Trägerverein hofft auf Bundes-Fördermittel

Marianne Schwarzer

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Tatkräftiges Quartett: Stephanie Kleine, Uwe Bonnet. Frank Hille und Sonja Wagner bilden den Vorstand des neuen Vereins. - © Vera Gerstendorf-Welle
Tatkräftiges Quartett: Stephanie Kleine, Uwe Bonnet. Frank Hille und Sonja Wagner bilden den Vorstand des neuen Vereins. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Sie haben getan, was sie konnten. Sabine Wagner und Stephanie Kleine von der Beratungsstelle für Behinderte haben den Förderantrag auf den Weg gebracht. Nur wenn der eigens gegründete Verein auch tatsächlich vom Bund den Zuschlag für die Förderung der künftigen Arbeit bekommt, kann es weitergehen. Ansonsten können die beiden Fachfrauen einpacken – buchstäblich.

Seit 2004 finden Behinderte aus dem gesamten Kreis Lippe Hilfe in der Beratungsstelle, die in der Alten Schule am Wall untergebracht ist. Sabine Wagner und Stephanie Kleine bekommen ihr Gehalt zwar beide von der Lebenshilfe. „Aber wir haben immer unabhängig vom Träger beraten", betonten beide unisono.

Nun ist aber genau die formale Unabhängigkeit von der Bundesregierung ausdrücklich erwünscht, darum hat sich ein Trägerverein gegründet, damit die Arbeit unter anderen Vorzeichen weiterlaufen kann. Den Vorstand stellen, neben Sabine Wagner und Stephanie Kleine, Frank Hille und Uwe Bonnet. Hille war lange Jahre Behindertenbeauftragter der Stadt Lage. Der gelernte Bankkaufmann ist es gewohnt, dicke Bretter zu bohren. Uwe Bonnet sitzt selbst im Rollstuhl und engagiert sich in dem neuen Trägerverein, „weil ich da auch noch was dazu lernen kann", wie er sagt.

Der Förderantrag, mit dem sich die beiden Frauen in den vergangenen Wochen unter Hochdruck befasst haben, umfasst nicht nur ihre eigenen Stellen: „Unser Konzept sieht zusätzlich eine weitere Stelle für zwei Menschen mit Behinderungen und diverse Minijobs vor", erläutert Stephanie Kleine. „Uns schwebt vor, ein zweites Büro aufzumachen, um die Wege zu verkürzen."

Dass Geld aus Berlin für die unabhängige Beratung nach Lippe fließen wird, steht fest – die Frage ist nur, wer es bekommt. Denn es könnten sich auch andere Träger für die Einrichtung einer solchen Stelle in Lippe bewerben, beispielsweise, um dort eigenes Personal unterzubringen.
Und wenn das passiert? – „Dann können wir wirklich einpacken. Und das würde uns einfach auch für unsere Klienten sehr Leid tun."

Kommentar: Betroffene beteiligen

Von Marianne Schwarzer

Seit 2004 haben Menschen mit Behinderungen im Kreis Lippe eine Anlaufstelle – und die Beraterinnen haben noch nie heraushängen lassen, dass ihr Gehalt zu einem kleinen Teil vom Kreis Lippe und zum größten Teil von der Lebenshilfe kommt: Sie hatten für alle Betroffenen ein offenes Ohr. Jetzt wollen sie genau diese Betroffenen auch in ihre Arbeit einbinden – und das wird höchste Zeit.

Dass Stephanie Kleine und Sonja Wagner ihre Arbeit mit Herzblut machen und sich beispielsweise im Arbeitskreis um die Leichte Sprache verdient machen, steht auf dem einen Blatt. Auf dem anderen stehen die Integration und die Teilhabe, die auch solche Beratungsstellen einschließen sollte: Denn gerade wer selbst täglich mit den eigenen Behinderungen kämpfen muss, kann Ratsuchenden noch einmal von einer ganz anderen Warte aus auf die Sprünge helfen.

Im Übrigen muss gerade die öffentliche Hand – die hier die Finanzierung liefert – mit gutem Beispiel vorangehen. Die Beratung auch noch im lippischen Norden oder Südosten anzubieten, um kürzere Wege zu ermöglichen, passt ebenfalls gut ins Konzept. Bleibt zu hoffen, dass es klappt mit dem Antrag.

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