Chef der Wohnbau schwört auf die Mischung

Marianne Schwarzer

Uwe Petrat ider Chef der Wohnbau Detmold. Sein Herz schlägt für den SC Freiburg. - © Vera Gerstendorf-Welle
Uwe Petrat ider Chef der Wohnbau Detmold. Sein Herz schlägt für den SC Freiburg. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Detmold. Groß. Das Attribut kann dem Besucher durchaus durch den Kopf schießen, wenn er Uwe Petrats Büro betritt. Und wäre da nicht die silberne, bewegliche Trennwand, dann hätte es schon fast die Ausmaße eines veritablen Tanzsaals. Denn ab und an tagt an dem großen Besprechungstisch auch der Aufsichtsrat der Wohnbau Detmold.

„Aber so ist es gemütlicher“, meint der Chef der Detmolder Wohngenossenschaft. Der Raum mit den honigfarbenen Holzmöbeln verliert durch die Trennwand auch kaum von seinem Charme, den ihm vor allem die Fenster verleihen. „Es ist schon nett hier“, aufschneiden gehört nicht zu Petrats Repertoire.

Das hat er schlichtweg auch nicht nötig, denn das Unternehmen, das mit seinen 1370 Wohnungen eine Bilanzsumme von 77,5 Millionen Euro aufweist, kann sich durchaus sehen lassen. „Wenn Sie heute bei uns in die Verwaltung kommen und nach einer Wohnung fragen, dann müssen wir Ihnen leider einen Korb geben“, erzählt der Geschäftsführer, der vor sieben Jahren aus Süddeutschland nach Lippe gekommen ist. „Wir haben einfach nichts frei.“

Für Uwe Petrat ist die Geschäftsform der Genossenschaft ideal: „Das ist die tollste Unternehmensform. Demokratischer geht es nicht. Und Sie können eigentlich nicht pleite gehen.“ Der Nachteil: Er als Chef ist durchaus persönlich in der Haftung. Beispielsweise, wenn die Wohnbau ihrer Räumpflicht nicht nachgekommen sein sollte oder nicht kontrolliert haben sollte, dass geräumt wurde: „Darum sind wir vielleicht auch etwas pedantischer, als den Leuten lieb ist. Aber Fünfe gerade sein zu lassen, wird vor so einem Hintergrund schwierig.“

Häufig kommt das glücklicherweise nicht vor, die Wohnbau bemüht sich um ein reibungsloses und möglichst konfliktfreies Miteinander – mit den Mietern und unter den Mietparteien gleichermaßen. Oftmals funktioniert das. Auch, weil die richtige soziale Mischung Petrat am Herzen liegt: Jung und alt, verschiedene Gesellschaftsschichten, verschiedene Nationalitäten: Schwierig werde es erst dann, wenn es eine Minderheit gibt, und die entsteht dann, wenn sich eine Mehrheit gebildet hat. „Das versuchen wir, zu vermeiden. Das ist gelebte Integration.“

Natürlich gibt es im großen Bestand der Wohnungen auch sanierungsbedürftige. „Und bei einigen lohnt sich das nicht mehr, sie energetisch zu sanieren, weil auch alles andere nicht passt. Häuser aus den 50-er Jahren sind nun mal nicht dafür gemacht, dass die Bewohner riesige Flachbildschirme an die Wand hängen oder nachts nach dem Disco-Besuch auf Highheels durch die Wohnung gehen und noch Cappuccino kochen“: Auch der Schallschutz ist heute ein anderer, weil sich die Lebensgewohnheiten der Menschen verändert haben.

Auf kurz oder lang trennt sich die Wohnbau von solchen Gebäuden, reißt sie ab. Aber nicht ad hoc: „Sowas wollen wir natürlich sozialverträglich regeln“, niemand werde weggeekelt. „Wenn auf längere Sicht ein Neubau entstehen soll, dass vergeben wir vorab eben nur noch kurzfristige Mietverträge.“

Dass sich der 57-Jährige mal mit derlei sozialen Fragen auseinandersetzen würde, hätte er am Anfang seiner Laufbahn nicht gedacht. Die Ausbildung bei der Deutschen Bundesbank fing er eigentlich nur an, „weil mein Vater das gern wollte.“ Der Vater war Polizist – und „wollte, dass ich was Anständiges mache, ich sollte Banker werden. Da hab ich gesagt: Gut, dann werde ich halt Banker.“ Allerdings behagte dem Sohn nach der Ausbildung die Idee, sein Leben als – wenn auch gut bezahlter – Kassierer zu fristen, nicht.

„Ich hatte ja gemacht, was mein Vater wollte – jetzt konnte ich selbst entscheiden.“ Er studierte also in Mannheim BWL. Auch wenn er sich durch die eine oder andere Mathe-Prüfung quälte – „das war nie so mein Fach“ – machte er den Abschluss, ging zur Landesbank Baden-Württemberg und kam dort von der Kreditabteilung in den Immobilienbereich.

Er wurde Abteilungsdirektor der Kreissparkasse Tübingen zu einer Zeit, da Kreditinstitute ihre Immobilienabteilungen ausgliederten. Genau das wurde sein neues Projekt: Für vier Sparkassen im Neckar-Odenwald-Kreis baute Petrat eine eigene Immobiliengesellschaft auf.

Zu dem Zeitpunkt bekam er erste Berührungspunkte mit Wohnbaugenossenschaften – und Geschmack daran. Als es im baden-württembergischen Aalen mit seinem aktuellen Arbeitgeber nicht mehr passte – Differenzen mit dem Aufsichtsrat – kam er nach Detmold. „Mich hat vor allem gereizt, dass im Aufsichtsrat der Wohnbau Detmold keine Politiker sitzen, sondern beispielsweise Leute aus dem Handwerk.“ Mit diesem Gremium lasse sich gut arbeiten,weil jeder etwas einbringe. Und für diese Herrschaften öffnet er dann gern auch die Zwischenwand seines Büros.

Womit wir wieder in seinem Arbeitsraum wären. Hinter dem Schreibtisch ein großformatiges Foto des italienischen Col de Nivolet mit atemberaubenden Serpentinen, auf dem Schreibtisch Fotos der Lieben und an der Wand daneben ein Poster des Chefs selbst – mit stilechtem Fanschal des SC Freiburg Arm in Arm mit Nils Petersen, geschossen beim Aufstiegsspiel im vergangenen Jahr.

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Vier Antworten

1. Ich bin derzeit sehr zufrieden, weil...
wir verstehen, was die Kunden von uns wollen.

2. Gegenwärtig läuft es gut bei uns, weil...
sämtliche Wohnobjekte vermietet sind.

3. Für die Zukunft wünsche ich, dass...
es so weitergeht. Viel besser kann es eigentlich gar nicht werden.

4. Meine Mittagspause verbringe ich...
zu Hause. Ich lege mich für 20 Minuten aufs Ohr.

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