Falscher Arzt muss sich vor Gericht verantworten

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Lemgo. Ein ungewöhnlicher Fall und eine ganze Liste an Vorwürfen: Betrug, Untreue, Urkundenfälschung, Körperverletzung an seiner Ehefrau und das unbefugte Führen akademischer Grade und der Berufsbezeichnung Arzt sowie die Abgabe einer falschen Versicherung an Eides statt - Ein 56-jähriger Bad Salzufler muss sich vor dem Amtsgericht Lemgo verantworten.

Der Angeklagte soll seine spätere Ehefrau über einen Fernseh-Chat kennengelernt haben. Nach der Heirat soll er darauf hingewirkt haben, dass diese die Kontrolle über ihre eigenen und die gemeinsamen Finanzen völlig aufgab. Seine Frau soll ihn ermächtigt haben, Kontoauszüge auch ihres Kontos zu ziehen und Abgaben und Beiträge für ihre Eigentumswohnung abzuführen. Ihr Vertrauen soll sich der Angeklagte etwa mit der falschen Behauptung, er sei „Prof. Dr. Dr." und selbständig als Notarzt tätig, erschlichen haben. Diese Autorität als Arzt soll der Angeklagte auch dazu genutzt haben, seine Ehefrau über mehrere Monate dazu zu bewegen, verschriebene Beruhigungs- und Schmerzmittel in stark überhöhter Dosis einzunehmen. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass diese Betäubung dazu dienen sollte, weitere Taten unbemerkt zu begehen und zu verschleiern.

Dem Angeklagten soll es gelungen sein, unter dem Namen seiner Ehefrau und Fälschung ihrer Unterschrift zwei Darlehensverträge über eine Summe von insgesamt 15.700 Euro abzuschließen. Die Darlehensraten sollen ebenso wenig erfüllt worden sein wie Forderungen der Wohnungseigentümergemeinschaft, Grundbesitzabgaben, Rundfunkbeiträge, Rechnungen von Telekommunikationsdienstleistern und der Stadtwerke Lemgo sowie Darlehensforderungen einer Bausparkasse. Dabei soll der Angeklagte seiner Ehefrau vorgespiegelt haben, dass er die jeweiligen Zahlungen veranlasst habe. Tatsächlich soll der Angeklagte aber das Geld für sich genutzt haben. Zudem soll der Salzufler die EC-Karte seiner Ehefrau für ein Konto, auf das er keinen Zugriff hatte, entwendet und unbefugt 1.200 Euro von dem Konto abgehoben haben. Im Dezember 2016 soll der Angeklagte gegenüber einem Gerichtsvollzieher verschwiegen haben, über ein Kontoguthaben von rund 10.000 Euro zu verfügen.
Durch das kriminelle Verhalten des Angeklagten sollen sich Schulden in einem Umfang aufgehäuft haben, dass sogar die Zwangsversteigerung der Eigentumswohnung der geschädigten Ehefrau betrieben wurde. Jahrelang soll der Angeklagte die an seine Ehefrau gerichtete Post mittels eines gemeinsam eingerichteten Postfachs abgefangen haben.

Unbekannt ist der 56-Jährige der Justiz nicht. 14 Eintragungen Eintragungen stehen ikm Register. Neben einigen Verurteilungen wegen Verkehrsdelikten ist er bereits mehrfach wegen Betrugs, Untreue und Urkundenfälschung verurteilt worden. Mehrere Freiheitsstrafen, zuletzt aufgrund einer Verurteilung vom 28. März 2002 in Höhe von einem Jahr und einem Monat, wurden zur Bewährung ausgesetzt. Zuletzt wurde der Angeklagte am 5. Oktober vergangenen Jahres wegen Betruges – er erteilte einer Rechtsanwältin zweimal Mandate, ohne zur Zahlung der entsprechenden Gebühren fähig oder bereit zu sein – zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen verurteilt.

Der Angeklagte hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht eingelassen. Seine geschädigte Ehefrau, die Strafanzeige gegen ihn erstattet hatte, ist als Zeugin zum Hauptverhandlungstermin, der am 9. Mai um 11 Uhr im Amtsgericht Lemgo verhandelt wird, geladen.

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