AWO Geschäftsführer Stall sorgt sich um Pflegekräfte

Qualität vor Quantität

Oerlinghausen/Kreis Lippe (kap). Detlef Stall will den Teufel nicht an die Wand malen. Aber, so sagt der Geschäftsführer des Kreisverbandes Lippe der Arbeiterwohlfahrt (AWO): "Wir müssen feststellen, "dass es immer schwerer wird, Pflegefachkräfte zu bekommen".

Zeitdruck, schlechte Bezahlung - "das Arbeitsfeld ist momentan einfach nicht mehr attraktiv", fuhr der AWO-Mann im Rahmen einer Veranstaltung in Oerlinghausen fort. Das gelte auch für andere Träger. Das Hauptproblem aus Stalls Sicht: "Der enorme Finanzdruck."

Die Hoffnung, dass sich bei der Bezahlung etwas tue, sei geplatzt. Während die Betriebskosten in den vergangenen fünf Jahren um 10 Prozent gestiegen seien, hätten die Krankenkassen ihre Leistungen nur um 1,98 Prozent angehoben. "Wie soll das funktionieren?", fragt sich Stall.

Da die Pflegedienste keine Defizite einfahren dürften, müsse noch effizienter geplant werden. "Das hat ganz konkrete Auswirkungen auf die Arbeitsbelastung." Dem AWO-Geschäftsführer ist unklar, "wie das auf Dauer bei immer weniger Kräften funktionieren soll". Für die Arbeiterwohlfahrt stehe fest, "dass die Qualität auf keinen Fall geschmälert werden soll". Folge: Wenn die Kapazitäten erschöpft seien, "werden wir uns bei der Aufnahme neuer Patienten zurückhalten".

Mehr Mittel müssten her, Ausbildung und Beruf der Pflegekräfte wieder attraktiver werden, fordert Stall. Viele Sachen, die früher Standard waren, hätten nach und nach aufgegeben werden müssen. "Wir waren schon deutlich weiter. Die Einführung der Pflegeversicherung hat uns zurückgeworfen." Wenn jede Leistung einen Punkt wert sei, "dann ist das losgelöst vom individuellen Bedarf"

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