Trotz sinkender Einbruchszahlen: Immer mehr Menschen haben Angst

Patrick Schlüter

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Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster. Mit dem passenden Werkzeug können sich Einbrecher Zugang ins Haus verschaffen. - © Pixabay
Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster. Mit dem passenden Werkzeug können sich Einbrecher Zugang ins Haus verschaffen. (© Pixabay)

Bielefeld. Ein kurzer Gang zum Supermarkt oder ein Besuch beim Nachbarn kann schon ausreichen, um Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden. Die meisten Täter planen ihre Tat nicht lange, sondern warten auf den passenden Moment, um in aller Eile Wertgegenstände und Geld zu entwenden. Die aktuellste Einbruchstatistik des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigte sogar erstmals seit zehn Jahren einen Rückgang an Einbrüchen.

So wurden 2016 151.265 Einbrüche gemeldet und es entstand ein Versicherungsschaden von 470 Millionen Euro. Das sind rund zehn Prozent weniger Fälle als im Vergleich zum Vorjahr. Die Aufklärungsquote der Kriminalpolizei liegt allerdings nur bei 16,9 Prozent.

Positiv wirken sich aber die Initiativen der Polizeibehörden aus. Dank werbewirksamer Serviceangebote wie „K-Einbruch" konnten mehr Menschen überzeugt werden, in Sicherheitstechnik zu investieren. o scheiterten 2016 bereits 44 Prozent aller Einbrüche beim Versuch – 2007 waren es noch 38 Prozent.

„Der Rückgang der Einbrüche ist ein erfreulicher Lichtblick. Allerdings verzeichnen wir immer noch deutlich mehr als vor fünf oder zehn Jahren – von einer Trendwende können wir derzeit also nicht ausgehen", sagt GDV-Präsident Alexander Erdland. Nach einer Forsa-Umfrage fürchten allerdings immer mehr Menschen, Opfer eines Einbruchs zu werden.

Jeder Dritte hat Angst

Fast 80 Prozent der Befragten meinen, dass dieses Risiko zunehme. Jeder Dritte hat Angst vor Einbrechern, bei den Frauen sind es sogar 41 Prozent. Ebenso zeigten diejenigen, die ein Haus bewohnen (43 Prozent) mehr Angst vor Einbrüchen, als diejenigen, die in einer Wohnung leben (28 Prozent).

Bei der Einschätzung, selbst Opfer eines Einbruchs zu werden, gibt fast die Hälfte der Befragten an, bei ihnen sei wenig zu holen und es gäbe für Einbrecher interessantere Objekte. „Dieser Verdrängungsmechanismus ist so alt wie gefährlich: Es passiert anderen, aber nicht mir. Ein fataler Fehler, denn jeder kann Opfer eines Einbruchs werden", sagt Erdland.

Und die Umfrage der Versicherer zeigt gleichzeitig, dass die Deutschen noch zu wenig in die Sicherheitstechnik investieren. Nur etwa ein Viertel habe sein Haus mit abschließbaren Fenstergriffen, Sicherungen an Balkon- und Terrassentüren oder etwa einem zweiten Türschloss ausgerüstet. „Der mechanische Einbruchschutz ist nach wie vor die wirkungsvollste Art, den Einbruchversuch zum Scheitern zu bringen", bestätigt Gerhard Klotter, Vorsitzender der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Aber gerade Vermieter sind oft nicht bereit, für ihre Mieter in Sicherheitsvorrichtungen zu investieren, anders herum auch die Mieter nicht. 44 Prozent möchten nicht in fremdes Eigentum investieren. Bernd Spilker von der Kriminalprävention rät: „Eine Mehrfachverriegelung für die Haustür ist nicht allzu teuer und kann beim Auszug einfach wieder abmontiert werden. Gleiches gilt für Zusatzschlösser und aufschraubbare Nachrüstsicherungen für Fenster und Terrassentüren."Die polizeiliche Erfahrung zeige, dass die wenigsten Einbrecher gut ausgerüstete Profis sind. Meist handele es sich um Gelegenheitstäter.

Fakt sei: Sichtbare Sicherungstechnik wirke auf den Täter abschreckend. Denn das bedeute eine längere „Arbeitszeit" und so erhöhe sich das Risiko „erwischt" zu werden. Und wer sein Haus sicherer machen möchte, der kann sogar einen Zuschuss von der Kreditanstalt für Wiederaufbau erhalten.

Hausratversicherung übernimmt den finanziellen Schaden

Die Hausratversicherung ersetzt in der Regel den Wiederbeschaffungspreis für gestohlenes oder irreparables Inventar. Dazu zählen auch die Reparaturkosten für beschädigte Möbel, Fenster oder Türen. Zunächst müssen Geschädigte den Schaden unverzüglich der Polizei und der Versicherung melden. Beiden muss dann möglichst schnell eine identische Liste mit detaillierten Angaben zu den gestohlenen Gegenständen vorgelegt werden. Sie dient als Grundlage für die Fahndung der Polizei.

Sollten später weitere Gegenstände vermisst werden, kann die sogenannte Stehlgutliste erweitert werden. Um im Einbruchsfall für die Versicherung und Polizei gut vorbereitet zu sein, hilft es, Kaufbelege, Quittungen, Urkunden und Expertisen aufzubewahren. Wenn gar keine Belege vorhanden sind, sollten Betroffene eine gute Beschreibung der Gegenstände erstellen. Außerdem helfen den Ermittlern Fotos- und Videoaufnahmen. Und noch ein Tipp der Polizei: Am besten hinterlegt man die Liste mit den Wertsachen an einem anderen Ort, wie zum Beispiel bei Verwandten oder Freunden. Eine andere Alternative ist es, die Foto- und Videodaten auf einem USB-Stick zu speichern und diesen ins Bankschließfach zu legen. Eine sichere Online-Cloud ist natürlich eine weitere Option.

Das rät die Polizei

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Mit dem Beginn der dunklen Jahreszeit startet auch wieder die Saison für Einbrecher. Aufgebrochene Fenster, durchwühlte Schränke und der Verlust von Wertsachen sind für die Einbruchsopfer belastend. Ein Einbruch in die eigenen vier Wände ist ein schwerwiegender Eingriff in die Privatsphäre und hinterlässt auch seelische Schäden. Das Risiko lässt sich aber bereits mit einfachen Mitteln und Verhaltensregeln deutlich minimieren. Das sind die Tipps der Kriminalpolizei:

  • Verstecken Sie Ihren Schlüssel niemals draußen. Einbrecher finden jedes Versteck.
  • Seien Sie aufmerksam bei unbekannten Personen und ungewöhnlichen Geräuschen in Ihrer unmittelbaren Umgebung.
  • Schließen Sie Ihre Haustür immer ab. Zuziehen ist nicht abgeschlossen.
  • Gekippte Fenster sind offene Fenster.
  • Geben Sie keine Hinweise auf Ihre Abwesenheit, auch nicht in den sozialen Netzwerken.
  • Halten Sie in Mehrfamilienhäusern den Hauseingang geschlossen.
  • Verschließen Sie in Mehrfamilienhäusern Keller- und Bodentüren.
  • Licht wirkt auf Einbrecher abschreckend. Dabei kann der Einsatz von Bewegungsmeldern sinnvoll sein.
  • Informieren Sie über verdächtige Beobachtungen immer zuerst die Polizei.
  • Notieren Sie Kennzeichen und Beschreibungen verdächtiger Autos und Personen.
  • Sprechen Sie Fremde im Haus oder auf dem Nachbargrundstück an, beziehungsweise machen Sie sich bemerkbar, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
  • Alarmieren Sie bei Gefahr (Hilferufe, ausgelöste Alarmanlage) sofort die Polizei über Notruf 110.
  • Bei längerer Abwesenheit sollte die Wohnung betreut werden.
  • Wichtig ist es, einen bewohnten Eindruck zu erwecken.

Etwa 80 Prozent der Einbrüche erfolgten durch gewaltsames Öffnen ebenerdiger Fenster oder Kellerfenster. Ein handwerklich ungeübter Täter benötigt nur circa 15 bis 20 Sekunden, um mit einem normalen Schraubendreher ein Standardfenster aufzuhebeln. Hierbei entsteht weder Lärm noch ein größerer Schaden am Fenster. Dauert der Einbruchsversuch länger als drei Minuten, lassen die Einbrecher in der Regel von ihrem Vorhaben ab.

Deshalb ist es wichtig, das Haus wirkungsvoll zu schützen und somit unattraktiv für Einbrecher zu machen. Dieser Schutz muss nicht teuer sein. Mit einfachen Mitteln schützen Sie Ihr Haus so, dass ein Einbrecher wesentlich länger benötigt und aus diesem Grund den Versuch abbricht oder es erst gar nicht versucht.

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