Geheimdossier belastet Vieregge und Heuwinkel

Marianne Schwarzer

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Kerstin Vieregge und Friedel Heuwinkel. Hier vor dem Wanderkompetenzzentrum am Hermannsdenkmal bei einer Ehrung für den ehemaligen Landrat im Sommer 2016. - © Archivfoto: Gocke
Kerstin Vieregge und Friedel Heuwinkel. Hier vor dem Wanderkompetenzzentrum am Hermannsdenkmal bei einer Ehrung für den ehemaligen Landrat im Sommer 2016. (© Archivfoto: Gocke)

Kreis Lippe. Die Affäre Lennart Hildebrand ist noch lange nicht ausgestanden: Seit Donnerstag liegt der LZ ein Dossier aus seiner Feder vor, in dem der noch amtierende Kreisgeschäftsführer Hintergründe und angebliche Missstände in der lippischen CDU zusammengestellt hat. Ein Vorwurf lautet, die CDU-Kreisvorsitzende Kerstin Vieregge und der ehemalige Landrat Friedel Heuwinkel hätten Fahrten nicht korrekt abgerechnet.

Unter anderem seien die beiden gemeinsam in einem Auto zu Terminen wie zum Bundesparteitag 2016 nach Essen gefahren, hätten aber beide jeweils die Fahrt angegeben. Heuwinkel habe dafür zwar keine Erstattung, aber eine Spendenquittung erhalten, die ihm nicht zugestanden habe. Nach dem Spendenbuch der CDU sei das so nicht statthaft „und letztlich Steuerbetrug". Kerstin Vieregge habe überdies über mehrere Monate jeweils 400 Euro von der Partei bekommen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen.

Auf Nachfrage der LZ gab sich Friedel Heuwinkel aber sehr gelassen: Er habe es nicht nötig, sich über Spendenquittungen Steuervergünstigen zu erschleichen, weil er ohnehin kaum mehr absetzen könne, als er schon an Mitgliedsbeiträgen an die Partei zahle. „Das allein sind jährlich 2400 Euro", sagte er der LZ. Er ist erzürnt – und überzeugt, dass sich alles aufklären lasse: „Wenn es nach mir geht, dann sollte mal ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer die Bücher des Kreisverbandes prüfen, um zu beweisen, dass alles sauber ist."

Ob der Generalsekretär der Landes-CDU, Josef Hovenjürgen, den in dem 136-seitigen Dossier enthaltenen Vorwürfen auf diese Weise nachgehen wird, ist noch offen. Denn noch hat er es nicht in der Hand, sondern wurde bei seinem Besuch auf dem Neujahrsempfang der Extertaler CDU gestern Abend von dem Thema überrascht.
Kerstin Vieregge äußerte sich zu dem Thema auf Anraten des CDU-Generalsekretärs nicht. Auch er selbst sprach nicht mit der Presse, aber mit Heuwinkel: „Der ist stocksauer", berichtet der Landrat a. D.

Lennart Hildebrand selbst zeigte sich am Abend entsetzt, dass die Unterlagen die Medien erreicht haben. „Das sollte nie passieren", beteuerte er. Er habe das Material, das unzählige Ausdrucke von E-Mails und Sitzungsprotokollen enthält, im Vorfeld eines letzten Gespräches mit dem Generalsekretär nach Düsseldorf geschickt, um dem Treffen eine schriftliche Grundlage zu geben.

Hildebrand hat am Donnerstag seinen Auflösungsvertrag unterschrieben. „Ich habe zwei Exemplare per Einschreiben verschickt, eines an den Generalsekretär und eines an den Betriebsrat", sagte er. Ersteres liege laut Sendungsnachverfolgung noch bei der Post. Er habe seinen Arbeitgeber informieren, sich selbst aber auch schützen wollen. Dass die Medien die Informationen nun hätten, sei „extrem ungünstig".

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Post an Basis

Per Brief wendet sich CDU-Kreisvorsitzende Vieregge an die lippischen CDU-Mitglieder. Es sei ungünstig, dass die Personalie Hildebrandt in der Presse aufgetaucht sei und ein schlechtes Bild auf die CDU werfe, schreibt sie. Aber die Union brauche einen schlagkräftigeren Geschäftsführer, und sie habe eine für alle Seiten befriedigende Lösung erreichen wollen. Einen Wechsel in das Wahlkreisbüro hatte Hildebrand abgelehnt, nach LZ-Informationen, weil er dann seinen Kündigungsschutz verloren hätte. Ob ihr Handeln der öffentlichen Kritik bedurfte, solle intern diskutiert werden.

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