Psychische Erkrankung berechtigt zur Rente

Sozialgericht: Berufsgenossenschaft muss weiterzahlen

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Detmold (huck). Wer unter psychischen Folgen einer ausgeheilten Hepatitis leidet, hat Anspruch auf Weiterzahlung einer Verletztenrente. Dies hat eine Laborassistentin vor dem Sozialgericht Detmold erstritten.

Die 50-Jährige aus Borchen hatte sich Anfang der 80er Jahre eine chronische Hepatitis zugezogen. Diese Leberentzündung ist als Berufskrankheit anerkannt worden. Im Dezember 1993 wurde ihr auf unbestimmte Zeit eine Verletztenrente nach einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von 20 Prozent zugesprochen.

"2006 war eine antivirale Therapie mit Interferon und Ribavirin begonnen und 2007 beendet worden", berichtete Richterin Katrin Kornfeld. Im Juni 2009 wurde der Klägerin die Rente entzogen, obwohl sie weiterhin über Gelenkschmerzen, Herzrasen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen und eine "insgesamt deutlich geminderte Leistungsfähigkeit" geklagte habe.

Die beklagte Berufsgenossenschaft hielt im Widerspruchsverfahren daran fest, dass die Beschwerden nicht durch ärztliche Untersuchungen hätten objektiviert werden können. Das sah das Sozialgericht nach Einholung eines Gutachtens anders.

Die Berufsgenossenschaft muss die Rente weiterzahlen, da eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustands nicht eingetreten sei. Kornfeld: "Dabei kommt es nicht darauf an, dass der Zerstörungsprozess der Leberzellen gestoppt werden konnte. Vielmehr müssen die psychischen Folgen als mittelbare Schädigung der antiviralen Therapie oder der Hepatitis angesehen werden." Es gebe keine Anhaltspunkte für andere, die Symptome erklärende Erkrankungen.

Das Gericht kritisierte überdies, dass eine positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufs durch frühzeitige psychotherapeutische Behandlung möglich gewesen wäre. Dies habe die Beklagte durch ihr Verhalten verhindert.

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