Lippes Landessuperintendent kritisiert Ankerzentren für Flüchtlinge

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Dietmar Arends, Landessuperintendent - © Archivbild: Thorsten Engelhardt
Dietmar Arends, Landessuperintendent (© Archivbild: Thorsten Engelhardt)

Detmold (epd). Der Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, Dietmar Arends, hat die geplanten Ankerzentren für Flüchtlinge kritisiert. Wenn in solchen Einrichtungen bis zu 1.500 Flüchtlinge für längere Zeit untergebracht würden, werde es dort Probleme und Unruhen geben, warnte Arends am Dienstag in Detmold.

Der Sinn des Verfahrens müsse die Prüfung sein, ob das Asylrecht gewährt werde. Bis dahin müssten die Menschen so untergebracht werden, dass eine Integration in die Gesellschaft, etwa durch Schulbesuche der Kinder, möglich sei. "Das sehen wir bei den Ankerzenten nicht garantiert", sagte Arends.

In den von der Bundesregierung geplanten Anker-Zentren soll künftig das komplette Asylverfahren abgewickelt werden. Nach Plänen des Bundesinnenministeriums sollen bundesweit bis zu sechs Pilot-Zentren eröffnet werden, in denen jeweils bis zu 1.500 Menschen untergebracht werden sollen.

Arends kritisierte auch Restriktionen beim Familienzuzug von Flüchtlingen mit einem vorübergehenden Schutz. Es sei nicht hinnehmbar, dass eine Familienzusammenführung nur bei einem kleinen Teil von ihnen vorgesehen sei, kritisierte der oberste Repräsentant der Lippischen Landeskirche. Nach Plänen der Bundesregierung soll für Flüchtlinge mit untergeordnetem Schutzstatus der im Frühjahr 2016 ausgesetzte Familiennachzug ab August wieder möglich sein. Allerdings ist dieser auf 1.000 Angehörige pro Monat begrenzt.

Die Landessynode der Lippischen Landeskirche, die am Freitag in Kalletal-Langenholzhausen zusammenkommt, wird über einen Beschlussvorschlag zum Thema "Keine Aushöhlung des Asylrechts" beraten. Ein weiterer Beschlussvorschlag befasst sich mit der Forderung nach einem Verbot von Atomwaffen. Das Kirchenparlament wird sich zudem mit Modellprojekten für die Kirchengemeinden befassen. Mit "Erprobungsräumen" für die Gemeinden will die Lippische Landeskirche unter anderem mehr regionale Zusammenarbeit ermöglichen. Damit will sich die Landeskirche den Herausforderungen durch eine geringer und älter werdende Mitgliederzahl stellen.

Die Lippische Landeskirche ist mit rund 161.000 Gemeindemitgliedern die drittkleinste der 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Oberstes Entscheidungsgremium ist die Landessynode, die in der Regel zweimal im Jahr tagt.

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