Mikrobiologin gibt Tipps gegen Legionellen-Befall

Erst eine Wasseranalyse bringt Klarheit

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Expertin über Legionellen-Befall - © Lippe
Expertin über Legionellen-Befall (© Lippe)
Lemgo. Legionellen im Wasser können gefährliche Krankheiten auslösen. Die Bakterien fühlen sich besonders in großen Leitungssystemen wohl. Bis zu 500 Erkrankungen werden pro Jahr gemeldet. Berichte über Legionellen-Belastung sorgen für Verunsicherung in der Bevölkerung. Wie gefährlich die Bakterien sind und wie man sich vor ihnen schützen kann, erläutert die Lemgoer Expertin für Mikrobiologie, Professor Dr. Barbara Becker, im LZ-Interview.

Information
Zur Person:
Professor Dr. Barbara Becker ist promovierte Biologin und lehrt seit 2002 an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Am Institut für Lebensmitteltechnologie der Hochschule ist sie zuständig für den Fachbereich Mikrobiologie. Das Institut wurde Anfang 2011 neu gegründet und vereint Fachkompetenzen aus Chemie, Mikrobiologie, Verfahrenstechnik, Fleischtechnologie und Getränketechnologie. Im Fachbereich Mikrobiologie wird mit krankheitserregenden Mikroorganismen und Viren gearbeitet.

Was sind Legionellen und wo sind sie zu finden?

Professor Dr. Barbara Becker: Legionellen sind bewegliche Stäbchenbakterien. Sie leben im Süßwasser, in Seen und in geringen Mengen im Grundwasser. Es gibt um die 50 Arten, von denen die Legionella pneumophila der häufigste Krankheitserreger beim Menschen ist. Sie vermehren sich bei Temperaturen zwischen 25 und 50 Grad.

Aber sie leben auch in Gebäuden?

Professor Dr. Barbara Becker sitzt an der Sterilbank und zeigt, wie Bakterien unter optimalen Lebensbedingungen auf Nährböden angereichert werden. - © Foto: Krüger
Professor Dr. Barbara Becker sitzt an der Sterilbank und zeigt, wie Bakterien unter optimalen Lebensbedingungen auf Nährböden angereichert werden. (© Foto: Krüger)

Becker: Da sie bevorzugt im Wasser leben, befinden sie sich auch in Wasserleitungssystemen von Häusern. Problematisch sind große Wasserleitungssysteme zum Beispiel von Hotels, Krankenhäusern oder Schwimmbädern, aber auch auf Kreuzfahrtschiffen.

Wie werden Legionellen auf den Menschen übertragen?

Becker: Der Keim wird in der Regel übers Einatmen aufgenommen. Sanitären Anlagen in denen etwas vernebelt wird, sind kritische Bereiche. Dazu gehören zum Beispiel Duschen, Whirlpools, Inhalationsapparaturen, Dampfbehandlungen oder Klimaanlagen. Man geht davon aus - ich bin da immer sehr vorsichtig -, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht erfolgt.

Wie gefährlich sind Legionellen?

Becker: Sie können schwere Lungenentzündungen hervorrufen, die tödlich verlaufen können. Laut Statistik des Robert-Koch-Instituts treten in Deutschland im Jahr 300 bis 500 der meldepflichtigen Fälle auf. Man geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Der Erreger kann auch grippeähnliche Erkrankungen bedingen, die unerkannt bleiben.

Wie hoch ist das Risiko einer Infektion, wenn der Besucher einer Gemeinschaftseinrichtung mit belastetem Wasser geduscht hat?

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