Cannabis-Plantage in Lemgo: Herforder hinter Gitter

Martin Hostert

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Hanfpflanzen (© Symbolbild: dpa)

Detmold/Lemgo. Seine neugeborene Tochter hat der Angeklagte am Donnerstag im Gerichtssaal zum ersten Mal gesehen. Bei seiner Haftentlassung wird sie in die Schule gehen. Das Landgericht Detmold hat den Herforder Thomas B., 29, zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er hatte in einer Lemgoer Lagerhalle Cannabis in großem Stil angebaut, sich mehrfach mit der Polizei angelegt und dabei einen Polizisten verletzt sowie illegal jede Menge Waffen besessen.

20 Minuten brauchte Staatsanwältin Johanna Demmig, um die umfangreiche Anklageschrift zu verlesen – eine gute Stunde Sitzungsunterbrechung folgte, in der B.’s Anwalt Thomas Klein, Demmig und die Große Strafkammer einen Deal aushandelten. Darauf ließ sich B. ein – ansonsten hätten ihm wohl neun Jahre Haft gedroht, stellte Richter Karsten Niemeyer klar. B. gestand also weite Teile der Vorwürfe.

Umfangreiche Ermittlungen führen die Kripo zum Angeklagten

Ja, er habe in der Lageschen Straße in Lemgo eine Indoor-Plantage mit Mariuahana aufgebaut. Ja, er habe Rauschgift in Holland besorgt und weiterverkauft. Ja, er sei – da jahrelang ohne Führerschein unterwegs – vor einer Polizeikontrolle in Osnabrück abgehauen. Ja, er habe auf der Flucht in Georgsmarienhütte eine Sperre durchbrochen, anschließend filmreif einen Streifenwagen auffahren lassen und sei dann entkommen.

Umfangreiche Ermittlungen führten die Kripo in die Wohnung B.’s nach Herford und von dort zu der Plantage. Die Osnabrücker holten die lippischen Kollegen hinzu. Der Beamte berichtete von rund 400 Pflanzen unterschiedlicher Reife und einer professionell ausgebauten Plantage – mit Bewässerung, Abluftanlage und Wärmelampe.

Mithelfer erwartet ein gesonderter Prozess

Die Anlage hatte ein 62-jähriger Bad Salzufler „für rund 30.000 Euro" konstruiert; er hatte die Halle bereits seit vielen Jahren gemietet. Ihn erwartet ein gesonderter Prozess, doch gestern bekam er als Zeuge schon mal einen Vorgeschmack darauf. „Ich brauchte Geld", erzählte der Handwerker. Für 20 Euro Stundenlohn habe er die Plantage aufgebaut; selber gekifft hab er nie: „Ich habe das als Job gesehen." B. sei eindeutig der Chef gewesen und habe ihn mal auf die Halle angesprochen, er sei bereits im Januar ausgestiegen. Geld habe er nicht gesehen – der Lohn sollte erst nach dem Verkauf der Ernte ausgezahlt werden.

Der dritte im Bunde, ein 51-Jähriger aus Belm bei Osnabrück, war für die Pflanzen verantwortlich. Auch er testete am Donnerstag schon mal für sein eigenes Gerichtsverfahren. Er sei ein Kleingärtner, der zwar von Tomaten Ahnung habe, nicht aber von Cannabis. „Dieses Wissen habe ich mir aus dem Internet geholt. Ich rauche ja nicht mal." Auch er habe von seinem Bekannten B. 20 Euro die Stunde fürs regelmäßige Gießen und Umtopfen bekommen sollen.

Ein Tag Sonderurlaub für die Tochter

B. gebürtiger Hamburger und ohne Ausbildung, aber mit einer abgebrochenen Krankenpfleger-Lehre, ist mehrfach vorbestraft. Bei einem Motorradunfall vor zwei Jahren in Osnabrück erwischte ihn die Polizei – unter Bewährung stehend – mit einem Rucksack voller Drogen. Dieses Urteil (16 Monate Haft) ist jetzt rechtskräftig und mit der Strafe am Donnerstag verrechnet worden. Johanna Demmig hatte siebeneinhalb Jahre gefordert, Thomas Klein sechseinhalb.

Der Angeklagte verfolgte die Ausführungen seiner Kompagnons mit Kopfschütteln und gelegentlichem „Vogelzeigen". Er sagte, die drei seien gleichberechtigte Partner gewesen. B. sitzt jetzt ein und muss bald einen Entzug machen. Einen Tag Sonderurlaub aus dem Knast gewährte im Niemeyer – einen Tag für die Tochter.

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