keine Ausnahmen gemacht." Und wahrscheinlich sei er kein „Streithammel".

Und Reisen, Urlaub? Winter: „Sylt". Er fuhr 1980 mit Kind und Kegel erstmals auf die Insel. Seitdem jedes Jahr. Immer Westerland. „Abends auf die Friedrichstraße. Ich treffe jedes Jahr Leute, die ich kenne."

Sein früheres Uhren- und Schmuck-Geschäft in Blomberg wird von seiner Tochter Anke Winter-Rotteveel geführt. Aber wer kümmert sich dort weiterhin um viele Gravuren auf Pokalen lippischer Vereine? Fritz Winter.

Persönlich

Fritz Winter wurde 1933 in Großenmarpe geboren, ist seit 1959 verheiratet, hat drei Kinder und ist in Lippe in erster Linie bekannt, weil er von 1983 bis 2007 Vorsitzender des Kreissportbundes war. Winter ist heute KSB-Ehrenpräsident, ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und erhielt als einer von zwei Lippern 2000 (Hans-Joachim Dörrer ist der andere) die Sportplakette NRW.

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