Streit um Nationalpark im Teuto nimmt an Härte zu

Ermittlugnen gegen Landrat Friedel Heuwinkel - Veränderte Kulisse im Gespräch

VON HUBERTUS GÄRTNER

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Nationalpark-Streit

spitzt sich zu - © Lippe
Nationalpark-Streit
spitzt sich zu (© Lippe)

Detmold. Die Auseinandersetzungen um einen zukünftigen Nationalpark im Teutoburger Wald spitzen sich immer stärker zu. Nach einer Strafanzeige wird nun sogar gegen den lippischen Landrat Friedel Heuwinkel (CDU) ermittelt. Eine Bürgerinitiative forderte Mittwoch den sofortigen Stopp aller Planungen.

Die NRW-Landesregierung und viele Naturschützer fürchten, dass der Nationalpark wegen starker Widerstände und politischer Uneinigkeit nicht wie geplant auf lippischem Gebiet realisiert werden kann. Das Projekt "Nationalpark Teutoburger Wald" sei durch den Kreis Lippe "ins Leben gerufen" worden, sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Es werde "vom Land ausdrücklich begrüßt und, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, als regionale Initiative auch unterstützt". Dass der Teutoburger Wald "nationalparkwürdig ist, ist unzweifelhaft und wurde durch Fachgutachten belegt", so Remmel.

Stephan Prinz zur Lippe (links) ist gegen einen Nationalpark im Teuto. Landrat Friedel Heuwinkel befürwortet ihn. - © Foto: LZ
Stephan Prinz zur Lippe (links) ist gegen einen Nationalpark im Teuto. Landrat Friedel Heuwinkel befürwortet ihn. (© Foto: LZ)

Nach Informationen dieser Zeitung wird bereits an einer veränderten Kulisse für einen Nationalpark gearbeitet, die ohne die Flächen des Prinzen Stephan zur Lippe auskommen kann. Der Adlige ist ein erklärter Gegner des Projektes. Obwohl ihm ausdrücklich zugesichert werden sollte, dass er auf seinen Waldflächen weiter wirtschaften dürfe wie bisher, wehrt er sich dagegen, dass sein Eigentum in eine Nationalparkkulisse mit einbezogen und "überplant" wird.

Vor allem der lippische Landrat Friedel Heuwinkel (CDU) wird von Nationalparkgegnern und auch in seiner eigenen Partei immer mehr unter Beschuss genommen. Ein Rechtsanwalt aus Detmold, der Jägerkreisen zugerechnet wird, hat gegen Heuwinkel eine Strafanzeige erstattet. Darin wird dem Landrat vorgeworfen, dass er zum Nationalpark Anzeigen in Zeitungen geschaltet und dadurch Steuergelder verschwendet habe. Es werde geprüft, ob eine Untreue vorliege, sagte Oberstaatsanwalt Christopher Imig. Zur Debatte stehe dabei eine Summe "im unteren vierstelligen Bereich".

Unterstützung von Töpfer und Buß

Heuwinkel ist sich keiner Schuld bewusst. Nach einem Mehrheitsvotum des lippischen Kreistags habe er über den geplanten Nationalpark in der Öffentlichkeit informieren müssen. Nichts anderes sei mit den Annoncen geschehen, sagte er. Heuwinkel sieht in dem Nationalpark auch weiterhin "eine einmalige Chance für die Region".

Unterstützt wird er in dieser Position zum Beispiel von dem früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) und dem ehemaligen Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß. Die Befürworter des Nationalparks können sich unter anderem auf ein Gutachten des Instituts Roland Berger berufen. Es hatte erhebliche positive Effekte, zum Beispiel 4,2 Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr, durch den Nationalpark-Tourismus errechnet. Karsten Otte, Sprecher der OWL-Umweltverbände, sieht die Gefahr, dass durch "parteipolitische Machenschaften" und "unsägliche Desinformationen" ein " wichtiges Projekt für die Region OWL im Vorfeld kaputtgeredet" wird.

Die Nationalparkgegner zweifeln Sinnhaftigkeit und Nutzen des Nationalparks grundsätzlich an. Die Einnahmen würden die Kosten bei weitem unterschreiten, sagt Doris Meierjohann vom Bund der Steuerzahler. "Nach der Absage der Gemeinde Horn-Bad Meinberg und von Prinz zur Lippe, die ihre Waldflächen für den Nationalpark nicht zur Verfügung stellen, ist die ursprünglich vom Land NRW und dem Landrat Heuwinkel vorgestellte (8.650 Hektar große) Kulisse nur noch Makulatur", glaubt Jürgen Ruth, Vorsitzender der Initiative "Unser Teutoburger Wald".

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