"Gesundheit im Dialog": Experten sprechen über Diabetes

Marianne Schwarzer

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Spezialisten für Diabetes: Dr. Hans Joachim Pleuser (links) und Prof. Andreas Holstein klären im Residenz-Hotel über Vorbeugung und Therapie der Volkskrankheit auf. - © Marianne Schwarzer
Spezialisten für Diabetes: Dr. Hans Joachim Pleuser (links) und Prof. Andreas Holstein klären im Residenz-Hotel über Vorbeugung und Therapie der Volkskrankheit auf. (© Marianne Schwarzer)

Kreis Lippe. Die Krankheit kommt selten allein: Wer heute an Diabetes Mellitus Typ 2 erkrankt, hat gleichzeitig oft Übergewicht, Bluthochdruck und läuft vier mal stärker Gefahr, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden als ein gesunder Mensch. Am Dienstagabend traten mit Dr. Hans Joachim Pleuser und Professor Andreas Holstein zwei ausgewiesene Fachleute im Residenz-Hotel an, um knapp 100 Zuhörern zu erklären, was sich gegen diese Volksseuche tun lässt.

Zum letzten Mal vor der Sommerpause hatten die Lippische Landes-Zeitung, die Ärztekammer Westfalen-Lippe, die AOK und das Klinikum Lippe zu der Veranstaltungsreihe „Gesundheit im Dialog" eingeladen, im Herbst soll es weitergehen.

Dr. Hans Joachim Pleuser, niedergelassener Internist und Diabetologe aus Detmold, nahm die Zuhörer zunächst mit in die Welt der Ernährung: Denn mit einer vernünftigen Auswahl von möglichst zuckerfreier, gemüsereicher Kost auf der einen sowie regelmäßiger Bewegung auf der anderen Seite lasse sich schon eine Menge ausrichten, um die Zuckerkrankheit zu verhindern oder sie zumindest in Schach zu halten.

Ganz oben: Weitgehender Verzicht auf Einfachzucker wie Fructose, die zwar einen schnellen Energiekick versprechen, aber auch flugs wieder Hunger machen. „Eigentlich sollten wir uns so ernähren wie die Menschen am Mittelmeer mit viel Gemüse und gutem Olivenöl."

Dr. Pleuser rät davon ab, auf das Frühstück zu verzichten. „Es kann ja auch ein kleines sein." Vom Intervallfasten, wie es im Moment modern ist, hält er übrigens nicht so viel. „Wenn man den Lebensstil konsequent ändert, regelt sich das Übergewicht von allein."

Zucker in Nahrungsmitteln über eine spezielle Steuer zu reglementieren, hält er für eine gute Idee, das zeige das Beispiel Großbritannien, das wie neun andere Länder eine solche Steuer eingeführt habe. „Bereits zwei Jahre zuvor ist der Zuckergehalt von Fanta und Sprite dort von 6,9 auf 4,6 Gramm pro 100 Milliliter gesenkt worden. In Deutschland sind es immer noch 9 Gramm." Dr. Pleuser hält auch nichts von den Beteuerungen der Politik, man wolle niemanden reglementieren. „Das hat es früher auch bei der Tabakindustrie geheißen, und schauen Sie sich an, was erst die Reglementierung bewirkt hat."

Auch Prof. Andreas Holstein plädiert für die Zuckersteuer. „Aber wir müssen bereits viel früher anfangen, mit einer konsequenten Gesundheitserziehung in den Kindergärten und Schulen", fordert der Oberarzt für Gastroenterologie am Klinikum.

Schwerpunkt seines Vortrages war die Medikation, die heute weit über die Gabe von Insulin hinausgeht. Denn es gelte, den Patienten ganzheitlich zu betrachten und dabei die Risikofaktoren stärker in den Blick zu nehmen. Moderne Medikamente wirken heutzutage auf die Darmflora oder sorgen dafür, dass Zuckerüberschuss über die Nieren ausgeschieden werden kann. „Wichtig ist, jeden Patienten ganz individuell einzustellen." Neueste Studien hätten ergeben, dass es fünf unterschiedliche Arten von Diabetes 2 gebe. „Die Hoffnung ist, dass wir die Betroffenen eines Tages noch viel differenzierter behandeln können als bisher." Das wichtigste sei allerdings etwas anderes: „Die Motivation der Patienten. Lassen Sie sich nicht von ihm schaffen, sondern schaffen Sie Ihren Diabetes."

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