Verein „Mentor“ möchte im Kreis Lippe Leselernhelfer ausbilden

Astrid Sewing

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Jungs lesen anders: Frank Münschke forscht an der Universität Köln und hat gestern spezielle Literatur für Jungen im Kreishaus vorgestellt. Für den Bundesverband „Mentor" stellten Marion Krämer und Dagmar Schmidt ihre Erfahrungen vor. - © Vera Gerstendorf-Welle
Jungs lesen anders: Frank Münschke forscht an der Universität Köln und hat gestern spezielle Literatur für Jungen im Kreishaus vorgestellt. Für den Bundesverband „Mentor" stellten Marion Krämer und Dagmar Schmidt ihre Erfahrungen vor. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Es ist schwieriger, Jungen für das Lesen zu begeistern – das wird durch die Ergebnisse der Pisa-Studie gestützt und gilt nicht nur in Deutschland. Also müssen besondere Anreize her. Die Universität Köln hat das Ganze erforscht und kommt zu dem Ergebnis: Jungen lesen gerne Bücher, bei denen männliche Helden im Mittelpunkt stehen und spannende Geschichten erleben. Außerdem ist es hilfreich, wenn es Mentoren gibt, die das Lesenlernen unterstützen. Im Kreishaus hat sich nun das Mentor-Kompetenzzentrum vorgestellt, das auch in Lippe Fuß fassen möchte.

Bei der Fachtagung, zu der die „Stiftung für Lippe" eingeladen hatte, stellte Frank Münschke für die Universität Köln das Projekt „boys & books" vor. Zweimal im Jahr werden 20 Bücher für die Altersklassen zwischen 6 und 18 Jahren empfohlen. Der Bundesverband Mentor wiederum schult Ehrenamtliche darin, Kinder beim Lesenlernen zu unterstützen. Nicht etwa in der Gruppe, es kümmert sich jeweils ein Mentor nur um ein Kind.

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Der Vorteil liegt für Münschke darin, dass zurückhaltendere Kinder individueller gefördert werden können. „Gerade Jungen, die nicht gut lesen können, brauchen eine gezielte Ansprache und Hilfe dabei, den richtigen Lesestoff zu finden", sagt er. Es gebe zwar eine Fülle von Büchern, aber nur wenige, die Jungen auch ansprächen. „Wir haben festgestellt, dass ältere Autoren in den meisten Fällen scheitern, wenn sie Jugendsprache anwenden wollen. Jungen steigen auch beim Lesen schneller aus als Mädchen, wenn die Bücher nicht von Anfang an spannend sind." Science Fiction, Abenteuergeschichten, Fußball-Zeitschriften, Sachbücher – all das werde von Jungen bevorzugt.

Tiefgründige inhaltliche Ansprüche seien eher kontraproduktiv, wenn man Kindern das Lesen schmackhaft machen will. „Da hat man heute andere wissenschaftliche Erkenntnisse. Comics eignen sich sehr gut für den Einstieg, denn über die Bilder entwickeln sich Geschichten. Und wer Spaß hat, der liest auch anderes."

Dass Jungen weniger gerne zum Buch greifen, habe mehrere Gründe. „Es fehlt an männlichen Vorbildern. In Kindergärten und Grundschulen sind zumeist Frauen beschäftigt, in den Familien, vor allem in bildungsferneren, wird weniger vorgelesen", sagt Münschke.

Die Forschungsgruppe der Universität Köln habe vor allem drei Risikofaktoren ausgemacht: Kinder aus bildungsfernen Schichten, mit Migrationshintergrund und männlichen Geschlechts schneiden besonders schlecht ab. „Da muss man nach Fördermöglichkeiten suchen, denn das Textverständnis ist die Voraussetzung für die Ausbildung und den Beruf."

Die Idee des Vereins „Mentor – die Leselernhelfer" gehe in die richtige Richtung. Huguette Morin-Hauser warb bei der Fachtagung, an der Pädagogen und Leselernhelfer aus NRW teilnahmen, dafür, das System flächendeckend zu etablieren. Dagmar Schmidt, Lesementorin aus Paderborn, stellte ihre Erfahrungen vor: „Ich habe ein Kind betreut, das in der zweiten Klasse die Buchstaben nicht zu einem Wort verbinden konnte, da habe ich mit einem Bilderbuch angefangen, am Ende wünschte sich das Kind ein Buch und traute sich, vor der Klasse zu lesen."

Der Bundesverband „Mentor" sucht Ehrenamtliche

2012 ist der Bundesverband „Mentor" in Ratingen gegründet worden. Bundesweit gibt es derzeit 11.000 Leselernhelfer, die 14.000 Kinder und Jugendliche beim Lesen unterstützen. Die Initiativen gründen sich vor Ort als Vereine oder Stiftungen, immer begleitet ein Erwachsener ein Kind. Ausschließlich finden die Treffen an den Schulen statt. Ziel ist, dass jedes Kind unabhängig von seiner kulturellen und sozialen Herkunft eine Chance auf gesellschaftliche Teilhabe bekommen soll.

Dazu gehört ein Schulabschluss, der seiner tatsächlichen Begabung entspricht. Die ehrenamtlichen Mentoren werden in einem Seminar auf die Aufgabe vorbereitet. Die NRW-Stiftung finanziert die Arbeit des Bundesverbandes. Wer in Lippe eine Gruppe aufbauen möchte möchte, wird unter Tel. (02 21) 16 84 47 44 beraten.

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